echt.jut

Apr 282017
 

Gestern fuhr ich mit dem Rad wieder mal zum Tian´AnMen-Platz, um an einem Fotoprojekt weiterzuarbeiten. An einer Kreuzung fiel mir auf, wie die Radfahrer daran gehindert werden, wildgeworden einfach loszufahren. Einerseits werden sie von Uniformierten mit Trillerpfeifen und Fahnen daran gehindert und zusätzlich sperrt man sie einfach mit einer Rollabsperrung ein.
Blumenbouquet Dongdan
Auch wenn das eigentlich meine Aufmerksamkeit erregte, war ja das Schauspiel dahinter viel interessanter: wie nämlich diese die Stadt verschönern sollenden Riesenensembles entstehen. Ein Trupp von Planern und Arbeitern war nämlich dabei, eine überdimensionierte Blumensteckerei fertig zu stellen.
Blumenbouquet Dongdan
Und weil selbst die einzelnen Blumen so schwer sind, werden sie mit einem Kran dort hoch befördert und dort gleich festgeschweißt. Wir haben nämlich in letzter Zeit manchmal reichlich Wind, so dass uns auf dem Dach sogar eine frisch gepflanzte Blume samt Wurzeln aus dem Topf über die Brüstung geweht wurde.
Blumenbouquet Dongdan
Ein Ministrauß steht brav Modell.
Blumenbouquet Dongdan
Blumenbouquet Dongdan
Die spinnen, die Chinesen.

 28. April 2017  Kommentare deaktiviert für Blumenbouquet
Apr 242017
 

Während Martje, die gerade 18 geworden ist, nach Deutschland fliegt, um die ersten 2 Wochen ihres Lebens in Selbstbestimmung zu verbringen, machen wir uns einige Stunden später auf nach Vietnam, wo wir vor 2 Jahren schon mal waren.
Da Steffi schon mal Tapeziermesser und Scheren in den Sicherheitsbereich von Flughäfen gebracht hat, fragt Solveigh lieber noch mal nach, ob sie denn alle spitzen Gegenstände in den Koffer getan oder zu Hause gelassen hat. Beim Securitycheck wird ausgerechnet bei ihr meine 50 Jahre alte Schere im Rucksack im Federmäppchen ausgemacht. Gefunden hatte sie sie nur noch nicht. Steffi ist schon durch die Kontrolle hindurch und wartet auf uns anderen. Als die total unfreundliche chinesische Durchsucherin zum Röntgengerät zurückschaut, steckt Steffi die Schere kurzentschlossen und cool wie ein Eisklotz ein.
Schere
Die Sicherheitsfrau wird noch hektischer und unfreundlicher, als sie nichts findet, schickt Steffi weg – und gibt schließlich entnervt auf. Hurrah!
Da wir einen Anschlussflug von Guangzhou haben, wird uns das Problem noch einmal beschäftigen. Wir überlegen, was zu tun ist: Schnell zur Flughafenpost und ein Päckchen an uns in Beijing schicken. Ob dafür Zeit ist? Oder jemanden finden, der nach Beijing zurück fliegt und dem die Schere mitgeben, aber wie? Schließlich fällt uns ein, dass wir beim Umsteigen in den internationalen Flughafenteil uns noch mal zum Check-In begeben können und eins unserer Handgepäcke aufgeben können. So machen wir es schließlich und haben die Schere gerettet. Beim Rückflug kommt sie aber gleich in den Koffer!

 24. April 2017  No Responses »
Apr 222017
 

Der diesjährige Osterurlaub führt uns nach Vietnam. Kaum 7 Stunden nach der Taxifahrt zum Flughafen landet man im dicksten Gewühle in Hanoi, der Hauptstadt Vietnams.
Hanoi
Helmpflicht wird in Vietnam groß geschrieben. Die Helme für Frauen haben übrigens Aussparungen an der Stelle, wo der Pferdeschwanz stören würde.
Verkehr Hanoi
Die Luft war übrigens nach den Messwerten nicht so viel besser als in Beijing, teilweise sogar schlechter. Da hat wohl jede Großstadt in Südostasien die gleichen Probleme. Gesichtsmasken sind schon fast etwas wie ein Modeschmuck
Hanoi
Hanoi

