Okt 232009
 

Das ist, was wir uns unter Orient vorgestellt haben…
Wir sind letzten Mittwoch um 6:00 morgens gestartet, wieder mit ein paar anderen Geländewagen (und den dazugehörigen Leuten, von denen wir einige noch nicht kannten) und ein Motorrad.
Ziel: die Salzwüste bei Kashan.

Freund R., der als Reiseführer arbeitet, wenn es das Studium zulässt, kam mit uns, um uns nach der Outbackzeit in seine Heimatstadt Shiraz zu begleiten und ein wenig von Iran zu zeigen.
Die Katze, die die Kinder angenommen haben, wurde leider von den Eltern verstoßen, so dass sie in unserer Abwesenheit vermutlich verhungert wäre. Also nahmen wir sie kurzerhand mit. Zum Glück nahm Lidia sie nach 2 Tagen Wüstentour mit nach THR zurück, so dass wir nicht auch noch für sie (die sich als „er“ herausstellte, weshalb sie den Namen von Tatinka zu Tsheshmo wechseln musste) sorgen mussten.Eine großartige Landschaft, die wir so noch nicht gesehen hatten, obwohl wir im Frühjahr nur wenige Kilometer entfernt auf der anderen Seite der Bergkette auch schon in der Wüste gewesen waren. Eigentlich ist es wie auf Sylt, bloß dass es kein Meer gibt. Und das Salz im Salzsee ist an dieser Stelle gar nicht so, dass man sein Salzfass direkt voll machen kann. Es handelt sich nur um von Salz durchzogenen Sand. Und gut schmeckt es auch nicht.Es macht einen Heidenspaß, sowohl für die Kinder unter den Kindern als auch für die Kinder unter den Männern, in der großen Sandkiste zu spielen. Natürlich sind wieder einige Autos stecken geblieben, unseres auch. Nur mit fremder Hilfe kommt man raus. Schaufeln reichte nicht. Deshalb würde ich nie allein hier her fahren. Am schönsten ist es, den Sonnenaufgang zu sehen. Und den Sternenhimmel.
Und diese Ruhe!

Nach 2 Nächten verabschiedeten wir uns von unseren Begleitern und fuhren nach Süden. Die Straßen sind durchaus gut, man kann eigentlich beständig 120 fahren. Leider darf man nicht. Manchmal darf man 110, sonst ist 90 angesagt. Hier durfte ich 90. Kostet leider 30.000 Tuman.
Das ist eine der Sachen, um die uns die Iraner beneiden: Straßen, auf denen man so schnell fahren kann, wie man möchte. Sie wollen immer gar nicht hören, dass das nur auf ganz wenigen Strecken der Fall ist.
Abends um 11 kamen wir in Shiraz, etwa 600 km entfernt bei R.´s Schwester an und genossen die sprichwörtliche Gastfreundschaft. Wir durften das Souterrain bewohnen.
Hier sind wir mit der ganzen (heiligen) Familie zu sehen – im Vordergrund die gebenedeite Teekanne.2 Tage hatte R. noch Zeit, uns die Stadt zu zeigen, aus der der gleichnamige Wein stammt. Nach der Revolution wurden viele Weinstöcke rausgerissen, einige aber gerettet und erlangten in Australien und Südafrica eine neue Berühmtheit. Also wenn ihr die nächste Flasche Shiraz leert, denkt an uns, wir kriegen hier leider keine…

Nur 60 km von Shiraz entfernt liegt Persepolis, eine 2500 Jahre alte Palastanlage, die von Dariush angefangen wurde, um als Winterpalast und Feststätte für das Neujahrsfest zu dienen. 332 BC von Alexander erobert und vermutlich niedergebrannt. Ist so aber auch ganz schön… In der näheren Umgebung sind einige Altertümer aus der Zeit und vorher, die unsere Lehrer uns in Geschichte beibringen wollten.Hätten wir ein Fliegendes Klassenzimmer gehabt, hätte ich damals mehr Interesse gehabt. Hier Solveigh als Stewardess, quatsch Schülerin in Schuluniform, die die Mädchen ab der 1. Klasse tragen müssen. Obwohl offiziell erst ab 10 Jahren Hejab Pflicht ist, sind Maghna´e (Kopftuch zum Überziehen) in den Schulen vorgeschrieben.
Hier beobachtet JanIngmar einige Shirazi beim Beten im Emamzadeh (Wallfahrtsstätte eines Emams). Bei den Schiiten kommt es nicht so drauf an, ich hab auch schon Leute in der Moschee schlafen (ich weiss, kommt in deutschen Kirchen oft vor, bloß, dass nicht so bequeme Teppiche rumliegen) oder essen sehen. Die Lichter an den Wänden kommen von 1000-den von Spiegeln, die alle Wände und Decken als Mosaik bedecken.
Dies ist das Dach über dem Grabmal von Hafez, dem persischen Dichter, mit dem Goethe sich schon intensiv beschäftigte und daraufhin den West-östlichen Diwan schrieb. Shiraz hat noch so viel mehr zu bieten, wir sparten uns einiges für den nächsten Besuch auf.
Wir fanden noch 2 ganz schöne Teppiche für unsere Riesenwohnstube, die hier grade eingepackt werden. Auf dem Rückweg landeten wir u.a. in Natanz, weltbekannt für die Urananreicherungsanlage in den Bergen. Wir mussten hier halten, weil es schon so spät geworden war. Das Hotel hatte kein Frühstück. Eine Imbiss-Bude im Souterrain reichte Suppe, Brot mit Ei und ich kam in den Genuss, Kallehpaatche (Schafskopf und -fuß) zu essen. War durchaus lecker, aber zum Frühstück krieg ich Fleisch eigentlich nur bei echtem Hunger runter. Man kriegt natürlich nicht den Schädel und die Pfote gereicht, sondern nur Teile davon.

Natanz hat eine sehr sehenswerte alte Moschee und der Markt war so, wie man sich einen Markt hier vorstellt. Der letzte Abstecher war die Stadt Kashan, und hier auch nur den Bagh-e-Fin, einen 200 Jahre alten Garten, der mindestens genauso schön wie die Gärten in Shiraz ist. Der Moloch THR hat uns dann wieder so verwirrt, dass wir uns prompt verfuhren – ich habs noch nicht einmal ohne Herumirren geschafft, von Süden nach Hause zu finden. Irgendwann waren wir völlig orientierungslos. Wir fragten Leute am Straßenrand. Einer sagte, fahrt hinter meinem Motorrad her, und von Kreisverkehr zu Kreisverkehr leitete er uns eine halbe Stunde durch den Stop-and-Go-Verkehr, bis wir uns wieder auskannten. Aghaye Havij (Herr Karotte, wie wir ihn wegen seiner Möhren auf dem Gepäckträger nannten) verweigerte die Annahme des angebotenen Geldes durch empörtes Kopfheben und fuhr davon. Aber sowas passiert uns ständig.
Mit das Schönste war, dass unser Oldtimer uns eine Woche 3000 km durch Persien kutschiert hat, und das ganz ohne Macken.

 23. Oktober 2009  Add comments

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