Okt 192013
 

Jeden Tag werden die Straßen von orangegewandeten Straßenfegern gesäubert, so dass ich dachte, man könne gar keinen Plattfuß bekommen, aber gegen rohe Gewalt hat auch ein Fahrradschlauch nichts entgegenzusetzen. Überall, wo die Straße bald geteert wird, liegen dicke Metallplatten, um bis dahin die Straße befahrbar zu halten. Zwischen zwei davon, die mit Abstand liegen, knallt mein Hinterrad und die Kante der einen bringt den Schlauch zum Platzen. Macht ja nichts, ich weiß schon, wo der nächste Fahrradmonteur seine „Werkstatt“ hat. Das ist ein abschließbarer Schrank an einer Straßenecke, der mit Ketten und Schlössern an einem Zaun gesichert ist. Der Meister eines solchen Schrankes legt mein Rad in stabile Seitenlage, löst den Reifen von der Felge und klebt Flicken auf die kaputten Stellen. Das Radausbauen dauert  zu lange und ist auch gar nicht nötig. Nach einem kürzerem Zeitraum als der Weile, die Vulkanisierflüssigkeit zum Trocknen braucht, um nach Gebrauchsanweisung abzubinden, bin ich schon wieder auf der Straße. 5 Kuai, 60 Eurocent habe ich den Künstler reicher gemacht.

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Am kommenden Tag transportiere ich in Manier der Chinesen einen schweren Karton von der Schule nach Hause. Das Gewicht ist wohl für den Flicken nicht gemacht, denn am Abend ist die Luft wieder raus. Dem nächsten Experten gebe ich zu verstehen, dass mir nur ein neuer Schlauch helfen kann. Auch diesmal wird der Reifen nicht ausgebaut: die Gabel wird gespreizt, bis ein neuer Schlauch eingefädelt werden kann. Ich bemerke, dass es ein Rennradschlauch ist, der an meinem Fahrrad nichts zu suchen hat, aber einen passenden hat der Mann nicht: „Meiyou! – Gibt´s nicht!“ 35 Kuai nimmt der Mann trotzdem für seine Arbeit.

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Wieder einen Tag später schaffe ich es gerade noch bis zur Schule, wo meine Felge wieder Kontakt mit der Straße hat. Der Fahrradmonteur an der nächsten Ecke zeigt mir vorwurfsvoll den nicht ganz passenden Schlauch und tauscht ihn gegen den richtigen. Diesmal kostet es 40. Immer gibt es Leute, die herumstehen und zuschauen. L1056466_CF

Nach drei mal Pech ist der Fluch des luftarmen Hinterrades endlich gebannt. Und sollte ich wieder auf Darth Vader in Pink treffen und die dunkle Macht Weltraumvakuum in meine Schläuche zu zaubern, wird in der Nähe ein Monteur sein.L1056452

Zur Not miete ich mir eins der stadteigenen Fahrräder, die man mit der Bus-und-Bahnfahrkarte ausleihen kann:L1056470_1

Und sonst fahre ich eben auf einem LKW mit.DSCF8618

 19. Oktober 2013  Add comments

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muss sein

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