Auf Ski ins Neue Jahr

Schon wieder Ferien! Diesmal eine Woche. Die Chinesen feiern ihr Silvester vor dem Ma-Nian, dem Jahr des Pferdes. Also haben sie bestimmt Besseres zu tun, als Skilaufen zu gehen. In fußläufiger Entfernung von unserem Domizil gibt es einen Bus, der um 8:30 nach Nanshan fährt. Eine Stunde später sind wir im braun-weißen Paradies. Der Bus zurück fährt um 16:30 und 17:30. Wir sind nicht sicher, ob wir es so lange auf dieser Pistenlandschaft aushalten, aber als wir die Kinder  um vier Uhr rufen, betteln sie um Verlängerung. Gewährt!

Wir setzen uns auf die Liegestühle und vertiefen unseren Sonnenbrand. Bei der Rückfahrt sehen wir die ersten Feuerwerke in den Obstgärten, die die Autobahn flankieren. Das Leben ist schön.01-X1000057 02-X1000058 03-X1000062

Schön, dass wir Martje endlich zum Lesen überreden konnten.05-X1000078 06-X1000086 08-X10000911-X1000102

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Wir haben auch viel Geld ausgegeben, um das Neue Jahr anständig zu begrüßen, aber was das Management unserer 4 Hochhäuser aufgefahren hat, sprengt wortwörtlich unsere Vorstellungen. Zu acht tragen die Wachmänner die Kartons ran, in denen die Raketen drin sind. Diese werden an einer Seite angezündet und alle bringen sich in Sicherheit. Es macht viel mehr Krach als bei den Knallkörpern in D. Das, was wir vor unserer Haustür sehen, fackelt man in HH beim Alstervergnügen ab. Naja fast.

Das Dollste ist, dass noch während Feuerzeuge ihren Dienst tun, die Müllwerkerin kommt, um die ersten Kartons zusammenzufalten und abzutransportieren. Morgen wird man von all dem Müll nichts mehr sehen, bis sich abends das Ganze wiederholt. Es darf nämlich jetzt 14 Tage lang von 0:00 bis 24:00 geballert werden. Gut, dass wir so weit oben wohnen, wir bekommen hier wenigstens etwas Ruhe.15-X1000240 16-X1000261 17-X1000268a 19-X1000282 20-X1000283 21-X1000288 22-L1057694Frohes neues Jahr!

 

Konfus war der nicht: Konfuzius

Der Konfuzius-Tempel liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Lama-Tempel, aber lange nicht so überlaufen, vielleicht weil hier nicht so viel Räucherkerzen abgebrannt werden. Das Gelände ist jedenfalls mit einem Burggraben um den eigentlichen Tempel und vielen richtig alten Bäumen sehr schön anzuschauen. Eine Ausstellung flankiert links und rechts in Nebenpalästen das Hauptgebäude und zeigt das Leben und Wirken von Konfuzius. Der ist nämlich der eigentliche Urheber des Kant´schen Imperativs („Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu!“) und das schon 500 v.Chr.! Ich habe den Spruch das erste Mal in einem Micky-Maus-Heft aus dem Schnabel von Donald Duck gelesen. Und Kong Fu Zi hat ein wenig Ähnlichkeit mit mir selber, wenn über ihn gesagt wird: „Ist das nicht jener Mann, der weiß, dass seine Ideen nicht zu verwirklichen sind, aber dennoch nicht davon ablässt?“ Dies war und ist als positive Aussage gemeint…

Bildung für alle unabhängig vom Standesdenken war eines seiner Hauptthemen. Durch Bildung solle man zu einem Edlen Menschen werden und damit die Ordnung in der Gesellschaft herstellen. Es ist eine philosophische „Religion“, man verehrt ihn wie einen Heiligen. In der Zeit unter Mao waren seine Gedanken nicht erwünscht, vielleicht auch, weil er Abkömmling von Königen war. Zu Zeiten der Kulturrevolution gab es eine wahre Hetzjagd auf Lehrer, wenn ich richtig informiert bin.

