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Kambodscha #2

Phnom Penh (endlich weiß ich, wo die h´s hingehören) ist ganz erstaunlich.

Mitte bis Ende der 70er Jahre wüteten die Roten Khmer, eine von Mao instruierte komunistische Partei unter Pol Pot, um alle Intellektuellen und Querdenker zu entfernen. Schlimmer noch als sie nur aus dem Land zu schicken, wurden ganze Familien unter schlimmsten Umständen gefoltert und schließlich ermordet. Wir haben uns das nicht angeschaut, weil uns allein die Vorstellung reicht, aber wenn einen der Horror reizt: Eine ehemalige Schule wurde damals kurzerhand zu einem Gefängnis umgebaut. Klassenräume wurden Zellen, Sportgeräte Folterinstrumente. Allein in dieser Einrichtung wurden in den vier Jahren der Herrschaft mehr als 17.000 Menschen inhaftiert und ermordet. Von denen, die das Gebäude als Häftlinge betraten, kamen nur sechs lebend davon. Wenn ich mir vorstelle, dass die Schule mitten im Stadtgebiet liegt und die Schreie der Gefangenen auf der Straße zu hören gewesen sein mussten,  schüttelt es mich vor Grauen. Immerhin ist das von den Vietnamesen schließlich eroberte Gefängnis fast wie vorgefunden zum Museum umgewidmet worden. In der Zeit der Roten Khmer wurde Phnom Penh fast komplett evakuiert, um Kambodscha in einen Bauernstaat zu verwandeln. 4 Jahre lang war es nahezu eine Geisterstadt.
Genocid Museum
Heute wird in Cambodia zum Glück nicht mehr gefoltert.
Cambodia
In der Stadt gibt es mehrere große Märkte, Paläste, Tempel und überall Tuktuks.
jeder Tag ist Markttag
Cambodia
Palastgebäude Phnom Penh
Cambodia
Alles kann per Motorrad transportiert werden.
Baustahl-Transport
Kinder lernen das sehr früh.
Cambodia
Die Menschen können sich, glaube ich, gar nicht vorstellen, dass man mal zu Fuß gehen möchte.
Kaum hat man das Hotel verlassen, wird man zum ersten mal angesprochen: „Tuktuk, Sir? Want to go Killing Fields? See palace?“ für unter 2 Dollar kommen wir als Ausländer eigentlich nirgendwohin. Überhaupt Dollar:
Bezahlt wird in Dollar. Wir hatten ausreichend amerikanisches Bargeld mitgebracht. Es gibt zwar auch eine lokal gültige Währung, den Riel. Der wird munter mit den Dollars gemischt. 4000 Riel sind ein Dollar, also bezahlt man für $1,25 entweder 5.000 Riel oder $1 und 1.000 Riel. Bis zum Schluss der Reise kam ich durcheinander, weil auch ein paar größere Scheine in Riel in Umlauf sind (der größte war 20.000 Riel wert). Beschissen wird man eigentlich fast nicht. Überall gibt es Bettler und Kinder, die Dinge verkaufen, um etwas Geld zu machen. Wie viele davon gar nicht zur Schule gehen, haben wir nicht herausgefunden. Dieser junge Mann sammelt Müll und verkauft es dann als Wertstoff.
Cambodia
Die Analphabetenrate soll jedoch um die 25% liegen. Englisch wird hingegen zumindest in der Hauptstadt viel verstanden. Zumeist findet sich jemand, der zur Hilfe eilt. In schriftlichem Englisch ist man nicht so sicher.
Cambodia
Das Klima hab ich ja schon als angenehm beschrieben. Steffi hat mir heftigst widersprochen und gesagt, 30 Grad im Schatten während der kühlen Jahreszeit sei nicht angenehm. Aber ich schwitze ehrlich gesagt lieber, als dass ich bibbere. Und auf dem Land war es nicht mehr so heiß.
Auf dem Wat Phnom
– to be continued –