Es ist einigermaßen schwer, sich in Hanoi heimisch zu fühlen, obwohl wir im Hotel sehr herzlich empfangen wurden. Hanoi im relativ unerschlosseneren Norden des Landes gilt als weniger touristisch erschlossen als z. B. HoChiMinhCity (ehemals Saigon). Ich habe das Gefühl, in der 10-Mio-Metropole leben die Vietnamesen nur, um die Dinge, die Touristen so brauchen (oder glauben, brauchen zu müssen), bereitzustellen und die Kulisse für all die für westliche Augen ungewohnten Bilder zu liefern.
Dabei kann man schon beihnahe sicher sein, dass man der Markenpiraterie Vorschub leistet. Touring-Rucksäcke von TheNorthFace für 15 €, die in Deutschland 200 oder mehr kosten, CDs und Filme für unter 3 €, Rolex und Patek Philippe-Uhren für 20 €, es gibt nichts, was nicht kopiert werden könnte.
Hanoi
Manchmal wird deutlich, dass nicht ganz perfekt kopiert wurde, vielleicht um dem Piraterie-Vorwurf zu entgehen, vielleicht, weil man es nicht besser weiß.
Star-Warze:
Hanoi
Play with Fairies, Ride a Unicorn, Swim with Mermaids, Fly to the Moon. So sollte es wohl richtig heißen. Ich mag ja solche Foh-Pahs.
Hanoi

Genau so chaotisch wie der Verkehr ist die Kabelführung im Telekommunikationsbereich. Wir haben erst überlegt, ob jeder von uns eine vietnamesische SIM-Karte braucht, dann allerdings keine gekauft und auch nicht vermisst, da man in der ganzen Stadt Zugriff auf irgendein WiFi (dt. WLAN) hat. Manchmal kann man sich offen einwählen, oder man holt sich das Passwort vom nächstgelegenen CaPhe (Cafè).
Hanoi

Die Kinder werden schon früh an die Motorisierung herangeführt. Es geht auch gar nicht anders, denn Kinderwagen sind für den Transport der Kleinen denkbar ungünstig. Fahrzeuge sind überall. Vor allem auf den Gehsteigen. In den Parks mietet man für den Nachwuchs e-Autos, die von den hinter ihnen laufenden Eltern per Fernbedienung gesteuert werden.
Hanoi
Hanoi
Man wird trotzdem nicht umgefahren, wenn man nur ein bisschen aufpasst.
Hanoi
Wir haben mit Solveigh den Test gemacht (Rabenvater! Nur für die Fotos die Tochter aufs Spiel gesetzt.)
Verkehr in Hanoi
Hanoi
Hanoi´s Innenstadt ist so dicht bevölkert, dass die Leute teilweise (laut Reiseführer von Herrn Lohse) in Schichten schlafen müssen. Die Grundstückspreise sollen an die von NewYork heran reichen.
Hanoi
Für Steffi war es manchmal etwas eng und die Lautstärke der meist benzingetriebenen Scooter zu viel, ich konnte mich ganz gut damit arrangieren. Es gibt zum Glück überall Cafès, in denen man einen der leckeren CaPheSua (Wie Espresso mit süßer Kondensmilch) bekommt. Fast schon ein Dessert ist der EggCoffee:
Eierkaffee

Fortsetzung folgt..

