Kategorie-Archiv: China

Es gibt kein Bier auf Hawaii…

Weil es in China doch kein facebook gibt und auch so manche andere Internetseiten wie WordPress und Blogger gesperrt sind und damit nur durch einen Tunnel zu erreichen sind, habe ich die letzten beiden Tage wie ein Nerd hinter dem Monitor gesessen und eine eigene Domain besorgt und mit Leben gefüllt. Wenn Steffi und ich in etwa einer Woche nach Peking fliegen, wollen wir doch mal ausprobieren, ob der Blog ohne Tunnel lesbar ist.

Ansonsten ist das Leben angefüllt mit Zettelwirtschaft. Arzt-Rechnungen wollen eingereicht werden, wir brauchen noch eine Krankenkassenversicherung, die Einkommensteuer ruft und wir müssen überlegen, welche Dinge denn im August mit uns umziehen sollen.

Steffi war auf einem Kursus, der sie auf den Auslandseinsatz vorbereiten sollte. Da haben sie ihr erzählt, es würde von ihr erwartet, die Landessprache innerhalb eines halben Jahres zu  lernen. Haha! Als sie auch lachte, wurde gesagt: Naja, die asiatischen Sprachen sind ja etwas schwerer; Sie bekommen ein Jahr Zeit.

Alte Bekannte

Gestern saß ich mit Martje im Auto auf der Rückfahrt von HH, wo wir auf einem Konzert waren, als sie erzählte, dass jemand, der in Teheran ihr Klassenkamerad war, sie gerade angefacebooked hat. Und dass er die nächsten 4 Jahre Peking unsicher machen würde. Sie schrieb kurz und knapp zurück: Ich auch.
Ob es jetzt tatsächlich 4 Jahre werden, wissen wir ja noch nicht, aber 2 auf sicher. Und da die ganze Familie zu dem Jungen total nett ist und sie die ersten waren, die sich in der Fremde etwas um uns gekümmert haben, freuen wir uns natürlich noch etwas mehr auf Peking.
Wie das Leben manchmal spielt! Klein ist die Welt.

Ungewisses

Leute, mit denen ich spreche, fragen mich: „Und, was machst du in China?“ – „Ich weiß es nicht, erstmal werde ich Steffi den Rücken freihalten, weil sie so viel arbeiten müssen wird. Ob sich dann noch etwas ergibt, warte ich mal ab.“

Ich hoffe, dass ich noch schlau genug bin, um Chinesisch für den Alltagsgebrauch lernen zu können. Einige Zeit liegt bei uns im Wohnzimmer bereits ein Lehrbuch herum: „Chinesisch Superleicht – für Anfänger“. Der Titel klang zu verlockend, das musste ich einfach kaufen. Und wirklich kann es doch nicht so schwer sein, mehr als Tausend Millionen Menschen sprechen diese Sprache. Oder anders (chinesisch) ausgedrückt:  Shí yì ren- Zehn Hundertmillionen Menschen

Dann können wir das wohl auch lernen. Es müssen ja nicht gerade alle 60.000 (Liù wàn) Schriftzeichen sein. 3.000 sollen für das Zeitunglesen bereits genügen.

Heute war ich mit den Kindern in Hamburg. Zum Tropeninstitut, um unsere Tropentauglichkeit feststellen zu lassen. Peking ist zwar nicht tropisch, aber wir könnten ja mal in dem Land verreisen. Und im Süden kann es sehr heiß und feucht werden. Steffi war schon vor 3 Wochen zur Untersuchung. Und wer HIV-positiv ist, bekommt kein Visum. Wir bekommen bestimmt alle eins. Wir werden unsere Impfungen indes gehörig auffrischen müssen.

Komischerweise habe ich gar keine Angst vor der Zeit in China: ich bin sicher, dass es für alle aufkommenden Probleme eine Lösung geben wird. Das, was mir zur Zeit noch Angst macht, ist die Zeit vor der Abreise: Werden wir jemanden finden, der unser Haus bewohnen wird, wird es mit dem Verpacken unseres Habundguts und dem Umzug reibungslos gehen? Werden wir gesund sein, wenn der Flugtermin kommt? Werden wir dort eine Wohnung gemietet haben, in die wir direkt vom Flughafen aus ansteuern können? Ich würde mich gerne schon mal in die Zukunft vorreisen lassen, um zu sehen. Nein, reibungslos wird es nicht abgehen, da mache ich mir keine Illusionen. Bei Reibungslos fällt mir die Werbung für die Lotterie ein, bei der man eine schwarzweiß gesprenkelte Deckfläche abrubbeln muss. Die Wunderlampe macht alles reibungslos. Aber wir haben noch nie Lotterie gespielt. Wer wagt, gewinnt. Wer nicht mitmacht, kann auch nicht gewinnen. Ja was denn nun? Fest steht: wer sich nicht bewegt, kann auch nicht vorwärts kommen. 