Kambodscha u. a. auf Krücken

Da wir relativ lange Weihnachtsferien haben, können wir 17 Tage lang in Kambodscha herumreisen. Weil die Winterzeit in Beijing immer sehr schadstoffbelastet ist, kommt uns die lange freie Zeit natürlich gelegen. Wir hatten ein wenig Bedenken, ob wir mit der Verletzung von Jan Ingmar denn überhaupt würden reisen können, denn sein Fußbruch ist gerade erst 2 Wochen her. Zum Glück darf er wieder Krücken benutzen, denn der Bruch im Handgelenk ist grade eben so verheilt.
Wir haben uns Cambodia ausgesucht, weil es nicht soo weit weg von China liegt, weil die Menschen freundlich sein sollen und weil es nicht so furchtbar teuer sein soll. (Na ja, am Ende war es doch nicht billig). Und natürlich wegen der reichen Kulturschätze und des Urwalds.
Wir waren vor Ferienbeginn derart eingespannt in Arbeit, dass keiner daran gedacht hat, noch mal nachzuschauen, ob man ein Visum benötigt. Am Tag vorher stellte sich heraus, dass man natürlich eines (sprich 5) braucht. Man kann es online bestellen, aber das dauert 3-4 Tage. Zum Glück kann man auch am Flughafen ein Visum „on arrival“ erhalten. Dafür braucht es lediglich ein Passbild 5x5cm (3 mal 4,5 hätte es auch getan) und Geld.
Wir kamen mitten in der Nacht an, aber die Schalter in Phnom Penh waren natürlich offen. Nach dem Ausfüllen der Formulare stellte sich heraus, dass wir mit unseren roten Dienstpässen zum ersten Mal eine diplomatische Sonderbehandlung erfahren: die Visa sind ruckzuck fertig und „no money needed“ höre ich vom freundlich lachenden Zollbeamten.
Ich habe kein Bild von unserem ersten Kontakt mit der Welt außerhalb des Flughafens gemacht, aber der Eindruck ist unvergesslich. Am auf den Parkplatz führenden Absperrgitter warten buntgekleidete Familien in Flipflops hockend auf Ankömmlinge und lassen uns fühlen wie Stars auf dem roten Teppich.
Es ist ähnlich laut wie in Vietnam, die mit kleinen Hondas überzogenen Straßen machen einem Bienenstock Konkurrenz. Die Tuktuks, die Motorradtaxis sind 110-Kubik-Moppets mit einachsigem Anhänger, in dem man alleine und zu zweit bequem, zu fünft etwas gedrängt (die arme Martje musste immer auf einer Pobacke sitzen) und zu zehnt nicht gerne unterwegs ist.
Der Verkehr ist langsam, alle passen gut auf die anderen Verkehrsteilnehmer auf, aber die Augen bekommen keine Ruhepause, denn es ist immer etwas los.
Luxus-TukTuk
Man kann mit Motorrädern buchstäblich alles transportieren.
Cambodia
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Cambodia Tankstelle
Tankstellen gibt es zwar auch, aber da der Tuktukfahrer im Allgemeinen von der Hand in den Mund lebt, hat sich ein anderes, ähnlich altes System als die gute alte Zapfsäule etabliert: die Cola-Glasflasche.
Cambodia
Manchmal wird Benzin auch in Plastikwasserflaschen serviert.
Cambodia

Phnom Penh ist mit eineinhalb Mio. Menschen grade etwa so groß wie Hamburg, aber man hat das Gefühl, diese sind stets alle auf der Straße. Jetzt ist Winter und das Klima ist recht angenehm. Nur selten war uns richtig heiß.
In die Höhe wird erst seit kurzem gebaut, denn bis vor ein paar Jahren war es verboten, höher zu bauen als der Palast des Königs hoch ist.
Dies ist eine Stupa vom Palastgelände. Der Palast kuckt links am Bildrand hindurch.
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Überhaupt gibt es gefühlt überall Tempel und Altäre. Tatsächlich steht vor jedem Haus ein kleiner Altar, die verkleinerte Version eines Tempels, in dem ein Buddha sitzt und die vor ihm geopferten Räucherstäbchen und Früchte bewacht.
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