 22. April 2017  No Responses »
Apr 022017
 

Seit ein paar Monaten werden sie immer zahlreicher. Es fing mit drei silbern-orangenen Rädern an, die wir im September auf dem Gehsteig stehen sahen. Einrohr-Design, ohne Kette (Kardanantrieb) und Vollgummireifenreifen ohne Luft, dafür aber mit Löchern. Auf dem Rahmen stand Mobike.
Durchlöcherte Reifen
Das Prinzip: Jeder kann sich, nachdem er sich bei der betreffenden Firma registriert hat und ein Pfand hinterlassen hat, was natürlich über WeChatPay oder AliPay bezahlt wird, ein Fahrrad ausleihen. Die Smartphone-App starten, den QR-Code auf dem Fahrrad abfotografieren und schon schnappt das Schloss auf. Pro Stunde kostet es 1 Yuan, etwa 15 Cent.
Mo-Bike
Leihfahrräder
Graffiti
XP2J7639
Leihfahrrad BJ
Kurze Zeit später gab es das gleiche in Gelb (ofo), jetzt in Blau (bluegogo), selbst grüne Leihfahrräder habe ich jetzt schon gesehen. Die grünen sind aber nicht so zahlreich und lediglich mit chinesischen Schriftzeichen versehen. Inzwischen sind auch Dunkelgrüne und Blaugelbe zu finden.
Blofo
Leihfahrrad
Der öffentliche Personen-Nah-Verkehr hatte schon seit Jahren Stationen mit roten Leihfahrrädern am Start, die man mit der U-Bahn-Karte ausleihen kann, die sind aber inzwischen etwas in die Jahre gekommen und werrden etwas vernachlässigt.
Das alte Leihfahrrad
Hinter Mobike steht wohl die Firma, die wechat auf das Smartphone bringt, ofo soll von Xiaomi finanziert sein. Beide Firmen, die hauptsächlich in Mobilfunk Geld verdienen.
Bei ofo bin ich selber und meine Kinder auch angemeldet. Es ist wirklich einfach, an ein Fahrrad zu kommen. Gut, etwas Hilfe von Chinesen hatten wir nötig.
Ich hab jetzt gelesen, dass nur Bluegogo innerhalb eines Monats 70.000 Fahrräder auf die Straßen gebracht hat. Pro Tag erwirtschaften die Räder jedes etwa 1 €. Ab 3 Monaten sollen sie sich amortisiert haben.
Leihfahrräder
Leihfahrräder
Und jetzt ist die ganze Stadt voll davon. Es ist, als wenn der Himmel seine Schleusen öffnete und überall Fahrräder fallen ließe. Es müssen hunderttausende sein. Eigentlich benutzt niemand mehr sein eigenes Rad. In den anderen Städten in China muss es ähnlich aussehen.
Mobike
Ofo
Mobike
Ofo
Man kann nicht mal mehr irgendwas fotografieren, ohne dass ein Leihfahrrad mit im Bild ist.
Leihfahrräder
Das Tolle ist, dass jetzt das zwischenzeitlich verpönte Radfahren wieder in der Gunst der Chinesen gestiegen ist. Nur wer ein Auto hat, galt auch was. Jetzt ist es hip, mit dem Smartphone über ein Fahrrad gebeugt zu stehen, eine Nummer zu tippen oder besser noch zu scannen und danach davon zu radeln. Mir kommt es so vor, als wenn die Leihfahrräder auch etwas zur Abkehr vom Konsumdenken beitragen würden.
ofo-bike
Der unangenehme Effekt der neuen Nine Million Bicycles ist, dass die Dinger die Fußwege verstopfen und ich habe gehört, dass in Shanghai die Fahrräder wieder aus dem Stadtbild entfernt werden, weil die Gehsteige nicht mehr begangen werden können. Außerdem fahren jetzt Leute auf den Straßen, die bisher kein Rad besessen haben und deshalb auch nicht gut fahren können. Für Touristen ist das natürlich super, weil Beijing eine Stadt ist, die sich mit dem Rad wunderbar entdecken lässt.
Ich habe mich schon öfter über chinesische Radfahrer lustig gemacht, die so langsam fahren, dass sie fast umfallen – neuerdings könnte ich noch öfter meckern. Mach ich aber nicht, weil die meisten so einen Spaß am Radfahren haben, dass ich mich einfach mitfreuen muss.
verbotener-Platz