Sozial ist das nicht

Als ich vom Sport komme, erzählt Steffi, was sie im Internet über China gelesen hat. Da gibt es eine einfache Familie, deren Sohn unverschuldet einen Motorradunfall hatte, der ihn querschnittsgelähmt machte. Da das Schmerzensgeld  für den Krankenhausaufenthalt bereits aufgebraucht wurde, entschieden sich die Eltern, ihren Sohn nach Hause zu nehmen. Das Besondere daran ist, dass der gelähmte Junge nicht einmal mehr alleine atmen kann. Zwei Jahre beatmen die Eltern ihren Sohn mit einem Notfall-Luftspender, wie man sie im Rettungswagen findet. Ihre Hände verkrüppeln durch das Drücken auf diesen Beutel, bis sie eigentlich aus Schrotteilen eine Maschine bauen, die ihre Arbeit übernimmt. Das Schmieröl verpestet die Raumluft, die der Kranke einatmet, bis die Stromrechnung klarmacht, das die Eltern dafür kein Geld haben. Schließlich haben beide ihre Arbeit aufgegeben, um ihren Sohn pflegen zu können. Endlich erfährt die Öffentlichkeit von den Verhältnissen und ein Aufschrei geht durch China: Dass so etwas in unserem Land möglich ist, wo für alle für alles gesorgt sein soll.

Es findet sich ein Sponsor für eine neuentwickelte batteriebetriebene Beatmungsmaschine samt Stromkosten. Happy End. Happy End? Ein Leberkranker hat sich aus seiner Not heraus eine Blutreinigungsmaschine gebaut und macht seine Dialyse selbst. Da fallen wohl einige Menschen durch die Maschen des Sozialgefüges. Vielleicht gibt es das auch gar nicht mehr und alles ist vom Kapitammunismus hinweggespart worden.

China here we come!

FÜNF IN…

In Iran war Steffi als Grundschulleiterin angestellt, die Zeit war sehr arbeitsam, aber durch die vielen Feiertage des Islam hatten wir auch viel Zeit zum Reisen. Siehe HIER

Zurück in Deutschland wurde uns unsere Heimat nicht wieder so heimisch wie wir glaubten. Jan Ingmar verband gar den Begriff Ödestan mit Good Old Germany.

Steffi hat sich auf eine Grundschulleiterstelle beworben. In Alicante. Daraus wurde nichts, denn die Bewerbung war initiativ und sie hatten keine freien Stellen. Dann fand sie eine Ausschreibung für Shanghai und eine für Peking. Einen Tag, bevor wir in den Herbstferien nach Spanien aufbrachen, war für die dortige Schule in Barcelona die Grundschulleitung annonciert. Also schnell noch eine Bewerbung losgeschickt und weiter Sachen gepackt.

Unterwegs kam die Antwort. „Gerne laden wir Sie am 15.10. 2012 in die Deutsche Schule für ein Bewerbungsgespräch ein.“

Im Urlaub, den wir sowieso nach Spanien machen wollten, war auch ein Abstecher zur Deutschen Schule Barcelona möglich. Es sollte aber nicht sein, dass wir als 5-in-Spanien berühmt werden.

Und außerdem ist Barcelona eine tolle Stadt, wenn man als Tourist kommt, aber als Stadt zum Leben ist sie einfach zu teuer.

Also verwarfen wir den Gedanken an Spanien schweren Herzens.

Vorher war jedoch bereits eine Bitte aus Peking gekommen. Ob Steffi sich mit der derzeitigen Grundschulleiterin per Skype mal unterhalten könne. Diese Anfrage kam, als wir gerade im Zelt am Laptop eMails prüften.

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Also belegten wir einen Raum im Restaurant, kauften uns mehr Onlinezeit im Campingplatznetzwerk und Steffi redete eine halbe Stunde lang mit ihr.

Nach dem Spanienurlaub  folgte eine Einladung für Steffi nach Berlin, um die Schulleiterin zum Bewerbungsgespräch zu treffen. Das lief so gut, dass ein paar Tage später eine eMail mir der Frage kam, ob sie sich zum Bewerbungsgespräch mit dem Schulvorstand nach Peking aufmachen könne. Und das lief sogar noch besser.

Wir haben bereits für drei Jahre in Iran gelebt, dem Land mit den zweitmeisten Hinrichtungen. Wir wollen Superlative, da bietet es sich doch an, ein Level höher zu gehen. In China wird am allermeisten von Staats wegen gemordet, makabrerweise wird das unser nächster Auslandseinsatz.

Nachdem der Vertrag unterschrieben war, liefen die Nachrichten von Meldungen über Peking über: nichts, was uns erfreute – von der nicht vorhandenen Luftqualität hatten wir schon gehört, aber die Werte sprengten alles bisher Dagewesene. Wenn Steffi jetzt vom Vertrag zurückträte, würde sie für 5 Jahre für den Auslandsdienst gesperrt werden. Also Atem anhalten, Augen zu und durch. Die Regierung hat aufgrund der Bürgerproteste drastische Maßnahmen zur Luftverbesserung angekündigt. Die Deutsche Schule verspricht den Einbau von wirkungsvollen Filteranlagen im Gebäude. Die Bauarbeiten gehen demnächst los. Nach einer langen Woche war die Wolke der Vergiftung nach Japan verduftet und alles im wahrsten Sinne weggeblasen. Aber uns ist klar, dass es wiederkommen wird und wir besser gute Feinstaubmasken im Gepäck haben werden.

Flughafen Beijing

Flughafen Beijing