Kalender und Jahreswechsel

Es ist ja schon eine Weile her, dass wir was Neues geschrieben und gezeigt haben, aber aus unserem Weihnachts-Heimaturlaub weiß ich, dass tatsächlich einige an unseren Berichten interessiert sind, ja gar auf Neuigkeiten warten.
Also wieder mal ran an´n Speck:

Wie man sieht, lieben die Iraner Weihnachten (fast) genauso wie die Deutschen; wohltuend haben wir allerdings empfunden, dass dieser Trubel, der um sowieso überschätzte Spekulatius, Schokoweihnachtsmänner und Stollen gemacht wird, an uns vorübergegangen ist. Was für die Kinder wichtig war, ist das Basteln, das Singen auf dem Schulhof um den Adventskranz an den Sonntagen und die Weihnachtsfeier in der Schule (weitere Bilder stets aktuell auf http://schulwebs1.dasan.de/ds_teheran/).

So ein Heimaturlaub ist ja für uns auch durchaus erleuchtend gewesen, weil die Fragen deutlich machten, wo noch Unklarheit herrscht. 
Fangen wir mal mit dem einfachen an, der Uhrzeit: 
In Iran ist GreenwichMeanTime +03:30, das heißt, wenns bei uns halb eins ist, ist´s in D erst zehn.
Die Woche ist so ähnlich wie in D, sieben Tage lang ist sie und beginnt mit dem Sonnabend, der Schanbe heißt. Die nächsten Tage sind einfach zu merken: Yek-Schanbe (Eins-Sonnabend), Do-Schanbe (Zwei-Sbd.), Se-Schanbe , Chahar-Schanbe, Pandsch-Schanbe für Fünf-Sbd.=Donnerstag. Dann kommt der Freitag, der heißt Dschom´e. Da ist für alle frei.
Jahresrechnung: In Iran ist noch lange nicht Neujahr gewesen. Das findet erst an unserem 21. März statt (oder auch 1 bis 2 Tage früher…). Dazu mehr,wenn es soweit ist. 
Sorry Kinder, Weihnachten findet (für Iraner) nicht statt!
Der iranische Kalender ist natürlich auch besonders, weil das Jahr Null auf das Jahr festgelegt wurde, als Mohammed von Mekka nach Medina fliehen musste. Immerhin ist das nächste Jahr fast genau 365 Tage lang. So haben wir jetzt das Jahr 1387.
Dies wird überdeckt vom islamischen Kalender, der als reiner Mondkalender auch im Jahr 622 n. Chr. beginnt, aber 11 Tage kürzer ist, weshalb der Fastenmonat Ramazan zum Beispiel jedes Jahr soviel früher stattfindet. Das heisst, dass es in den nächsten Jahren noch unerträglicher wird, den ganzen heißen Tag nichts zu essen und vor allem zu trinken.
Am Tag der Weihnachtsfeier fing es an zu schneien, endlich. Wer´s nicht mochte, waren die Autofahrer, die die Berge mehr schlecht als recht runterkommen. Man soll auch bei Schnee kein Taxi mehr bekommen. 


Einige Weihnachtsgeschenke haben wir einen Tag vorm Abflug auf dem Basar besorgt. Dies ist der größte Basar des Nahen und Mittleren Ostens und großgroßgroß.
Dorthin ging es mit der Metro, die von Norden nach Süden geht und an deren Erweiterung grade gebaut wird. Ausgestiegen sind wir am Imam Khomeini Platz, wo wir als erstes in den Auspuffbazar, dann in den für Autoschläuche, danach in den Anbauteilemarkt und schließlich durch den Mobiltelefonbazar zum Tüten- und Dekorationsartikel- samt Schreibwarenbazar gelangten. Noch habe ich keine Ahnung, wo man hier auf z.B. Staubsaugerbeutel träfe. Aber ich wette, es gibt auch dafür eine komplette Straße.

Nach 2,5 schönen und anstrengenden Wochen in D sind wir nun wieder in Tehran, wo frühlingshafte Temperaturen herrschen und so gar nicht wie hier üblich Schnee Mangelware ist.
Vielleicht schaffe ich es wieder wöchentlich, zu schreiben, aber versprechen kann ich nichts…

