Jan 152011
 

Auf dem Weg nach Kerman überlegten wir, ob wir noch nach Bam fahren sollte. Bam hatte 2003 dies sagenhafte Erdbeben, bei dem mind. 30.000 Leute umkamen. Quasi die halbe Stadt weg. Jeder hat irgendjemanden in der Familie, der unter den Trümmern begraben wurde. Man sagt, 80 % der Bevölkerung ist heute opiumabhängig. Also eigentlich wollten wir uns das Elend nicht anschauen. Und eine Freundin von uns waren letztes Jahr da, die hatte ein (kleines) Beben im Hotel unter der Dusche miterlebt und fand das gar nicht lustig. Etwa einmal im Monat soll die Erde wackeln.

Dummerweise war bei Einbruch der Dunkelheit noch 200 km bis nach Kerman, aber nur 50 bis Bam. Und durch die Berge wollten wir nicht im Dunkeln fahren. Also doch nach Bam. Wir fuhren zu weit. Ein Einheimischer brachte uns zum Hotel, lud uns zu sich nach Hause und zur Opiumpfeife ein. Wir winkten dankend ab.

Kein Beben unter der Dusche.

Am nächsten Morgen stand ein Polizeiwagen mit 2 Mann Besatzung und Kalashnikow vor der Tür. Wo wir hin wollten? – Zur Burg von Bam. – Dann fahren Sie mal schön hinter uns her. DSC_9146

Als Reiseführer taugten sie zwar nicht ganz, immerhin brauchten wir niemanden nach dem Weg zu fragen.DSC_9028DSC_9029DSC_9040

Es war wirklich alles etwas frustrierend anzuschauen, weil die Burg, die vor dem Beben ein Platz des täglichen Lebens war, so großflächig kaputt ist, dass sich kaum vorstellen lässt, dass sie in den nächsten 20 Jahren wieder aufgebaut werden kann. Dies ist die Seite, die schon etwas fertig ist. Das Beben ist schon 7 Jahre her.PanoBam03

Die Stadt verließen wir wieder unter Polizeischutz. Es ist nicht etwa, weil wir so gefährlich für den neugebauten Teil der Burg waren, sondern weil immer mal wieder Entführungen passieren sollen. Die Leute hier sind so arm, dass es wohl wirklich besser ist, dass Ausländer vor den Bammern geschützt werden. Die Hauptgefahr besteht aber wohl vor Drogenhändlern/-schmugglern.DSC_9148

In 50 km Entfernung von Kerman befindet sich eine ähnliche Burg wie in Bam, die aber noch gut erhalten ist (und mit 22.000qm Größe die zweitgrößte Lehmstruktur nach der Arg-e Bam). Der Ort ist Rayen, und liegt am Rande eines schönen Bergmassivs, wo man Wasserfälle und Meteorkrater besuchen kann. Da sind wir aber wegen Zeitmangel nicht hin.PanoRayen15

von außenPanoRayen01DSC_9201

Die Wachen auf Auskuck (falsche Seite)DSC_9267

Dieser Teil ist nur die Burg in der Burg, in der der Gouverneur von Rayen seinerzeit wohnte. Vier Innenhöfe mit umgebenden Zimmern in unterschiedlichen Farben auf vielleicht 600 qm – Luxus pur für damalige Verhältnisse.PanoRayen07

Von hier oben sprach der Vertreter zum gemeinen Volk vermutlich – man musste ihn gegen die Sonne ansehen.DSC_9320

Das hat natürlich weh getan, was auf dieser Propaganda im Innenhof einer Moschee in Rayen vom Iran-Irak-Krieg zu sehen ist. Aber Au! steht da nicht, sondern Allah.DSC_9363

 15. Januar 2011  Add comments

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