Apr 162014
 

Lappen ist eigentlich zu viel gesagt, denn der Führerschein in China besteht nur aus einem Kärtchen mit Mini-Passfoto. Ohne chinesischen Führerschein darf ich hier jedoch kein Auto bewegen. Heute war Prüfung. Um es vorwegzunehmen: Ich hab bestanden.

Vor den Erfolg hat die chinesische Behörde natürlich einige Hürden gesetzt: Zunächst einmal muss der Proband klitzekleine Passbilder machen lassen, die auf das Antragsformular und auf die Gesundheitsuntersuchung geklebt werden müssen. Diese Zettel hat mir mein Freund ZhiYi freundlicherweise ausgedruckt. Er hat gerade seinen Führerschein gemacht und weiß, was man braucht.

Vor allem einen chinesischen Namen. Nach etwas Nachdenken entscheide ich mich aufgrund der Namensähnlichkeit für Wu YouHe, das heißt „außergewöhnlicher Kranich“. Wu ist mein neuer Familienname. Der ist bedeutungslos. Aber jetzt kann die Stempeljagd beginnen.

Mit dem Gesundheitscheck-Formular gehe ich in ein zertifiziertes Krankenhaus, in dem mir ein freundlicher, aber halbherzig wirkender Arzt ein Augenpaddel zum Abdecken gibt und mich E´s auf Drehrichungen abfragt. Jeder kennt das. Obwohl meine Altersgebrechen auch vor einer Unschärfe im Auge nicht Halt gemacht haben, bekomme ich die volle Punktzahl. 10 ¥ ärmer bin ich einen Schritt weiter. Dann fehlt noch die Übersetzung meines vorhandenen EU-Führerscheins. Ich dachte, das wird ein Riesenakt mit Inanspruchnahme eines offiziellem Übersetzerdienstes, aber ZhiYi macht sich an die Arbeit, fertigt ein schönes Word-Dokument an, das ich nicht lesen kann und geht zwei Wochen später auch noch mit mir zur Anmeldung.

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Alles wird akzeptiert, ich bezahle 50 ¥, und ich soll schon 8 Tage später wieder dort antreten.

Klar, bis dahin muss ich vorbereitet sein. Ich hätte alles bisher auch um die Zahlung von 1200 ¥ durch eine Dienstleistungsfirma machen lassen können, aber das Vorbereiten auf die theoretische Prüfung hätte auch die mir nicht nehmen können. Daher lade ich die Software herunter, die mir von einigen Seiten empfohlen wurde und bereite mich 7 Tage lang intensiv vor. Auf Deutsch. Man kann auch Englisch und Französisch und noch ein paar andere Sprachen auswählen. Die Fragen sind manchmal etwas merkwürdig und die Übersetzung ist gewöhnungsbedürftig, aber man versteht meist, was gemeint ist. Nur welche Frage ist richtig beantwortet?

„Fahrer, die gegen Verkehrsregeln verstoßen, nach einem schweren Unfall fliehen und Todesfälle verursachen, werden mit 3 – 7 Jahren Gefängnis bestraft.“ Antwort: FALSCH. Aber: „Fahrer, die Verkehrsregeln missachten, einen schweren Unfall mit Todesfolge und fliehen, verbringen wie viele Jahre im Gefängnis?“ Antwort: 3 – 7 Jahre. Wie denn nun?

Noch mehr Beispiele? Regenschirme (seit Monaten keine 5 mm Niederschlag), Fußgänger, Studenten. So ist das Leben in China. Die Regeln sind kaum anders als in Deutschland, außer dass man hier viel mehr hupen darf (und soll), die Realität sieht anders aus.

Fussgaenger

Heute sitze ich mit Leuten aus aller Herren Länder im Wartesaal und werde um 2 Uhr in einen Raum mit lauter Elektrohirnen, wie der Chinese sagt, gespuckt, darf die Sprache wählen und habe 45 Minuten, um 100 Fragen zu beantworten, von denen 90 richtig sein müssen. Nach der Hälfte der Zeit kann ich auf den Hand-in Knopf drücken und bekomme ein grünes Fenster zu sehen, das mir 92% bescheinigt. Bestanden. Noch mal 10 ¥ werden für die Ausstellung des Führerscheins fällig und für 20 ¥ kann ich mir das Kärtchen schicken lassen.

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Ich vor dem Verkehrsamt:X1007642a

Bis ich den in Händen halte, dauert noch etwas, denn wir haben heute auch Besuch aus Deutschland bekommen und werden in den nächsten 2 Wochen durch China reisen. Geplante Route: Pingyao, Xi´an, Shanghai. Also bitte nicht wundern, wenn hier erstmal nichts neues zu lesen steht.

 16. April 2014  Add comments

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muss sein

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