 2. April 2017  3 Responses »
Mrz 112017
 

Die letzten kalten Tage sind jetzt wohl endlich vorüber. Ein kurzer Blick zurück auf den Winter. Wir hatten in Beijing nur einmal Schnee.
Snowcars
Normalerweise fegt und wässert er in unserem Compound.
GuojiYouyi
Weil uns das natürlich nicht reichte, sind Solli und ich nach Nanshan zum Schneegleiten gefahren. Sie Snowboard, ich Ski. Der Schnee backste aber schon ziemlich und von rasenden Talfahrten konnte nicht die Rede sein. Zum Snowboardlernen allerdings ideal.
Nanshan
Etwas merkwürdig, wenn ringsum alles braun ist.
Nanshan
Nanshan
Die Flüsse und Kanäle sind jetzt auch wieder eisfrei.
Angler in BJ
Am letzten richtig kalten Tag besprühte der Gärtner im ZuoJiaZhuang-Park die Bäume und Sträucher publikumsanziehend schön.
Eis
Eis
Jetzt macht das Tanzen draußen wieder Spaß und die Wäsche kann auch wieder nach draußen auf den Zaun.
Fächertanz
Wäsche aufhängen
Die morgendlichen Blicke über das CBD sehen fast immer so aus. Smog ist selten, wahrscheinlich weil grade der Volkskongress tagt.
CBD Beijing

 11. März 2017  No Responses »
Mrz 012017
 

Dieses Kunstwerk habe ich vor längerem bereits im TodayArtMuseum gesehen, vor kurzem war es im CAFA Museum, dem Museum der Kunsthochschule, zu sehen. Leider weiß ich nicht, von wem es ist.