Ein paar Bilder von einem Touristen:

Im Hutong hinter dem Tempelgelände:L1057622

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Steffi hat auch schon diese Handhaltung.L1057634

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Total viele Stelen aus dem 18. Jht., auf denen Artikel, die Konfuzius zugeschrieben werden, eingemeißelt sind. Die sind allerdings von 17 Hundert und.L1057644

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Man schreibt seinen Namen drauf und hängt es ans Geländer. Bringt Glück. Ich glaube, wenn ich alles machen würde, was Glück bringen soll, hätte ich keine Zeit mehr zum Blogschreiben.L1057664

Auch die Goldfische sind hier Rot.L1057665

 

Verkehrsgewohnheiten

Als ich noch jung in Hamburg lebte, bin ich meistens recht aggressiv Rad gefahren und ich bin froh, dass ich trotzdem vorsichtig genug war, um keine Unfälle zu erleiden. Ich weiß nicht, ob die Autofahrer damals auch aggressiver waren oder weniger mit Radfahrern rechneten, jedenfalls habe ich mich weit weniger häufig mit ihnen angelegt, nachdem ich Familienvater wurde.

Ich hatte eine Zeitlang diese blauen Aufkleber bei mir, die so schwer ab.ge.hen, wenn sie auf der Windschutzscheibe oder einem Seitenspiegel kleben: „Parke nicht auf unseren Wegen!“ Und ich hatte viele Gelegenheiten, diese zu verteilen. Für den Fall, dass ich von einem aufgebrachten Falschparker und Verkehrsvergeher zur Rede gestellt werden würde, hatte ich mir schon eine Strategie überlegt: Fall auf die Knie und rufe „Preiset den König der Straße!“ Dazu kam es nie, nur einmal war ich kurz davor, als mir eine Dame im Chanel-Kostüm wutentbrannt zurief: „Geben Sie mir Ihre Karte!“ Ich wusste zunächst nicht mal, was sie meinte. Als ich verstand, hatte ich keine Visitenkarte. Ich stand nicht so hoch in der Rangfolge, dass ich eine gebraucht hätte.

Hier in Beijing würde ich auch gern manchmal anhalten, vor dem Autofahrer auf die Knie fallen und den King of the Road anbeten, aber ich habe mir überlegt, eine andere Strategie zu fahren.

Das Problem ist, dass es viele Radspuren gibt, die man nicht mit den Autofahrern teilen muss. So die Theorie. In Wirklichkeit parken auch hier viele Autos auf den Radwegen, diesen kann man aber leicht ausweichen. Wenn jedoch ein Autofahrer rechts abbiegen muss, fährt er einfach auf die Radspur und schaut erst im letzten Moment, ob jemand seinen Weg kreuzt. Wenn das der Fall ist, fährt er trotzdem langsam weiter, bis er entweder weiterfährt, weil der Rangniedrigere angehalten hat, oder er wird langsamer und lässt den Bizyklisten durchhuschen. Im letzten Moment wird er das Risiko nicht eingehen, jemanden ins Krankenhaus zu befördern, aber wer weiß das schon so genau? Diese Sichtweise des Verkehrs, wenn alle ähnlich denken, führt zu einer dynamischen Fahrweise mit einem ins sportlich gehenden Fließen. Wenn man so wie ich als Radfahrer so schnell ist wie die Autos, kann das auch viel Spaß machen. Der Verkehr ist meist nicht sehr schnell. – Man kann sich auch bei jedem, der einem die Vorfahrt nimmt, aufregen. Ich will das nicht mehr.

Leider kommt es doch auch zu Unfällen zwischen den Zweiradfahrern und den Blechkistenlenkern. Eine Kollegin von Steffi wurde letztens angefahren, hatte sich noch schützend vor ihr teures Rad gequetscht und fand sich auf dem Asfalt wieder. Die Autofahrerin ließ die Scheibe herunter, zwitscherte „Sorry“ und fuhr weiter. Immerhin konnte sie zur Schule humpeln und sich erstmal auf die Krankenliege legen.

Die Gefahr für alle ist nämlich, dass sie dazu verdonnert werden, den Schaden zu bezahlen. Und zwar nicht nur die Schuldigen, sondern auch die Helfer, wie bei einem Unfall, der vor ein paar Jahren publik wurde: Eine Frau stolperte aus einem Bus, brach sich ein Bein. Ein Mitfahrer hielt, kümmerte sich um die Frau, brachte sie ins Krankenhaus und wartete, bis die Diagnose des Chirurgen getroffen war. Da die Familie der Frau die Krankenhauskosten nicht zahlen konnte, suchten sie jemand anderen mit Geld. Der Ersthelfer müsse ja doch Schuld gewesen sein, dass sie sich überhaupt verletzte, sonst hätte er doch nicht geholfen. Das ist die Einstellung, die noch aus Zeiten vom Großen Vorsitzenden herrührt, der den Chinesen das Mitleid gründlich abgewöhnt hat. Der Helfer wurde schließlich von einem Gericht dazu verurteilt, umgerechnet 4500 € zu begleichen, was ihn vielleicht nicht in den Ruin trieb, aber durchaus neun Monatslöhne betragen kann.

