Feb 212011
 

Wir sind mittendrin im Schlamassel  – und kriegen nix mit. In der Innenstadt sind wieder Demos gewesen, die Solidarität mit den ägyptischen und tunesischen Protestaktionen zeigen sollten. Mit Tunes tunest, Iran natunest (Tunesien konnte es, Iran konnte es nicht) ging ein ironisches Sprichwort um. Auch folgender Witz macht die Runde: “Kommt ein Perser mit einem Zelt zum Azadi-Platz und will dort übernachten…” – allgemeines Gelächter macht die Runde . (Gemeint ist: Die Perser sind solche “Weicheier” – nicht einmal sie selbst trauen es sich zu, wie die Ägypter auf ihrem Platz der Freiheit zu übernachten. Der Frust ist groß.)

Gestern sagte mir ein Perser: “Wir sind nicht in Ägypten. Bei uns braucht das mehr Zeit.” Ein anderer ergänzte: “Es ist auch ein schlechter Zeitpunkt. Du weißt doch wie wichtig uns Nowruz ist.” Der Druck innerhalb der Familien sei wegen der dreiwöchigen Vorbereitungszeit und der 13 Tage andauernden Feierlichkeiten so groß, dass keiner zu den Demos gehen könne.

Vergangene Woche aber, als die Demos wieder begannen, war die halbe Schule war nach Dizin gefahren, um dort Skilaufen zu lernen. Natürlich war in 3.000 m Höhe nicht viel von Politik zu hören – trotzdem wussten die Skilehrer auch einiges zu berichten. Ganz ahnungslos waren wir also nicht. Im Mittelpunkt stand aber das Ski Fahren:

Und so sieht es aus, wenn man aus der obersten Liftstation (ca.3500 m ü. NN) aussteigt: Der dreieckige Berg im mittleren Hintergrund ist der inaktive Vulkan Damavand, Irans höchster Berg mit 5761m. Die Stille ist ohrenbetäubend – schwer zu beschreiben.CIMG3929

Etwas weiter unten ist die Mittelstation, die wir am häufigsten anfuhren. Dies war ein glücklicher Moment, in dem ich Solveigh (2. v. re.) einmal sehen konnte – sonst sauste sie nur immer wie der Blitz an mir vorbei und rief: “Huhu, Mama!!!”CIMG3904

Hier ist Jan Ingmar (3. v. re.) mit einem Teil seiner Ski-Gruppe. Am nächsten Tag wurde er wegen guter Fortschritte in die nächste Skigruppe befördert. Von Martjes Gruppe gibt es kein Bild. Die waren so schnell, dass wir sie nirgendwo antreffen konnten…CIMG3944

Nach 2×2 Stunden Ski-Kurs am Tag musste unsere Rasselbande dann auch noch bespaßt werden. Filme kucken fanden wir blöd, also sind wir zu ganz alten bewährten Dingen wie Singen am Kaminfeuer zurückgekehrt.DSCF0727

Auch kleine Pantomime-Ratespiele fanden Anklang.DSCF0748

Einer der Höhepunkte war eine Art “Dizin sucht den Superstar”. In Kleingruppen bereiteten die Kinder kurze Aufführungen ohne weitere Vorgaben  vor. Es ist immer wieder erstaunlich, wie vielfältig die Ergebnisse sind, wenn man den Kindern Freiraum lässt. Martjes Gruppe trat als “Club der Invaliden” auf – vielleicht dachten sie sorgenvoll an mögliche Skiunfälle.CIMG3989

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Die Disco am letzten Abend war für die Kinder der absolute Höhepunkt. Der ausgelassene Abend wurde dankenswerter Weise in Mitten des islamischen Gottesstaates ohne Einschränkungen vom Hotel geduldet. Die achte Klasse organisierte dieses Event von Anfang bis Ende, und am nächsten Morgen war unser Gruppenraum sauberer als wir ihn zu Beginn unseres Aufenthaltes übernommen haben. Wenn die doch bloß auch in der Schule so ordentlich wären…DSCF0836

Als “die Kleinen” (Klasse 4, Jan Ingmar und Solli) um 21.20 Uhr von “den Großen” (bis 15 jährig) einfach rausgeschmissen wurden, flossen die Tränen. Da war das Versprechen “Nächstes Jahr dürft ihr länger bleiben!” nur ein schwacher Trost.DSCF0886

“Die Kleinen” trösteten sich mit ihren Kuscheltieren, die sie am nächsten Tag gut in ihrem Handgepäck für die Rückreise verstauten.DSCF0909

[Steffi]

 21. Februar 2011  Add comments

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