Skifahren

Ich habe gestern mit zwei befreundeten Frauen einen Ausflug auf den Tochal gemacht mit dem erklärten Ziel, Ski zu laufen. Die Ausrüstung mussten wir uns an der Talstation leihen, dafür waren etwa 20 € fällig, für die Fahrt mit der Seilbahn und die Benutzung der Skilifte noch mal etwa 12 €. Dafür sind wir in etwa ner halben Stunde mit dem Taxi am Ort gewesen.
Es war trotz normalem Arbeitstag so voll, dass wir eine Stunde warten mussten, bis wir die Seilbahn besteigen durften.
Am Eingang achtete die Skipolizei auf, dass nicht Männlein und Weiblein gemeinsam in die kleinen Kabinen (6 Pers.) steigen (Ausländer ausgenommen). Immerhin ist das für die jungen Leute einer der wenigen Orte, wo sie sich ungesehen aneinander kuscheln können. Wer nicht verheiratet ist, darf auch nicht zusammen wohnen. Nach etwa einer weiteren Stunde waren wir oben auf knapp 4000m Höhe (an der Umsteigstation war auch ne Schlange) und dann gings direkt runter auf die Piste.
Der Blick von Oben atemberaubend – außer im Flugzeug war ich noch nie so hoch oben. Tehran war nicht zu sehen – nur der Burj-e Milad kuckte durch die Smog-Wolkendecke hindurch:Nun ist das über 20 Jahre her, dass ich Ski gelaufen bin, ich hatte etwas Schiss, dass meine alten Knochen die Geschichte nicht mitmachen. War aber nicht so schlimm wie bei der letzten Abfahrt, bei der ich mir ne Rippe angeknackst hatte. Und verlernt hatte ich es auch nicht.

Nachmittags um 2 waren wir wieder unten bei der Schule, um die Kinder abzuholen.
Das nächste Mal machen wir es mit den Kindern und vielleicht besorgen wir uns noch gebrauchte Ski, damit wir nicht an der Ausleihe noch mehr Zeit verlieren. (Hat jemand von euch welche günstig abzugeben?)
[Jochen]

Schnee!

Bald sollen wir ja ADSL bekommen, dann (hoffen wir) geht es mit dem Verschicken von Bildern und der Internettelefonie etwas besser.
Letzte Woche bin ich x-mal zwischen Telefoncompany und DSL-Provider hin und hergelaufen, um alles zusammenzukriegen, was benötigt wird. Sogar unseren Hauseigentümer, der sonst einmal im Monat hier zu sehen ist, um Geld einzutreiben, habe ich getroffen und mich ausnahmsweise mal gefreut, weil ich eine Kopie von seinem Pass brauchte. Die Telefonleitung läuft auf seinen Namen. Im Fahrstuhl Pass auf den Boden gelegt, Foto gemacht, vielen Dank, schönen Tag – an dem Tag hatte ich mal Glück.
Glück hatte ich auch, dass wir überhaupt soweit sind. Reza, der mich ab und zu freundlicherweise in Farsi unterrichtet, kennt jemanden, der beim Internetprovider relativ weit oben in der Etage sitzt. Nachdem ich schon eineinhalb Monate DSL angemeldet hatte, fragte er mich, ob ich ihm mal unsere Telefonnummer und Adresse geben könnte, er würde dem das mal in die Hand drücken. Wupps, am übernächsten Tag riefen sie mich an, jetzt hätten sie freie Ports. So´n Zufall…


Heute war so ein schöner Tag, dass wir nicht drinnen hocken konnten. Steffi hatte die glorreiche Idee, auf den Tochal zu fahren, wo wir im Sommer schon mal waren. Den Kindern Schnee auf 3100 m Höhe zeigen, wo er doch hier länger als in D auf sich warten lässt.
Solveigh sagte, so hätte sie sich da nicht vorgestellt. Irgendwie flacher. Aber so ist es irgendwie sogar besser.
Wir hatten Rutschschlitten mit, und die Kinder hatten ihren Heidenspaß. Da heute kein Feiertag ist und wir spät loskamen, war es sehr leer auf der Alm.

Diese Panoramen gesondert öffnen, dann kann man etwas mehr erkennen. Der Blick von da oben war einfach atemberaubend, wenn die Kinder nicht so gequengelt hätten, wärn wir richtig entspannt gewesen.
Natürlich war trotzdem was in den von den Kindern extra geputzten Stiefeln drin, heute nacht hat der Nikolaus auch noch den Adventskalender mit kleinen Päckchen vorbeigebracht – es ging wohl vorher nicht. Obwohl der Weg für ihn eigentlich nicht so weit ist, schließlich ist er gebürtiger Türke.