Als ich letztens im Carrefour einkaufen war, sah alles so still am Obststand aus. Leute  standen herum. Nach einiger Zeit wurde ich gewahr, dass schon länger eine Frau auf dem Steinfußboden lag, immerhin in stabiler Seitenlage, aber reglos. Blitzschnell ging mir diese Geschichte mit dem Helfer durch den Kopf und ich überlegte fieberhaft, was ich machen sollte. Ein Polizist und eine Frau mit Mobile am Ohr standen daneben und waren offensichtlich involviert, also ging ich mit schlechtem Gewissen meiner Wege. Ich hätte mangels genügend Sprachkenntnissen doch nicht helfen können. Oder? Sie lag bestimmt schon ein paar Minuten dort.

Eine Mitstudentin aus meinem Chinesischkurs hatte auch einen Kollision mit einem Auto. Dabei kam ihr eine Passantin zu Hilfe, die sie mehrere Stunden lang ins Krankenhaus begleitete und die natürlich nicht die Rechnung bezahlen musste.

Also ist es doch nicht so, dass das Helfen eigentlich abgeschafft ist? Immerhin ging ein Aufschrei durch die Nation, als ein kleines Mädchen 2011 von mehreren Lieferwagen überfahren wurde und kein Fahrer und auch kein Passant anhielt, bis nach 7 Minuten eine Müllsammlerin um Hilfe rief.

Weiße Pisten, braune Berge.

Ein erster Skiausflug findet mit der Patengruppe statt, bei dem leider alle anderen aus meiner Familie nicht mitkönnen, da sie während der Woche lernen und arbeiten müssen. Für moderate 300 Kuai fahren wir mit dem Bus in die Nähe von Miyun, wo der Nanshan kunstbeschneit nur auf uns wartet. Equipment und kleine Snacks sind inbegriffen. Die schwarze würde in Österreich zwar nur als hellgraue Piste gelten, aber Spaß hat es doch gemacht. Nur die braune Umgebung ist etwas zum Gewöhnen. Sonst ist alles wie in den Alpen.;-)

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Da kann man sich schon mal vor Verwunderung am Kopf kratzen.pano nanshan

Eiszeit!

Die Werte der Luftverschmutzung sind seit einigen Tagen wieder schlecht, letzte Woche waren es gar Werte über dem hierzulande Messbaren. In der Schule macht bei Werten über 300 eine Lautsprecherdurchsage klar, dass niemand auf den Schulhof darf.

Trotzdem haben wir uns vorgenommen, früh aufzustehen, um zum Schlittschuhlaufen zu fahren. Am Morgen sehen wir die Häuser gegenüber kaum. Mittags ist die Luft besser. Bei 196 ziehen wir los. Nordwestlich der Verbotenen Stadt gibt es einen See, den Bei Hai = Nordsee, auf dem jede Eisfläche, die gefahrlos betreten werden kann, eingezäunt ist. Für Eintrittsgeld kann man das Erlebnisgebiet betreten und sich Eisfahrzeuge oder Schlittschuhe mieten. Die Eisfahrräder sehen am interessantesten aus, daher leihen wir, Jan Ingmar, Steffi und ich, drei davon aus und habe unseren Spaß damit. Es wird sogar noch lustiger, als sich ungefragt Schlittenbesatzungen an unsere Kufenfahrzeuge anhängen. Ein toller Spaß, den wir bestimmt noch mal machen werden, dann mit den Mädels, die leider was für die Schule tun müssen bzw. über Fußweh klagen.

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Wie im echten Straßenverkehr!D7K_7772

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Man lässt kleinste Drachen steigen (oder versucht es wenigstens):D7K_7782

oder hat Erfolg mit größeren Mengen.D7K_7787

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Für Trinkjoghurt im Glas ist es nie zu kalt.D7K_7700Das Alstereisvergnügen kann kaum schöner sein.

 

Weg mit dem Altmetall!

