Aug 162009
 

Nach 4 Wochen, die wir in unserem eigenen Haus in D verbrachten, sind wir jetzt schon wieder ein paar Tage in THR. Schön war es schon.
5 Stunden Flug direkt von HH nach Tehran, und als wir um 22:00 das Flugzeug verließen, empfingen uns angenehme 33° C (bei max 15% Luftfeuchtigkeit) und das übliche Gewirr von Menschen und Maschinen. Wir freuten uns direkt, als wir um ca. 23:00 wieder einen Motorradfahrer mit Frau aufm Sozius und 3jähriger Tochter auf dem Tank an uns vorbeirasen sahen.

Wir hatten in der Schule darum gebeten, von einem Schulbus abgeholt zu werden. Unser Gepäck betrug nämlich fast 11 Fullsize-Koffer mit einem Gesamtgewicht von 182 kg (plus Handgepäck).
Was drinnen war, möchtet ihr wissen? Ihr Naseweis, ihr … Na, das kommt später im Jahr.
Aber einiges von dem, was es hier nicht oder nur selten gibt, wird verraten:
Haferflocken 5 Kilo (Es gibt nur Gersten- und Weizenflocken)
10 x Shampoo für BLONDES Haar,
6 x Nusspli, (es gibt zwar Nutella, aber das kostet 4 €/Miniglas)
Lakritze div. Sortierungen und WEINgummi
und na klar Mettwurst und Schinken und andere SCHWEINereien.
Und deutsche Bücher, vor allem für die Kinder und die Schule. Amazon liefert nämlich nicht in den Iran.
Mit den Dingen, die man hier nicht oder nur schwer bekommt, ist es natürlich wie mit allen Mangelwaren – sie sind teuer. Wein wie von Aldi für 1,59 € gibt es hier auch. Man ruft einen armenischen Christen an, der für die Religionsausübung Alkohol besitzen und konsumieren darf. Der kommt mit ner großen Tüte ins Haus und verkauft einem besagte Flasche für etwa 15-20 €. Da kann man für wenig mehr auch gleich harte Sachen bestellen. Die Gefahr für den Hehler ist nämlich gleich groß, Alkohol ist eben Alkohol, egal wieviel Umdrehungen er hat.
Kleine Geschichte von einer Bekannten: Sie fragte in ihrem kleinen Supermarkt ein paar mal, ob der Verkäufer ihr nicht mal etwas Alkohol besorgen könnte. Neinnein, das ginge nicht, da käme er nicht ran. Aber irgendwann – wars Freundlichkeit, Profitgier oder plötzliches Zutrauen zum regelmäßigen Kunden, wollte er doch was beschaffen. Bei den nächsten Einkäufen war er jedoch nicht da.
Und als er nach ein paar Wochen wieder da war, fragte sie ihn, wo er denn gewesen wäre. Tja, beim Versuch diese begehrte Flüssigkeit zu besorgen, fiel er der Polizei in die Hände und wurde weggesperrt. Ich glaub, sie hat ihn nicht noch mal gefragt…
Und wir halten uns damit auch zurück. Natürlich auch mit allen anderen Drogen, die einem auch schon mal auf der Straße angeboten werden.
Aber wenn man hier über das nötige Kleingeld verfügt, muss man buchstäblich auf nichts verzichten.
Für unsere Religionsausübung werden wir mit der Weinproduktion indes bald beginnen. Wir haben nämlich zwei 25-Liter Ballons geschenkt bekommen. Und aus D Weinhefe mitgebracht.
Ich will hier mal ein bisschen belehren, weil viele Fragen zu Hause kamen, die mir so selbstverständlich sind, dass ich darüber gar nicht berichtet habe:
Geld kann man natürlich auf der Bank abheben und einzahlen. Wir haben aber gar kein Konto hier, weil Steffi ihr Geld direkt in bar bekommt und ein Teil direkt nach D überwiesen wird. Aber ec-Karten oder gar Visa oder MasterCard – nutzloses Zeug. Iran ist eine Insel.
Eine Mehrwertsteuer von 3 % wird gerade diskutiert, na jetzt vielleicht ausgerechnet nicht mehr, weil es momentan andere Probleme gibt. Aber ausländische Autos kosten nahezu das Doppelte wie in Deutschland, wegen Einfuhrzöllen und Luxusabgaben. Für einen neuen Landcruiser muss man etwa 140 Millionen Toman berappen – wenig mehr als 100.000 €. So begegnen einem auch mal Mercedes und Co, von dem die Mitreisenden erzählen, dies oder jenes Modell koste 250.000€. Bei solchen Preisen verwundert es nicht, dass Luxuswagen auch noch teuer aufgepeppt werden – es ist fast wie beim Wein-Schnaps-Unterschied, wenn´s eh schon egal ist…
Aber wir wohnen mitten unter ganz normalen Iranern, soweit man sie als normal bezeichnen kann, wenn sie sich eine Wohnung leisten können, die 2000€ monatlich kostet.
Die meisten Dinge hier kosten allerdings etwas weniger als in D, wenngleich die Supermärkte in D ungeschlagen billig sind. Benzin kostet uns zur Zeit noch umgerechnet 8 Cent pro Liter, Bananen etwa einen €, Brot soviel wie 5 Brötchen 35 Cent. Milch 60 Cent. Aber 2.-Wahl Pfirsiche oder Äpfel können schon mal 3 € kosten, wofür ich in der Saison in D 99 Cent bezahle.
Natürlich trägt Steffi draußen IMMER ein Kopftuch. Auf dem Schulgelände kann sie es abnehmen, da dort exterritoriales Gebiet ist. Die Kinder reisen quasi jeden Schultag aus.
Anfangs hat sie den Hejab mal vergessen, aber sie kam nie weit. Nicht, dass jemand sie angesprochen wurde, die Gesichter selbst von kleinen Jungen waren so entgeistert, dass sie schnurstracks wieder umkehrte.
 16. August 2009  Add comments

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