Mrz 272014
 

Jeder Tag im Reich der Mitte zeigt uns, wie wenig wir von den Gepflogenheiten begreifen. Viele Dinge können wir uns erklären lassen von denen, die schon länger als wir hier leben. Manches wird auch auf viele Arten falsch erzählt und geistert dann als Hörensagen in der deutschen Community herum. Als Beispiel fällt mir das Gebäude, das neben der „Großen Unterhose“ steht, ein. Verbrieft ist, dass es in der Nacht zum Neuen Chinesischen Jahr 2009 in diesem Hochhaus gebrannt hat. Und zwar so lange, bis es nicht mehr nutzbar war. Schuld war ein Feuerwerk, das auf dem benachbarten CCTV-Tower abgebrannt wurde. Seitdem sind einzelne Raketen im Stadtgebiet verboten. Noch immer steht ein Bauzaun davor und man hört, dass es nicht renoviert werden kann, weil es voller Asbest steckt. Das steht aber irgendwie im Gegensatz zu dem Gerücht, dass der Architekt eine brennbare Wärmedämmung verbaut haben soll, die hinter der Fassade schmorte, bis das ganze Ding wie eine Riesenfackel in Flammen stand. Angeblich kann man es nicht abreißen, weil die Statik des CCTV-Towers dadurch nicht mehr ausgeglichen sei und dieses zusammenbrechen könnte. Andere sagen, dass die darunterliegende U-Bahn eine Sprengung des Klotzes verhindert. Übrigens ist der Architekt nach dem Brand für die Wahl der falschen Wärmedämmung hingerichtet worden.

Die Gerüchteküche wird auch nicht gerade klarer, wenn das Staatliche Fernsehen, dem beide Gebäude gehören, über den Brand und die Folgen nichts berichtet, denn wer ist Schuld am Feuer? Der Fernsehsender selber.

Nichts zu wissen ist nicht gut, nichts wissen zu wollen ist schlimmer. Falsches Wissen weiterzugeben ist am schlimmsten.

Ich versuch´s trotzdem. Die folgenden Statements sind komplett aus der Luft gegriffen, stimmen aber vielleicht doch:

Diese alten Leute kommen vom Lande und sind in einer der spektakulärsten Shoppingmalls auf ihren Klappstuhl gesunken. Sie warten auf ihre Kinder, die durch die Läden ziehen und das Ersparte ihrer Eltern auf den Kopf hauen, um der im Absturz begriffenen chinesischen Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen. Vater musste seinen Sitz bereits gegen ein T-Shirt für seine Enkelin eintauschen.L1058134_1

Diese blauen Kappen werden  den Vogelkäfigen übergestülpt, damit die Piepmätze nicht an Smogdämpfen eingehen. Jeden Morgen trägt der verantwortungsvolle Vogelwart seine Käfige in den Park und hängt sie an die Bäume. Dort können die Sittiche mit ihren Nachbarn Geschichten austauschen. Beim Transport der Käfige werden die Arme stark vor und zurück geschwenkt, um den Vögeln das Gefühl zu geben, der Wind würde wehen. Danach haben sowohl Vogel als auch Vogelhalter den Morgensport erledigt.L1058440_CF

Laut rufend zog diese Prozession von jungen Leuten im schnellen Gleichschritt an mir vorbei. Ich war auf dem Fahrrad und musste richtig in die Pedale treten, um sie abzulichten. Die jungen Leute sind Makler und bewerben mit dieser Aktion ihre neu eröffnete Filiale. Sie müssen dafür 8 Tage lang (Glückszahl) 8 Blocks umrunden, sonst wird ihr Geschäft vom nächstgrößeren Konkurrenten übernommen.L1058445

Jeder freistehende Baum in Peking soll eine solche verchromte Manschette bekommen, da die Vielzahl von Hunden dazu führt, dass die Bäume eingehen oder umkippen wie dieser, wenn Gassi gegangen wird. Die feuchte Markierung auf dem Boden zeigt bereits die Wirksamkeit dieser Maßnahme. Der Hund kann den Baum nicht mehr erreichen.L1058447_CF

Durch Infiltrierung der Modeindustrie ist es dem Militär gelungen, die Akzeptanz der Farbe Camouflage in der Bevölkerung durchzusetzen. Um nicht nur die Menschen auf  einen möglichen Angriff Putins vorzubereiten, ist man dazu übergegangen, auch die Parks entsprechend zu präparieren. Vom einfachen Umwickeln mit Papierschlangen ist man inzwischen auf die Züchtung von Camouflage-Bäumen übergegangen, so dass ein lange ersehnter Regen nicht mehr nur Schaden an der Baumverkleidung hervorruft, sondern sogar ein Wachstum begünstigt.X1006241

Diese Karpfen in unserem nächstgelegenen Supermarkt sind gerade in der Häutungsphase, was man deutlich an den abschilfernden Hautteilen erkennen kann. Wenn der Prozess abgeschlossen ist, werden wunderschöne (und teure) Koikarpfen vom Becken in Plastiktüten umziehen. Von dort geht es dann in die Teiche der umliegenden Parks. Qualität wird groß geschrieben, daher sind die vielversprechendsten Exemplare bereits mit QM-Tags versehen.X1006409

Zufrieden zählt der Eierverkäufer seine Einnahmen. Je nachdem, in welchem Tee die Eier monatelang gelegen haben, haben sie ihre Färbung bekommen. Grüne Eier kosten grüne Geldscheine (1 ¥), braune braune Banknoten (0,5 ¥). Weil der 100 ¥ Schein rot ist, arbeitet der Mann gerade an der Entwicklung von roten Eiern. Da Schwarztee, wie wir ihn kennen, hier hong cha, wörtlich übersetzt Rot-Tee genannt wird, wird diese Aufgabe nicht leicht zu lösen sein. Schließlich will auch in China keiner mit Schwarzgeldern in Verbindung gebracht werden. Wir wünschen viel Glück.X1006632

 27. März 2014  2 Responses »
Mai 252013
 

Gerade habe ich im Internet eine interessante Nachricht über die Luftverschmutzung in Peking gefunden.

Danach soll eine australische Firma ein Abkommen mit der chinesischen Regierung anstreben, um die Schürfrechte an der Luft Pekings zu erlangen. Diese beinhalte zwischenzeitlich wirtschaftlich lohnende Mengen an Kohlenstoff, Blei und Quecksilber. Das taoistische Prinzip, dass in jedem Guten etwas Böses liegt und umgekehrt, bewahrheite sich hier wieder einmal. Die Lunge eines Menschen, der etwa ein Jahr in Peking gelebt hat, habe auf dem Markt für seltene Metalle einen Wert von 150 Australischen Dollar.

Ich glaube nicht daran, dass ich meine mal verkaufen werde.

Auf der gleichen Seite wird auch ein Problem für die Haiangriffe vor australischen Küsten als gelöst betrachtet: Ein Fischgroßhändler will die Killerhaifischflossen auf dem asiatischen Markt verkaufen. Das Stück Rückenflosse bringe 2 Mio. Dollar. Das Entsorgen des Restes, den niemand kaufen würde allerdings koste die Firma Geld. Das Überbordwerfen würde seinen Profit um 50ct verringern.

 25. Mai 2013  1 Response »