Jan 282010
 

…du bekommst Abenteuer!
Am vergangenen Sonntag sollte unser Auto endlich wieder in Ordnung gebracht sein. Vorab hatten wir über unseren Mechaniker einen neuen gebrauchten Zylinderkopf besorgen lassen, der dann per Autobus ins fast 1000 km entfernte Sirjan geschickt wurde.
Wir nahmen das gleiche Verkehrsmittel, das von dem südlichen Busbahnhof abfährt. Die Busse stehen um einen kreisrunden Bau von gewaltigen Ausmaßen herum, in dem für jede Richtung etliche Busgesellschaften um Fahrgäste buhlen. Die Preise sind moderat, für eine Person nach S. bezahlte ich etwa 8 €.
Am Dienstag abend um 9:30 war die Abfahrt des Busses geplant, tatsächlich fuhren wir (AliReza und ich) dann mit etwas Verspätung los. Die Fahrt dauert 13 h, die man in dem relativ komfortablen toilettelosen Bus, der von drei Leuten bedient wird (Fahrer und Schaffner/Platzanweiser) hinter sich bringt.
Zum Morgengebet um 5 Uhr hält man für eine halbe Stunde, und man kann sich neben der Moschee mit Tee und anderm Frühstück versorgen.
In Sirjan fuhren wir direkt zur Werkstatt, und natürlich war der Wagen noch nicht fertig, aber es dauerte nur noch eine Stunde. Dann testeten wir den Wagen noch etwas, holten 10 Kilo Pistazien für einen Bekannten in THR ab, und um halb vier gings los. Bevor wir auf unserer letzten Reise liegengeblieben waren, hatten wir vorgehabt, in ein Bergdorf namens Meymand zu fahren, das auf der Weltkulturerbeliste steht. Auch wenn der Rest meiner Familie nicht dabei sein konnte, konnte ich doch dort ein paar Fotos machen. Das Besondere ist, dass es aus Höhlen besteht, die einfach in den Berg gehauen sind. Grobe Holztüren und Vorhänge verschließen die Eingänge.Auf dem Weg nahmen wir einen Tramper mit, der gekommen war, um seine Mutter zu besuchen, die dort lebt. Natürlich wurden wir zu Tee und selbstgesammelten Mandeln eingeladen. Ich hätte auch an seiner Opiumpfeife (Teriak) ziehen können. Freunde von uns waren vor kurzem in Bam. Dort (nicht zuletzt wegen der Hoffnungslosigkeit, die das letzte Erdbeben nach sich zog), sind nach offiziellen Angaben bis zu 80 Prozent der männlichen Bevölkerung opiumsüchtig, und es wurde gesagt, dass Opium dort billiger als Brot ist. Remezan bezahlt für ein Kügelchen, das für 2 Tage reicht, etwa 6.000 Toman, 4 €.
Er zeigte uns noch das Dorf, in dem noch 60 Familien leben, alles unterirdisch und hübsch, ohne die üblichen Müllberge.
Schließlich kaufte ich ihnen noch ein paar Walnüsse und Mandeln ab und wir
gingen aufs Klo, das von allen benutzt wird, und deshalb in der Mitte des Platzes steht. Es gibt natürlich zwei davon.
Die Moschee des Ortes
Abends mieteten wir uns in ein Hotel in Mehriz ein, in dessen Restaurant auch Pizza gereicht wurde. Im Moment ist Pizza ganz modern, teiweise auch sehr gut, aber immer kommt obendrauf Ketchup, hier sogar noch Mayonaise, und wenn sie „besonders“ = maxsus heißt, sind oft kleine Pommes dabei.
In den Hotelzimmern liegt natürlich in der Schublade ein Qor`an und an der Wand ist stets die Richtung nach Mekka angegeben. Die Zimmer sind schmucklos und im Fernsehen gabs nur staatliche Sender zu sehen.Die Beleuchtung nachts ist teils sehr spektakulär und oft auch kitschig, diese leuchtenden Bäume sind weitverbreitet, vor allem in Grün, Weiß und Rot.
Dafür ist der Blick auf denselben Platz morgens um so schöner gewesen.
Yazd war nicht mehr weit, nur noch einen Kameltagesritt entfernt = 30 km. Dort hatten wir beim letzten Besuch die Türme des Schweigens nicht gefunden, die den Zarathustraanhängern als letzte Ruhestätte dienen. Noch vor 60 Jahren wurden hier Leichen ohne Bodenberührung aufgebahrt, damit das Fleisch von Geiern abgefressen werden kann, und erst wenn die Knochen frei liegen, dürfen diese in der Erde begraben werden. Die Zoroastrier glauben nämlich, dass die 4 Elemente nicht vermischt/verunreinigt werden dürfen, was das Begraben bedeuten würde. Zwei solcher Tüme sind im Abstand von 500 m auf Hügeln untergebracht. An deren Füßen ist ein altes Dorf, bei dem auch ein alter Wasserspeicher steht.
Die Windtürme halten das Wasser im Sommer kühl. Leider erfordert die Instandhaltung der Kanäle, die das Wasser in die Speicher liefern, viel Mühe, und seit es Wasserleitungen in die Häuser gibt, werden die Qanate nur noch in den Bereichen gewartet, wo die Landwirtschaft gut davon hat.Hier der Speicher noch mal von innen (ich dachte mir, ein schwarzes Bild vor schwarzem Hintergrund sieht einfach gut aus)

Und jetzt kommt der Teil, der die Reise zum Abenteuer machte: An einer Polizeistation, wo wir fast immer kontrolliert werden, nahmen wir 3 Leute mit, die nach THR bzw. Qom wollten, aber keinen Bus bekommen hatten. Es stellte sich raus, dass sie KFZ-Lehrlinge waren, die in der Nähe von Nain studieren. Es dauerte nicht lange, da wollte unser Auto nach 500 km Fahrt nicht mehr – wieder Wasserverlust mit der Folge, dass die Kopfdichtung und vielleicht auch der (neugebrauchte) Kopf kaputt gingen.
Soviel Glück im Unglück: der erste Halt war genau neben einem Parkplatz mit Zisterne, der zweite war 60 km weiter bei einem Restaurant, wo wir dann wenigstens noch schön essen wollten. Aber bevor klar war, wer was wollte, hatte A. einen leeren Autotrailer gesehen, ihm wie wild gewunken, dass der Fahrer in die Bremsen ging, dann den Rückwärtsgang einlegte und bereit war, uns mitzunehmen. Für 40.000 Toman (etwa 30 €) die 420 km bis THR, dabei alle Mann im Auto untergebracht. Steffi fragte am Telefon ungläubig: Ihr habt mit dem Auto getrampt? Ich wünschte, wir hätten die Gaskocher noch dabei gehabt, aber wenigstens die Schlafsäcke waren noch im Kofferraum.
Jetzt steht das Auto im Süden THR´s und wir versuchen, es als Teileträger zu verkaufen. Schade, Chevrolet Blazer, es war eine schöne Zeit mit dir. Und allen Leuten kann ich nur immer sagen: es war vielleicht ein Fehler, den Wagen zu kaufen, aber bereut haben wir es nicht.

 28. Januar 2010  Add comments

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