Manchmal ist es nicht so wie es scheint.
Kunst2 Vorderseite

Von der Rückseite bietet sich ein anderes Bild:
Kunst1 Rückseite

 1. März 2017  No Responses »
Feb 162017
 

Im letzten Jahr war er bereits da. Unter der nächstgelegenen SanYuan-Brücke lag ein Haufen Dinge, die man vielleicht am ehesten als Müll bezeichnen würde. Für den einen ist es ein Schokoriegel, für den anderen die längste Praline der Welt…
Der, für den der Haufen einen Schatz darstellt, ist im Rollstuhl unterwegs, und ich hatte ihn bei meinen kurzen Fahrten zur Schule schon im letzten Jahr oft gesehen, wie er sich langsam durch den Verkehr schiebt. Dabei war er mir besonders aufgefallen, weil er stets ein Lachen auf dem Gesicht trug.
Lao Chen
Lao Chen schläft unter der Brücke, wohnt dort und ich fragte mich immer, wie man es bei der Kälte dort draußen aushalten kann, wenn wir manchmal sogar in unserem Schlafzimmer frieren.
Lao Chen
Gerade an dem Tag im letzten Jahr, an dem ich Zeit hatte und ihn ansprechen wollte, war er fortgewesen und sein ganzes Zeug war offensichtlich von der Müllabfuhr entsorgt worden.
Jetzt war er wieder da und ich fragte ihn nach seiner Geschichte. (Das ist natürlich schwierig, weil ich noch lange kein Chinesisch kann. Mit einem Freund als Übersetzer ging es dann doch. Ob alles stimmt, was er uns erzählte, kann ich natürlich nicht garantieren, aber ich habe keinen Grund, das Gegenteil anzunehmen.)
Als ich es das erste Mal allein versuchte, blieben einige Chinesen stehen, machten Fotos von uns und drückten ihre Be- oder Verwunderung aus, dass sich ein Ausländer mit ihm beschäftigt. Eine junge Frau sagte, sie käme jeden Tag hier vorbei und sehe das erste Mal jemanden mit ihm reden. Wundert mich nicht, wo man nicht mal im Fahrstuhl Hallo sagt, wenn jemand zusteigt. So ist China nun mal.
Lao Chen ist seit 1993 auf der Straße. Das sind mehr als 20 Jahre! Er ist 50 Jahre alt, 3 Jahre jünger als ich.
Davor arbeitete er bei einer Eisenbahngesellschaft. Während seiner Arbeit bekam er mit, dass seine Vorgesetzten korrupt waren und Geschäfte nebenbei machten. Er versuchte, das publik zu machen. Daraufhin wurde er zusammengeschlagen. Seitdem ist er auf einen Rollstuhl angewiesen. Er kann sich immerhin selber hinein und heraushieven.
Sein Vater setzte sich dafür ein, dass ihm eine Entschädigung erteilt wird. Daraufhin wurde auch er zusammengeschlagen. An den Folgen der Prügelei starb er.
Lao Chen gab nicht auf, um Gerechtigkeit zu kämpfen, kam aber in Wuhan, wo er herkommt, vor Gericht nicht weiter, seitdem versucht er sein Glück in Beijing und hofft, eines Tages bei einem höheren Gericht in der Hauptstadt Erfolg zu haben.
Er lebt auf der Straße, denn es gibt keine Sozialstation, bei der er um ein Dach bitten kann oder eine Beijinger Tafel, bei der er sich Essen holen kann. Einige Zeit war er in der Nähe der amerikanischen Botschaft, bis er dort von Wachpersonal vertrieben wurde. Immerhin steckten ihm Botschaftsmitarbeiter Geld zu, erzählt er.
Offiziell gibt es gar keine Obdachlosen, also braucht man auch nichts dagegen tun. Oder für sie. Während eines Gesprächs mit ihm kam ein anderer Chinese an und schlug vor, er solle doch arbeiten gehen, er könne doch wie der andere Mann unter der Brücke als Parkwächter tätig sein. Immerhin wird er von der Polizei selten weggeschickt, weil er auf den Rollstuhl angewiesen ist und Polizisten auch in China normalerweise keine Unmenschen sind.
Lao Chen
Sein Essen sucht er sich in der Umgebung zusammen. Dafür hat er eine T-förmige Eisenstange, mit der er Mülltonnen durchsucht. Mit zusammengesammeltem Holz kann er seinen Wassertopf erhitzen und Suppe kochen.
LaoChen
Manchmal schenken ihm Passanten Geld oder Essen. Ich war mit ihm in einem nahgelegenen Nudelrestaurant, das gewählte Essen war das billigste Gericht auf der Karte und er war nicht zu etwas teurerem zu überreden.
Lao Chen
Wenn er mal wie am Tag, an dem ich ihn begleitete, ein angebrochene Flasche Schnaps findet, freut er sich darüber, sich kurzfristig in der Kälte der Nacht innerlich wärmen zu können.
Lao Chen
Zur Toilette geht er nicht. Er pinkelt in eine Flasche und große Geschäfte macht er verborgen unter seiner Decke und entsorgt „es“ dann in der Natur.
Lao Chen
Ich fragte ihn, was er brauchen könne. Erwartet hatte ich etwas, das ich im nächsten Laden kaufen könnte oder Geld. Seine Antwort war jedoch ZhengYi – Gerechtigkeit. Das kann ich selbstverständlich nicht bieten. Was ich tun kann, ist regelmäßig bei ihm vorbeizufahren und ihm etwas mitbringen, was er sonst nur schwer bekommt oder sich nie kaufen würde. Und wichtiger ist vielleicht noch, kurz mit ihm zu sprechen und Aufmerksamkeit schenken. Sein Lächeln ist dann für mich ein schönes Mitbringsel.
Lao Chen