Hooray! Heute ist Tag des Lachens! Und ab morgen ist jeder Tag Tag des Lächelns für Martje. Die Zahnspange kommt heute raus. Ein sogenannter Retainer wird eingesetzt, der, hinter die Zähne eingesetzt, diese in der erreichten Stellung hält. 5 Jahre soll das noch mal dauern! Im übrigen ist die Qualität der SOS-Klinik der einer deutschen in meinen Augen ebenbürtig. Ist wohl auch genau so teuer. Ein paar Tage, bevor man einen Termin hat, bekomme ich eine eMail, dann einen Tag vorher noch mal eine SMS als Erinnerung und wir haben nie länger als 10 Minuten warten müssen. Perfekte Organisation. Muss aber auch, denn der Chefkieferorthopäde kommt nur einmal im Monat aus Hongkong angeflogen. 2-L1057564

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Das fertige Ergebnis:1-L1057572

Please look back to see – Taoyuanxiangu

Mit der Patengruppe mache ich wieder einen Ausflug in die Umgebung Beijings. Diesmal ist ein Park im Norden das Ziel der 27 Frauen und drei Männer, der im Tal der Unsterblichen liegt – daher der Name Immortal Valley. Millie von den BeijingHikers.com macht die Führung durch den Park.08-DSCF5914

Auf einigen Steinen steht eingemeißelt, dass man nicht vergessen soll, die Natur zu betrachten, ein netter Hinweis, der bei dem manchmal anspruchsvollen Steintreppenweg durchaus angebracht ist. Eigentlich sind alle Wege in China nach oben mit Treppen versehen. Es geht vorbei an vereisten Wasserfällen, über steile Stahltreppen, deren Schweißnähte sicher kein Tüv geprüft hat bis auf eine abgerundete Gipfelterrasse, wo wir den wohlverdienten Lunch einnehmen.1-DSCF5991

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Im Hintergrund kann man den See erkennen, der im Notfall, dass alle anderen Seen kein (sauberes) Wasser mehr bereitstellen können, als Trinkwasserreservoir für Beijing benutzt wird.04-Pano Taoyuanxiangu9

 

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Mehr Feiern

Weihnachten und Neujahr sind grad erst vorbei, da steht schon wieder ein Fest auf der Türschwelle. Diesmal ist es das chinesische Neujahr, für das Wohnzimmerschmuck und andere Dinge neu gekauft werden müssen. Weiterhin ist es die Farbe Rot, in der alles gewandet sein muss.3-L1057472

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Wir sind aus unterschiedlichen Gründen schon ganz aufgeregt: Jan Ingmar vor allem freut sich auf die Kracher, die er sich vom Taschengeld kaufen wird. Wir Erwachsenen befürchten, bei dem Feuerwerk nicht schlafen zu können.

Die Feuerwerkskörper sollen alle zertifiziert sein, nix da Chinaböller, die nur vom Ankucken explodieren oder in alle Richtungen, nur nicht dahin wohin man gezielt hat. Alles schön geregelt. Das einzige Manko ist, dass die Schlagkraft, sprich die verwendete Menge an Schießpulver viel größer als bei den in D verkauften Knallern sein soll. Angeblich sind die Chinesen so gesittet, niemandem die Dinger vor die Füße zu werfen. Hoffen wir mal, das stimmt, dann lässt nur noch die Dauer der Ohrbetäubung Grund zur Sorge entstehen: eine Woche vor „Silvester“, dem 30. Januar geht es los mit dem Ballern, und mindestens eine Woche nach dem 31.1. wird es weitergehen. 1-L1057481_1

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Der Tannenbaum auf unserem Compound, der in den Springbrunnen gesteckt worden war, wurde jetzt durch einen Kirschbaum ersetzt. Echt ist der natürlich auch nicht. Einen Glücksbringer -Fisch haben wir auch in unserer Wohnung hängen. Ich hab den letztens gekauft, weil es so interessant aussah. Ich weiß nicht, was drin ist. Ich glaube Kuchen. Ich hoffe, süß. Ich trau den Chinesen zu, dass sie Hühnerfüße in Teig backen und als Spezialität anbieten.5-L1057476

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nix neues in Beijing

Peking kommt uns fast schon europäisch vor, jedenfalls scheint mir, als wenn es immer weniger interessante Sachen zu sehen gibt. Oder sind wir akklimatisiert und sehen das Exotische nicht mehr? Das stimmt natürlich nicht, es ist nur nicht so offensichtlich wie in dem warmen Vietnam. Menschenmassen sind jedenfalls nicht zu sehen. Dafür ein Fahrzeug, das ich bisher noch nicht entdeckt hatte: Dreirad mit Lenkrad wie in einem Auto. Schnell um die Kurve fahren kann man damit bestimmt nicht.1-DSCF5850

Ansonsten ist es kalt, aber mit 6° nicht zu kalt, versmogt, aber mit Werten um 200 nicht dramatisch und heute hat die Schule wieder begonnen.

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