Mai 082014
 

Seit dem 6. Mai wissen wir, dass der Dieb unserer Kreditkarte in der kurzen Zeit vom Diebstahl der Karte bis zum Sperrenlassen bei der Bank (ca. 45 Minuten) für 2.500 € eingekauft hat. Was lernen wir daraus? Keine Kreditkarte mitzunehmen, wenn es nicht wirklich nötig ist, und wenn doch, immer eine Telefonnummer der Bank an gesonderter Stelle dabei zu haben, um sofort die Sperrung in Angriff nehmen zu können.

Uns fehlt noch ein Schreiben von der chinesischen Polizei, das bestätigt, dass sie von dem Diebstahl wissen. Ich hatte aus lauter Verzweiflung unseren Makler auf die Sache angesetzt. Da er versucht hat, das Problem fernmündlich zu lösen und die chin. Behörden Meister darin sind, jemand anderem die Verantwortung zuzuschieben, hat er heute ziemlich entnervt aufgegeben, weil er im Kreis gedreht wurde.

Ich musste also doch alleine los. Als erstes bin ich an die Stelle, wo der Diebstahl passiert ist, den Gulou-Trommelturm. Die nächstgelegene Polizeistation finde ich recht zügig. Es gibt jemanden, der Englisch kann, hurra! Naja, er tippt irgendwas in sein Mobile ein und hält mir die Google-Übersetzung vor die Nase. Als wir die Kommunikation aufgeben müssen, findet sich noch jemand, der ganz passabel Englisch kann. Als klar ist, um was es geht, erklärt er mir, ich müsse an die Stelle des Diebstahls gehen und 110 anrufen. Mach ich doch.

Am anderen Ende spricht jemand Englisch und sagt, ich solle bleiben wo ich bin. Es käme jemand. Nach 20 Minuten ein Anruf. Auf Chinesisch. Eine freundliche Bedienung aus dem Café, wo ich mir einen Kaffee geholt habe, gibt den Ort genau an. 5 Minuten später kommt tatsächlich ein Bullenauto. Der Chef steigt aus und schreit mich erstmal an. Ich war wohl nicht da, wo ich erst gesagt habe. Na gut, aber jetzt sind wir ja zusammen. Alles wird gut.

Nein, er ist nicht zuständig. Ich soll dahin gehen, wo der Diebstahl GENAU passiert ist. Und noch mal 110 rufen. Ich frage meine Übersetzerin, ob das tatsächlich richtig ist, dass ich 150 Meter weiter noch mal die Notrufnummer  anrufen soll. Sie zieht die Schultern hoch, schaut traurig und nickt. OK, mach ich.

An der Bushaltestelle mach ich wie geheißen. Wieder zum Englischsprecher durchgefragt, Ort angegeben (auf dem Bushaltestellenschild steht es auch in für mich lesbaren Schriftzeichen) und gewartet. Diesmal dauert es 15 Minuten, bis ich die Geduld verliere. Ich frage nach. Ja, es kommt jemand, immediately. Nach 10 Minuten ist noch nichts passiert. Da hinten, ein Polizeiwagen! Ich hin. Nein, die wissen von nichts, (und sprechen auch kein Englisch) aber just in dem Moment ruft die Chinesin wieder an. Ich reiche das Telefon weiter, es wird ein Satz gesprochen, dann aufgelegt und beide Polizisten schauen sich abwechselnd mein Fahrrad und dann mich an. Ich weiß, was sie denken: „Dem ist doch niemals sein Portemonnaie im Bus geklaut worden, mit Fahrrad.“ Falsch gedacht, sie schätzen nur ab, ob ich es schaffe, ihre Geschwindigkeit zu halten, denn jetzt kommt ein lupenreines Englisch vom Beifahrer: „Please follow me!“X1005309

Sie lotsen mich zu einer anderen Polizeistation. Dort im Duty-Room sitzt einer mit den Armen überm Tisch verschränkt und schläft, einer wacht. Dieser schickt jemanden zum Kopieren meines Passes und verschwindet selber, um einen Zettel zu schreiben, den ich in Deutschland beim Arzt als Überweisung zum Facharzt betiteln würde. Einen anderen Wisch mit Adresse und einer Telefonnummer bekomme ich auch in die Hand gedrückt und auf mein sparsames kucken, sagt mir der inzwischen aufgewachte Schläfer, „Geh dahin.“

In der Zwischenzeit ist ZhiYi in der Nähe angekommen, um mir zu helfen. Eigentlich wollten wir indes einen netten Nachmittag miteinander verbringen. Ein gemeinsames Taxi mit Fahrradtransport stellt sich als unmöglicher Wunsch heraus. Also fahre ich mit dem Rad und er mit dem Taxi. Als wir da sind, ist es die falsche Adresse. Die darunter stehende Adresse ist die richtige. Das ist ganz in der Nähe von da, wo wir grade losgefahren waren. Hinter einem unscheinbaren Scherengitter in einem unscheinbaren Haus ist ein Flur, in dem irgendwo das Wort Police an der Wand steht und das ist die Dependance des Ministry of Foreign Affairs. Der Raum hat drei Computer und einen Kopierer. Ein Formular wird rausgekramt, mein Pass noch mal kopiert, ich schreibe den Tathergang auf ein gesondertes Papier und schließlich gehen wir mit dem heißersehnten Fang hinaus: einem DinA5-Zettel mit zwei roten Stempeln. Lesen kann ich nur meinen Namen und den Namen meiner Bank. Hoffentlich akzeptiert sie…

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 8. Mai 2014  Add comments

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muss sein

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