Feb 212018
 

Nun, da Steffi während der Chinesischen Neujahrsferien in Deutschland ist und die Kinder nicht den ganzen Tag vor den amerikanischen Serien hängen oder über den Schulbüchern zusammenbrechen sollen, entschließen wir uns zu einem Ausflug nach TianJin. Dort hat u. a. das weltberühmte niederländische Architekturbüro MRDRV in einer Rekordzeit von 3 Jahren eine öffentliche Bücherei gebaut, die ihresgleichen sucht. Die Bilder im Internet sind spektakulär und wir erwarten ein eiförmiges Raumschiff, das in der nur etwa 120 km entfernten 12Millionenstadt Tianjin gelandet ist. Weit gefehlt.
Aber der Reihe nach.
Um 6 Uhr stehen wir auf, um rechtzeitig an der U-Bahn zu sein.
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In etwa einer halben Stunde sind wir dann am Südbahnhof, wo wir Karten für den nächsten Zug kaufen. Hier waren wir schon einmal nach Qingdao losgefahren.
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Normalerweise muss man immer lange im Voraus buchen und bekommt oft trotzdem nur schwer Fahrkarten, aber nach TianJin ist es einfach. Die Züge fahren im Halb- bis Viertelstundentakt. Eine Karte einfache Fahrt kostet 55 RMB.
Bis wir im Zug sitzen, ist es trotzdem nach Neun Uhr, denn wir müssen wie immer auf Bahnhöfen durch die Große Sicherheitskontrolle. Eine halbe Stunde später haben wir die 120 km bereits hinter uns gebracht. Es ist schon toll, mit 300 Stundenkilometern durch die Landschaft zu rasen.
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TianJin ist ein aufstrebendes Millionenstädtchen, angeblich nach nach BJ, Shanghai und GuangZhou (schon mal gehört?) die viertgrößte Stadt Chinas, was die Stadtbewohnerzahl betrifft. Etwas mehr als 12 Mio. Wir streifen erst durch die Innenstadt, die noch aus der Zeit um 1900 einige europäische Bauten aufweist Niederländer, Engländer, Franzosen, Deutsche, Österreich-Ungarn haben hier ihre Konzessionen gehabt und ganze Viertel aufgebaut.
Das Touristeninformationszentrum lassen wir aus.
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Andere Touristen genießen die kulinarischen Spezialitäten TianJins. Pfannkuchen.
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Oder gedämpften Nachtisch.
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Tianjin Waterfront
TianJin hat einen Fluss und ist unweit des Meeres. Eine Bootsfahrt findet aus Klimagründen nicht statt.
Wir haben im Internet natürlich vorab recherchiert, wie man zu der im November 2017 eröffneten Bibliothek kommt, fanden aber nur lapidar die Ortsangabe „in Tianjin“.
Taxifahrer winken ab – zu weit. Passanten helfen, schließlich fahren wir mit DiDi, dem Ruftaxidienst für 100 RMB die 45 km nach Binhai. In dieser zu TJ gehörenden Trabantenstadt liegt etwas abseits das TianJin BeiHai New Area Cultural Center.
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Unter einem gemeinsamen Dach sind 5 Häuser in ebensolcher Geschwindigkeit errichtet worden wie unser Anziehungspunkt. Häuser ist ein schwaches Wort für die gewaltigen Hallen, in denen Kunstmuseen, Veranstaltungszentren und Kinos untergebracht sind.
So sieht es von der Nicht-Eingangsseite aus.
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10.000 Besucher sollen pro Tag kommen und einen Blick werfen. Die Schlange am Eingang bestätigt diese Zahl.
Nach 20 Minuten sind wir auch am Eingang und werden aufgefordert, erstmal unsere Kameras wegzuschließen. Fotografieren nicht erlaubt. Außer mit Handys natürlich.
Tianjin binhai library by MVRDV
Die Bücher an den Stellen, wo man offensichtlich nicht hinkommt, sind auf Alu gedruckte Attrappen. Die Architekkten hatten vorgesehen, dass man von hinten an die Objekte der Begierde gelangt, aber irgendwelche (Sicherheits-)Bedenken haben wohl verhindert, dass man so Zugriff erlangt.
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Tianjin binhai library by MVRDV
Die Leseräume und angrenzenden Bücherregalräume sind noch etwas leer.
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Aber überall sieht man vor allem Familien, die ihren Kindern den Wert des gedruckten Buchs zeigen.
Die Zeit schreitet nunmal voran und so findet man solche und andere Medienkonsumenten.
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 21. Februar 2018