Nov 032008
 


Heute war es wieder mal ganz besonders unterhaltsam:
Es hat eine lange Vorgeschichte – zunächst mal fängt es damit an, dass es innerhalb von 2 Tagen von T-Shirt-zu-warm- bis Mit-dickem-Pullover-gehts-grad-so-Temperatur wechselte. Jeden Tag ist der Schnee näher an der Stadt dran.

Nun ist das hier ein Neubau, den wir bewohnen. Im Juli wars noch Baustelle, erzählte uns ein Nachbar. Die Heizungen waren noch in Plastik eingepackt. Als die Kinder mit Freude das Plastik abgerissen hatten, kamen sie ganz bedrübbelt aus Martjes Zimmer und sagten, sie hätten die Heizung wirklich nicht kaputt gemacht. Es war ein Riesenloch im wasserführenden Teil, vielleicht ist mal ein Stahlträger raufgefallen und keiner hats gemerkt. Ausserdem haben wir einen leeren Kamin, in den ein Gasfeuer mit Holz aus Stein gehört.
Bisher war es uns egal, aber irgendwann muss das Thema ja mal angegangen werden.
Das Ding ist, dass die Wohnung ja nicht von uns angemietet wurde, sondern von der Schule bzw. vom Schulverein.
Daher wussten wir auch nicht, wer der Eigentümer dieses Hauses ist (wir hatten auch so genug zu tun). Immer, wenn irgendwas nicht funktionierte, haben wir Marion Bescheid gesagt, die irgendwelche bekannten Handwerker gerufen hat, die für kleines Geld die Missstände beseitigten oder wenigstens minimierten.
In Sachen Kamin sagte man uns, den hätten wir selber zu besorgen und anschließen zu lassen.
Ich dachte mir, nachdem meine Frau kurz vorm Frösteln war, ich geh mal eben runter zur Kohladouz und besorg das Zeug dafür. Gas liegt ja schon, ich brauch nur anschließen und wenigstens ums Feuer können wir sitzen.
Im Laden waren zwei am Schnacken, einer davon Ofensetzer oder so. Ich hab mit ner Zeichnunng mühsam klargemacht, was ich will, und dass ich das gleich mitnehmen will. Als alles auf dem Tisch lag und er mir erklärte, wie mans zusammenschraubt, kapitulierte ich, weil es doch zu viele Einzelteile waren. Und meine Sprachkenntnisse sind ja noch nicht so gut.
Was es kostet. 18500 aufgeschrieben, als ich mühsam kuckte, malte er noch ne 0 dazu. Sind das jetzt Rial oder Toman, die eigentliche Währung? 10000 Rial = 1000 Toman = ca.80 €Cent
Also 15 Euro oder 150, mit Installation oder ohne? Ich hatte auch kein MobilePhone dabei, um jemanden zu fragen. Für das Material wäre es vielleicht mit 15 Euro ausreichend bezahlt – ich weiss es nicht, in D hab ich so was nie gekauft.
Egal – wir müssen das haben, er möchte doch bitte mal die Adresse aufschreiben und übermorgen kommen.
Zu Hause war mir komisch – irgendwie sind 150€ doch nicht billig. Ich rief Reza an, der gut Deutsch kann. Ja klar, ich könnte ihn im Laden noch mal anrufen und er übersetzt dann.
Ich also noch mal hin. Kein Empfang im Laden – notdürftig draußen. Der andere Kumpel saß noch immer vorm Tresen. Mohsen aus Isfahan – auch ne schlechte Leitung.
Inzwischen war eine Frau im Laden, die sagte, sie könnte helfen. Spricht gut Englisch. Als sie los musste, war gleich die Ablösung da – hat alles geregelt. Kauf und Installation für 90000 Toman = ca. 75 €. Pay in Advance. Warum nicht, wenn ich ne Quittung krieg. Geht doch. Trotzdem, ich muss Persisch lernen.
Als ich schon halb zu Hause war, kam mir der von vorm Tresen hinterhergehechtet und fragte dauernd nach 10000 Toman. Dafür, dass er nichts gemacht hat, kams mir viel vor. Da konnte ich wenigstens so viel Farsi: Na, tschera? Nein, warum? Für seine Antwort reichte es denn wieder nicht. Egal, ich bin doch kein Wohlfahrtsunternehmen, auch wenn alle Europäer stinkereich sind. Als ich ihm anbot, zum Laden zurückzugehen und das da zu klären, wollte er nicht mehr. Ja, einmal Sieger sein. Den seh ich nicht wieder.

