Jun 072009
 

Allerorten ist es zu spüren: der Wahlkampf tobt. Es ist gar nicht mal so, dass viele Plakate aufgehängt werden. Aber zumindest die Straßen im nördlichen Teil der Stadt sind voll mit hupenden Autos, die mit Zetteln beklebt sind, die für den jeweiligen Kandidaten werben.
Als ich heute von der Arbeit nach Hause fuhr, ausnahmsweise mit dem Auto, waren die Straßen ungewöhnlich frei. Dann erfuhr ich, dass die jungen Leute eine Menschenschlange auf der Vali-e-Asr vom Tajrishplatz bis zum Bahnhof machen würden. Und die Straße ist 30 km lang…
Sie machen das als Demonstration für den Kandidaten, der farblich heraussticht, das ist Mir Hossein Musawi, der eine höchst wirkungsvolle Kampagne laufen hat: alles ist grün. Die Anhänger tragen grüne Armbänder, unterm Tschador lugen grüne Kopftücher hervor und die Antennen der Autos tragen grüne Fetzen.
Dabei ist Musawi noch nicht mal besonders fortschrittlich. Sonst wäre er wohl auch kaum zugelassen worden. Immerhin hat er eine Frau, die gut reden kann und das auch öffentlich tut, so dass er oft als Mann von Sahra Rahnaward beschrieben wurde.
Aber es ist ein bisschen wie kurz vor einer Revolution, oder wenigstens eine große Party, es gibt viel Hoffnung, dass alles besser wird. Schließlich haben die Meisten der Bevölkerung nur die Islamische Republik kennengelernt. Vor allem die Frauen hoffen auf Erleichterung, so dass man sich mit seinem Liebsten nicht nur in der Wildnis treffen kann. Und in der Stadt haben wir schon Frauen gesehen, die T-Shirt-kurze Blusen trugen.
Diese hier ist eigentlich auch schon so alt, dass sie das nicht mehr dürfte, aber es war nicht so voll an dem Platz, den wir am letzten Wochenende ausfindig gemacht haben. Nur 20 Minuten Fahrt von unserer Wohnung eine Schlucht mit einem rauschenden Bach, der von Bäumen gesäumt ist. Herrlich zum Picknicken und natürlich an Gom´e, dem pers. Sonntag, total voll. Deshalb sind wir 2 Tage darauf noch mal hingefahren. Beeindruckt hat uns schon allein dieses Mosaik, das am Eingang zur Schlucht steht.Im Hintergrund unsere glücklichen Kinder, im Vordergrund der Rest von meiner Geburtstagstorte.

Aus Tehran berichtete Jochen Utecht, ich gebe zurück ins Wahlstudio.

 7. Juni 2009  Add comments

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