 16. Februar 2017  Kommentare deaktiviert für Obdachlose gibt es nicht
Feb 042017
 

Harbin ist der kälteste Ort in China, von dem ich weiß, wo er liegt (ungefähr). Es ist leider recht weit weg. Wer dorthin möchte, zahlt von Beijing aus etwa 300 € nur für den Flug, im Bundle mit einer Übernachtung wird man etwa 280 € pro Person ärmer. Weshalb sollte man da überhaupt hin wollen? Weil die Winterattraktion aus aufwendig bearbeiteten Eisklötzen besteht, ganze Städte werden in Eis nachgebildet.
Weil ich ein Geizhals bin, geben wir nicht knapp 1500 € für eine Wochenendübernachtung aus, sondern schließen uns einer Gruppe an, die einen Tagesausflug nach Little Harbin macht. Das ist eine Stelle unterhalb einer Talsperre im Norden Beijings, wo für den Eintritt von 100 Kuai eine kleinere Eiswelt bewundert werden kann.
Vorher fahren wir auf dem Weg einen kleinen Umweg und schauen uns GuYuJu, eine Höhlensiedlung aus der vorletzten Jahrtausendwende an. Der Prospekt, der diesen „amazing triumph of ancient architecture“ beschreibt, kann leider auch nicht sagen, wer wie lange und weshalb hier gewohnt haben soll. Immerhin ist es recht nett anzuschauen und ein schöner Trainingspfad für BauchBeinePo.
Höhlen in Beijing
Höhlen in Beijing
Manche Häuser in Peking sehen allerdings ähnlich aus.
JiangTaiLu
Der Blick von oben auf das dazugehörige Dorf mit seiner christlichen Kirche ist trotz Dunst ganz hübsch.
Höhlen in Beijing
Zum Abend müssen wir in LongQingXia sein, denn die erleuchteten Skulpturen kann man nur dann in ihrer ganzen Pracht sehen. Nicht, dass sie im Hellen nicht schon erstaunlich wären.
Little Harbin 2017
Natürlich verspricht es kalt zu werden.
Little Harbin 2017
Weil noch Frühlingsfest ist, wird noch fleißig geballert, hier mit Knallerbsen. Vor allem die Kinder kriegen hier einiges geboten.
Little Harbin 2017
Damit niemand verloren geht, kann man auf dem Weg schnell noch ein paar Leuchtohren besorgen.
Little Harbin 2017
Die sind schon ein bisschen verrückt, die Chinesen.
Little Harbin 2017
Little Harbin 2017
Little Harbin 2017
Engel und Teufelchen mal nah zusammen. Im Grunde ist alles eine einzige Bühne für Selfies und Familienschnappschüsse.
Little Harbin 2017
smile
Little Harbin 2017

 4. Februar 2017  Kommentare deaktiviert für Höhlen und Little Harbin
Jan 272017
 

Seit dem Sommer hat Beijing sich verändert. Leider zum Schlechten. Finde ich. Irgendjemand in der Stadtregierung hat sich überlegt, die Wanderarbeiter und anderen nicht in Peking Gemeldeten aus der Stadt zu vertreiben.
Über die Jahre (vor unserer Ankunft 2013) haben sich kleine Zimmer zu größeren Läden entwickelt. Man hat einfach einen Verschlag, fest oder weitgehend mobil vor die Fenster gebaut und dann die Wand eingerissen. Selbstverständlich sind viele dieser Anbauten illegal entstanden. Es ist für viele der kleinen Geschäftsleute schwierig, die erforderlichen Unterlagen zu beschaffen, vielleicht ist es auch einfach zu teuer, die Erlaubnis zu bekommen, vor allem, da Korruption noch weit verbreitet ist.
Für uns haben die kleinen Geschäfte und Restaurants bisher den Charme unserer Gegend ausgemacht.
Dieser schöne Zustand wurde in den vergangenen Monaten rückgängig gemacht. Und zwar ruckzuck. Alles soll „schön“ werden.

Wenn man Chinesen aus Beijing zu dem Thema befragt, bekommt man eine andere Antwort. Die Sicherheit der Gebäude ist ein Hauptgrund, weswegen man es ganz oK findet, dass die Stadt in den letzten Monaten ein anderes Gesicht bekommen hat. Und dass hoffentlich die Bevölkerungsdichte in Beijing abnimmt, wird auch als positiv angesehen.
Ob für die Rückbauten Wanderarbeiter herangezogen wurden? Ich möchte darum wetten…
Den erwünschten Effekt hat es trotzdem nicht. Die Wohnungen sind zwar wieder zugemauert worden, aber dann stellen die Leute Hocker und kleine Treppen vor die Fenster und der Verkauf geht von da aus weiter.

Was das Fotografieren angeht, schwanke ich hin und her. Ich habe meine kleinen Projekte, die durch das kalte Wetter etwas leiden und in der Schule habe ich durch meine Frau auch durchaus Gelegenheit, meiner Fotoleidenschaft zu frönen.
Aber sonst fehlt mir die Motivation. Der Reiz des Neuen ist für Beijing einfach weniger geworden. Auch denke ich oft, wenn ich etwas Interessantes sehe, dass das andere Fotografen schon hundertmal besser abgelichtet haben. Da schlägt dann mein dünnes Selbstbewusstsein seinen Haken gegen mein Schienbein.
Ich weiß schon, was ich kann. Ich muss mich aber dazu zwingen.
Ein bisschen Glück ist wohl auch vonnöten.