Am nächsten Tag kriegte Marion Bescheid: Die Heizung muss funktionieren, und zwar flott. Und wir bezahlen keinen Rial! Für denselben Abend, an dem auch das Feuer montiert wird, kommt der Lulekesh = Klempner. Und am Abend vorher, kommt unser Hausmeister und entlüftet die Heizung, dann wird es schon mal warm. Na, ich glaubte nicht dran. Doch, er kam mit nem Vierkantschlüssel, fand unter der Einbaugarderobe die Absperrventile. Schwer ranzukommen, zum Glück keiner von uns mit dicken Armen, Pech, dass die Ventile nicht zu bewegen sind.
Also zog er unverrichteter Dinge wieder ab. Farda ist auch noch ein Tag.

Nach einem langen Bürotag, an dem ich mir immer wieder die Frage stellte, wie man hier ein funktionierendes Haus herstellt, kam ich durchgeregnet in eine pieksaubere Wohnung zur noch wirbelnden Steffi. Die war noch in Brass von den Tatsachen, was uns zugemutet wird; um alles sollen wir uns selbst kümmern, bei naturgemäß unzureichenden Sprachkenntnissen.
Nach ner Stunde kam der Ofensetzer, und ich kuck nicht richtig, – der Bettler von vorgestern. Na egal, das Steinfeuer ist dabei und nur das Wandventil liegt so blöd, dass man noch basteln muss.

Kurz bevor sie fertig sind, kommt der Klempner vom Marion, der echt in Ordnung ist, immer den Kopf schüttelt und „Xeili bad“ und „Xub nist“ -„Wirklich schlecht“ und „ist nicht gut“ brummelt.

Die Heizung wurde angebaut und alle Körper entlüftet, für die Handwerker gabs Tee.
Der Kumpel mit dem Ofen hat tatsächlich noch Trinkgeld bekommen – 2 Grüne – etwa 1€ 60. Er fing wieder mit 10000 an. Mit mir aber nicht!

Angekündigt war, dass der Eigentümer, (und seit heute wissen wir, wer das ist), der immer mit Blutooth-Knopf im Ohr Hektik verbreitet und monatlich 50000 Toman für die Nebenkosten kassiert, vorbeikommt und die Quittung des Klempners übernimmt. Der kam aber nicht. Dafür seine Mutter, die hier im Haus wohnt und keine Ahnung haben soll, was los ist. Mit der führte Marion das 3. Übersetzungsgespräch und ich sagte ihr danach gute nacht.
Dann klingelte es noch mal an der Tür und ihr schwerhöriger Mann oder was weiß ich, jedenfalls der Fahrstuhlverbieter, kam mit seinem eigenen Klempner, der alle HK noch mal entlüftete, bei allen Kindern im Zimmer Licht anmachte, sie mit dem Geklöter aufweckte, und dann direkt vor ihren Zimmern dem Alten ins Ohr brüllte. Als der noch mit 12 Grünen vor meiner Nase wedelte, um mir zu bedeuten, ich solle den Klempner gleich für seinen nutzlosen Scheiß bezahlen, wurde es mir zu bunt. Ich rief noch mal bei M an, um ihr zu sagen, ich würde mich gleich auch mit nem Schraubenschlüssel bewaffnen und die Jungs aus der Wohnung treiben (ich kenn mich gar nicht wieder)
Da gab sie den Hörer an ihren Mann weiter, der den Leuten dann sagte, was sie zu tun hätten.
Das Ergebnis: Sie würden die Wohnung verlassen und ich solle auch kein Geld geben.
Sie blieben aber stehen und Klempner2 telefonierte mit seinem mobile fertig. Da kuckte ich noch mal schnell nach, was raus! auf Farsi heißt und trug ihm dann seinen Werkzeugkoffer nach draußen.

Jetzt brennt ein lustiges Feuer in unserem Kamin und wir haben uns schon wieder beruhigt.
Es ist nicht so, dass ich das Erlebnis nicht auch lustig gefunden hätte – das Wichtigste ist jedoch die Erkenntnis, dass wir dringend sprachkundiger werden müssen
Unsere Kinder haben mit Freude morgen ihre 2. Farsi-Stunde in der Schule, von denen lerne ich hoffentlich bald fluchen.

[Jochen]

 3. November 2008  Add comments

 Leave a Reply

muss sein

muss auch sein