Baustellen I

Langsam geht es auf Weihnachten zu, auch hier kommen wir (allerdings ohne Spekulazius und Lebkuchen) nicht an diesem Event vorbei. Immerhin, wir haben einen Adsventskrans! Den haben wir von dem Abend, an dem wir bei der Ev. Kirche als Helfer beim Adventsbazar angestellt waren. Das war eigentlich ein netter und arbeitsreicher Abend. Für einen guten Zweck und daher wahnsinnig teuer. Sogar Eintritt musste man zahlen. Trotzdem waren vielleicht 700 Besucher dort, um den Laden leer zu kaufen..
Die Hinfahrt war allerdings weniger schön. Wir mussten mit dem Taxi, weil wir den Teig für unseren Waffelstand und andere Ausgeliehenheiten dort mithinnehmen mussten. Der Taxifahrer fuhr um eine Kurve etwas zackig und ein Moppetfahrer passte beim Uns-auf-der-rechten-Seite-überholen nicht auf, wurde geschnitten und knallte gegen unsere Seite und wurde zwischen unser und ein stehendes Auto gedrückt. Als er auf dem Boden lag, war ich auch schon raus, zerrte ihn unterm Mopped hervor und half ihm auf. Er humpelte ein bisschen, aber sonst war er nur um seine Kiste besorgt. Es sollte nach dem Blick auf Auto und Motorrad schnell weitergehen. Ich hatte Solveigh auf dem Schoß gehabt und beim Wiedereinsteigen hatte sie die Tür am Türrahmen, die dann von der zugeknalllten Tür eingeklemmt wurde. Zum Glück war alles schnell wieder gut, sie hat eben noch nicht sone dicke Hand. Und Mama hatte Kügelchen dabei.

Was die Baustellen angeht, sammel ich auch weiterhin, so gesehen ist das hier eine Art Zwischenbericht:
Zunächst mal wird hier von der Statik her schon ganz anders gebaut als in D, da alle 2 Jahre oder so auch mal deutlich spürbare Erdbeben vorkommen sollen. Meistens sind es jedoch Beben, die unter der Spürbarkeitsgrenze liegen. Also bisher hatten wir noch kein großes. Und wir leben in einem sicheren Haus, was man von diesem wohl nicht sagen konnte.

Eine Baustelle funktioniert so: Zunächst gibt es ein Haus, große Grundfläche, aus der Zeit der Revolution oder ein paar Jahre davor oder danach.
Renovieren gibts hier nicht, entweder streichen und kacheln oder abreißen und neubauen. Dann natürlich mit mind. 3 Geschossen mehr.
Die Steine vom Abriss werden von den Afghanis (aus denen die Bautrupps meist bestehen – billig, loyal und genügsam) aufgestapelt und dann bauen sie aus den Resten ihre neue zeitweise Behausung. Dort wird geschlafen, gegessen und gelebt, bis das nächste Haus gebaut wird.


Die Baustelle wird bis ins 3. oder 4. Untergeschoss ausgeschachtet, wo nachher der Pool und das Parking sich befinden (und die Hausmeisterwohnung…) Hinten sieht man wieder eine Arbeiterbehausung. Später wird in den Neubau umgezogen und die Steine um die Stützen rumgemauert, oder wo sie sonst noch verwendet werden können.

Dann wird ein Gerüst aus Stahl oder Stahlbeton errichtet. Beides ist bei der hiesigen Qualität nicht ganz ungefährlich –
Stahl wird immer noch auf der Baustelle geschweißt; die Schweißer sitzen in schwindelnden Höhen (meist) ohne Gurt und braten die auf Konsolen abgelegten Träger fest. Eigentlich darf nur noch geschraubt werden oder die Schweißnähte werden auf Tauglichkeit geröngt. Die Praxis ist leider anders.
Stahlbeton – Selten sieht man einen Mischwagen, der nach Din oder Euronorm angemischten Transportbeton zur Baustelle bringt. Meist findet man Ortbeton oder Baustellenbeton; ob die Überdeckungen des Stahls eingehalten werden, möchte ich mal bezweifeln.
Die Schalung für die Fußböden ist manchmal unglaublich, Holz ist knapp, also nimmt man jedes Brett, das sich finden lässt.
Manchmal kann ich nicht sofort rausfinden, ob ein Haus nun abgerissen wird oder grad neugebaut.

Dies ist aus Isfahan, wo dem, bei dem wir zu Besuch waren, grad die Aussicht auf den schönsten Berg der Gegend verbaut wurde.In Tehran wird nur selten mit Holzstützen gearbeitet, hier nimmt man eher normale Drehstützen.Und wenn das Gerüst steht, wird ausgefacht. Manchmal mit Vollstein, meist mit TonHochlochziegeln. Die brechen schon beim ankucken.

Diese beiden Bilder sind von heute, da hat jemand beim Ausladen keine Geduld mehr gehabt:Bis hierhin erstmal der erste Teil, es gibt noch mehr spannende Bilder.
Wir wünschen eine schöne Vorweihnachtszeit.

[Jochen]