Jun 052013
 

China ist ja per se eines der sichersten Länder der Welt, wenn man von so einfachen Gefahren wie Typhus, Hepatitis A und Hühnergrippe mal absieht. Eine Diktatur eben mit entsprechend viel Kontrolle durch Polizei und Militär.
Trotzdem kommen angeschlossene und nicht angeschlossene Fahrräder abhanden, und im Gedränge soll man seine Taschen dicht am Körper im Blickfeld halten (Rucksack albern vor dem Körper statt auf dem Rücken tragen z. B.). Mach ich ja auch ganz brav, aber damit hatte ich, von Deutschland und Iran verwöhnt, nicht gerechnet:

Beim Schlendern durch die alten Viertel in der Nähe des Zentrums (mir war gar nicht klar, wie nah ich der Verbotenen Stadt war) spricht mich ein junges Mädchen auf passablem Englisch an und wir kommen ins Plaudern. Sie war mit zwei Freundinnen unterwegs. Was ich denn vorhätte? – Nichts im Besonderen, aber ich würde bald was zu Essen besorgen wollen. – Sie sagten, sie würden in eine Teehaus gehen wollen, ob ich schon mal in einem war und nicht mitkommen würde. Essen könnte man dort auch etwas. Man lernt ja nie aus… Schon bald stehen wir vor einem solchen – Etablissement. Nicht was einem jetzt sofort durch den Kopf schießt. Trotzdem bin ich irritiert, dass es nur ein paar Zimmer gibt, die mit Chaiselongue und Karaoke-Anlage ausgestattet sind. Wir stolpern in eines hinein und bald wird Tee, Cola, Kürbiskerne und Gebäck gebracht und – die Tür geschlossen.

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Ich denke nur, das bringst du jetzt hinter dich und hoffentlich fängt nicht eine an, zu schreien und dich wegen Belästigung hinter Gitter zu bringen. Aber eigentlich hab ich es auch wieder nicht gedacht, denn es bleibt eine nette Plauderei. Nach 10 Minuten hab ich aber die Nase voll von dem unerwarteten Sprachkurs und will meinen Anteil zahlen. Oder meinetwegen auch die ganze Rechnung, denn teurer als 10 Euro kann es ja wohl nicht werden.
Denkste! Die Rechnungen im Businesshotel sind auch nicht detaillierter und schöner geschrieben als was ich vor die Nase gehalten bekomme: 750 RMB, das sind gut 90 Euro. Ich hatte schon umgerechnet 13 Euro gezückt, und ärgere mich schon, obwohl ich noch nicht weiß, was aus der Angelegenheit wird. Nach einigem Hin und Her einigen wir uns auf die Hälfte. Wenn ich damit gerechnet hätte, hätte ich gar nichts bezahlt – schließlich haben sie mich doch eingeladen, oder?
Als wir wieder draußen sind, verabschieden sich die Mädels schnell in die nächste Seitenstraße und lassen mich mit Wut auf mich selber und alle Chinesen meinen Weg fortsetzen. Als ich von einem weiteren Chinesen angesprochen werde: „Hello, how are you?“, belfere ich zurück: „Piss off!“. Nur im Augenwinkel sehe ich ihn kopfschüttelnd auch noch die Schultern zucken. Dabei wollte ich den 1,3 Milliarden doch eine Chance geben, sie nett zu finden!

Am Abend finde ich in unserem Reiseführer in ein graues Kästchen gesetzt genau das beschrieben, was ich heute erlebt habe. Ob es mich vor dem Fehler bewahrt hätte, wenn ich vorher darüber gelesen hätte? Ich glaube nicht, denn als „böse Kriminelle“ hätte ich immer mit männlichen Abzockern gerechnet. Als Mann will ich unbewusst Frauen wohl einen Sympathievorschuss geben. Immerhin habe ich jetzt gelernt, dass sie ihn nicht verdient haben.
Alles Schweine, außer Mutti! Denkt dran, wenn ihr in einer ähnlichen Stuation seid!

 5. Juni 2013  Add comments

  One Response to “7 Tage Beijing #3, abgezockt”

  1. Jochen,

    I’m so sorry for what happened to you with those Chinese girls. You should have been more careful. I’ve heard similar stories from Iranians who have been there. Hope you won’t face such things in China again.

    Regards,
    Nader

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