Heute fangen die Ferien zum Chinese New Year (das Jahr des Hahns) an, eigentlich das Frühlingsfest, und die Chinesen statten ihre Wohnungen mit Glücksbringern aus und machen sich dann auf den Weg in ihre Heimat. In den nächsten zwei Wochen haben wir Beijing sozusagen für uns, denn mehr als die Hälfte der Pekinger kommt gar nicht von hier.
XT1J4337

Das Wetter ist meistens schön (sonnig), nur grün ist es noch nicht. Aber das kann man ja auch künstlich haben.
wood
XT1J4415

Mit dem Frühlingsfest kommt auch eine Extrazahlung aufs Gehalt. Das ist der HongBao, der rote Umschlag. Darin befindet sich z.B. ein halber Monatslohn, den die Chinesen sofort wieder in neue Sachen anlegen. Die Geschäfte sind in der Zeit so voll wie nie.
XP1J0442
Mit Steffi habe ich letztens 20 Minuten an der Kasse vom Carrefour gestanden, auch, weil es in diesem westlichsten der Supermärkte keine Laufbänder an den Kassen gibt und es so viele Zahlungsmöglichkeiten gibt. Die Barzahlung ist hier fast ganz abgeschafft. Bankkarten sind noch gar nicht mal so häufig, denn inzwischen kann man mit WeChat (dem chinesischen WhatsApp) bezahlen und scannt einen Code, durch den dann das elektronische Portmonnaie belastet wird. Selbst auf dem Markt wird diese Art der Bezahlung immer häufiger.
Da fällt mir ein, dass ich letztes Jahr schon eines kaufen wollte: ein Paar Schlittschuhe.
eislaufstühle

 27. Januar 2017  No Responses »
Jan 182017
 

Am Ende unseres Kambodscha-Urlaubs waren wir noch ein paar Tage in Phnom Penh, wo wir hauptsächlich die Tage genossen.
Immerhin ist das vermutlich unser letzter gemeinsamer Urlaub gewesen, denn Martje hat keine Lust mehr mit den alten Knackern zu verreisen.
Wer kann es ihr verdenken – wir waren genauso.
Unser Hotel (Blue Corner Hotel) war tatsächlich blau angestrichen und der Concierge hatte sogar ein blaues Mobiltelefon.
Und es hat einen schönen Pool, in dem vor allem die Kinder ihren Bewegungsdrang ausleben konnten. Und danach chillen.
Pool Blue Corner Hotel
Bevor es wieder ins furchtbar arschkalte und versmogte Beijing geht (Werte jenseits von 500 ppm – das hab ich zum Glück erst einmal selbst erlebt), genießen wir die relativ gute Luft und die Wärme.
Nationalmuseum
Cambodia
Und schauen uns ein wenig in den Märkten um.
Cambodia
Beim Rückflug über Guangzhou waren wir froh, dass JanIngmar einen Rollstuhl bekam, denn die Wege dort sind wahnsinnig lang. Und wir kamen in den Genuss, einmal als Erste im Flieger zu sein.
flieger
Cambodia
Vielleicht dadurch, dass wir das Gepäck im chinesischen Flughafen neu einchecken mussten, kam uns ein Gepäckstück abhanden.
Warten auf Lost Luggage
Wir hörten, dass man ständig hinterher sein müsse, um das Gepäckstück wieder zu bekommen. Aber ich muss sagen, dass die Leute vom Lost-and-Found ganz bemüht waren und jeden Tag angerufen haben, um uns zu sagen, dass sie weitersuchen würden.
Schließlich wurde der Rucksack nach 3 Tagen nach Hause geliefert.
Toller Urlaub, Kambodscha können wir nur empfehlen.

 18. Januar 2017  No Responses »