Nov 072009
 

Dienstag gab die Schule bekannt, dass der Rest der Woche wegen Schweinegrippe frei wäre. Na ja Schweinegrippe nicht direkt, aber da die Hälfte der Schüler wegen unterschiedlicher Krankheiten fehlten, dachte man sich, es hat für den Rest auch keinen Sinn mehr, zu kommen.
Gut für uns, da wir so Mittwoch nachmittag nach Kashan (ca. 250 km) fahren konnten. Es ist eine ziemlich kleine Stadt mit nur 320.000 Einwohnern.
Wir fuhren einfach so drauflos, hatten aber die Telefonnummer von Kashanis in der Tasche.
Woher wir die kannten? Als wir auf der letzten Tour im Bagh-e Fin (Fin-Garten; warum mein Wörterbuch Fin mit Nasenschleim übersetzt, kann ich mir nicht erklären) Halt machten, bekam eine Frau mit, dass wir Deutsche seien. Sie bat uns zu warten und rief ihren 10-jährigen Enkel herbei, der seit 4 Jahren deutsches Fernsehen kuckt und so fließend Deutsch gelernt hatte. AliReza führte uns durch den Garten und den Hammam (Badezimmer) eines Hauses, und am Schluss luden sie uns mehrfach ein, bei ihnen über Nacht zu bleiben. Leider hatten wir keine Zeit.
So luden wir uns jetzt von unterwegs bei ihnen ein. Wenn es nicht gepasst hätte, wären wir in ein Hotel gegangen. AliReza wohnt mit seinen Eltern weiter außerhalb, aber die Großeltern haben ein relativ großes Haus in Kashan.Die Großeltern fuhren am nächsten Tag auf eine Reise nach Kerbala, Irak, wo sich das größte schiitische Heiligtum befindet. Somit waren AliReza und seine Mutter F. am nächsten Tag unsere Reiseführer über den Basar und in einige historische Häuser. Einige reiche Kaufleute bauten nämlich für sich oder ihre Schwiegertöchter wahre Paläste, die jetzt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.Hier erstmal ein Bild vom Bazar vom Timche-ye Amin-al-Dowleh, wo es ein Teehaus gibt. Der Teehausbesitzer ließ uns für ein großzügiges Trinkgeld und ohne kleinere Kinder auf das Dach, von wo man einen wunderbaren Eindruck vom Bazar und der Altstadt bekommt.Im Vordergrund seht ihr einen Badgir, einen Windturm, der an heißen Sommertagen durch seine Öffnungen den Wüstenwind nach unten führt, von wo er oft über ein Wasserbecken geleitet noch mehr gekühlt im Haus verteilt wird. Altertümliche Klimaanlagen sozusagen. Die neuen Badgirs sind strombetrieben und meistens von Samsung.Natürlich gibt es nirgendwo Geländer, und deshalb durfte Martje auch nur unter der Auflage mit, dass ich sie ständig an der Hand halte. Xatarnake, gefährlich! hörten wir in diesen Tagen öfter als sonst im Iran. Allgemein werden Kinder nicht viel eigener Experimentierfreudigkeit ausgesetzt. Wohingegen es nichts ausmacht, sein Kind auf dem Motorradtank und noch ein Neugeborenes unterm Arm der Sozia durch die Stadt zu kutschieren.
Auf das nächste Dach nahmen wir alle Kinder mit. Steffi liebt es dann, Geschichten aus 1000undeiner Nacht zu erzählen und den Kindern die Räuber mit ihren Eseln, die Ölschläuche tragen, vor den Augen Wirklichkeit werden zu lassen. Unsere Kinder sind ja nun nicht grade aufs Knie gefallen (außer JanIngmar, der einen dicken Verband tragen musste, weil er in der Schule von der Treppe gestürzt war), wir können einfach nicht verhindern, dass sie in diesen herrlich verwinkelten Palästen sich alles ankucken.
Alle dieser Häuser haben einen oder mehrere Chaharbaq´s (Vier-Garten, den von vier Pfaden oder Wasserkanälen geteilten Garten mit Wasserfläche in der Mitte; so stellte man sich hier das Paradies vor), das größte Haus (Xane-Ameriha) hat derer sieben, aber das bedeckt auch eine Fläche von 9000 qm. Als es Ende des 18. Jht. fertiggestellt wurde, war es das größte in ganz Persien. Selbst der Shah musste klein beigeben.Manchmal kam ich mir allerdings vor wie in einem Haus von M. C. Escher.
Dies ist aus dem Tabatabei-Haus, etwa 4500 qm groß, 200 Türen, 40 Räume. Jetzt stellt euch das noch mit wertvollen Teppichen und eingerichtet vor, und ein Haufen Angestellte – dann ist es wirklich wie das Paradies auf Erden.
Zurück in THR nahmen unsere Kinder gleich ein neues Katzenjunges aus der Mülltonne auf. (Das andere hat einen mehrtägigen Ausflug unternommen. Ob und wann es zurückkehrt, steht in den Sternen.)
Inzwischen gibt es einiges an Schee auf den Bergen zu sehen. Das Wetter ist noch immer T-shirt-Wetter, aber am Morgen braucht man inzwischen eine warme Jacke.
Bevor wir unsere Fahrt unternahmen, waren wir im italienischen Staatszirkus, wo wir uns auf den Auftritt des Zirkus Almani vor krebskranken Kindern einstimmten. Hier der Eingang zum Freizeitpark, in dem das Zelt aufgebaut ist.Es gab nur Männer und Tiere, keine einzige Frau zu sehen. Ein Tchador hindert vielleicht zu sehr beim Salto Mortale.Es wird aber noch einen eigenen Blogpost wert sein, wenn unsere Kinder ihre Vorführungen hinter sich haben.

 7. November 2009  Add comments

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