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Ein ganz besonderes Chinese New Year

Dieses Jahr ist das Mondfest wieder was ganz besonderes. Feuerwerk darf in Peking ja schon lange nicht mehr in die Luft geschossen werden, obwohl ich vorgestern Nacht ein paar Böller gehört habe. Aber das kann der Wind auch von weit hergetragen haben. Diesmal könnte man es auch das Maskenfest nennen, denn ich sehe draußen und drinnen, wo viele Menschen zusammenkommen, nur ganz wenige ohne Maske gehen. Ich bin heute auch schon von Leuten angesprochen worden, ich trüge gar keine Maske, was denn los sein?
Ich bin noch nicht hysterisch genug, möchte ich antworten, wenn ich denn die chinesischen Worte dafür hätte. Ich halte mich an die Aussagen der deutschen Nachrichten, die sagen, es sei nicht sehr gefährlich. Außerdem mag ich es nicht, eine Maske zu tragen.
Ein neuer Trend, der auch zu der Hysterie passt, ist das Einschweißen von Lebensmitteln. Am Fleischstand mag es ja noch sinnvoll sein, bei Gemüse bin ich nicht so sicher. Dabei sind wir gerade dabei, die Verwendung von Plastiktüten auf das absolut notwendige Maß zu reduzieren. Wird wieder schwerer.
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Einer konnte entwischen:
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Andere Supermärkte, die vorher zur Selbstbedienung waren, sind jetzt auf Glastheke umgestellt worden und man kommt nur noch an die Ware, wenn man sich in die Schlange stellt und das Gewünschte ordert.
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Schöne neue Welt.

Der Schuster macht um diese Zeit immer Urlaub.
Der Schuster macht Urlaub

Der Eingang zur WangFuJing, dem Einkaufsboulevard Pekings. Tote Hose würde ich sagen.
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DongZhiMen an der U-Bahn-Station. Als bedeutender Verkehrsknotenpunkt sieht er ziemlich verwaist aus. Ab und zu fährt mal ein Auto.
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Geschmückt ist überall schön. Durch den leichten Smog kommt das Rot besonders gut zur Geltung.
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Die NanLuoGuXiang quillt normalerweise auch nur so über von Menschen.
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Der HouHai-See ist auch nicht zum Eisvergnügen freigegeben. Das war vorgestern noch anders.
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Auch in den Hutongs ist nicht viel los.
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Hier kann man sehen, was mit Verkehrssündern gemacht wird: Die Nummernschilder werden reihum als abschreckendes Beispiel auf LED-Tafeln angezeigt. Immerhin sind es keine abgeschlagenen Köpfe auf Fahnenmasten. Das Virus macht dem Staat natürlich einen gehörigen Strich durch die Rechnung: alle tragen Masken, also sind die Gesichtserkennungskameras zur Zeit wertlos.
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Ich bin heute auch noch zum Verbotenen Platz gefahren. Das Parlament liegt auf der Westseite.
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Ah, Peking ist doch nicht von der Grünen Wolke heimgesucht worden.
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Das TianAnMen und die Verbotene Stadt und auch einige Mauerabschnitte sind für Touristen geschlossen.
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Grounded – Hausarrest

Dieser blöde Corona-Virus. Da will man mal im ruhigen Peking ein paar schöne Tage verbringen, denn nur an Chinese New Year ist es hier so schön menschenleer, da kommt diese Krankheit aus Wuhan um die Ecke.
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Wir sind zwar nicht in Quarantäne so wie die inzwischen über 60 Millionen Menschen in der Provins Hubei, aber es fühlt sich ein bisschen so an. Es geht fast kein Mensch mehr ohne Maske aus dem Haus. Tempelmärkte sind abgesagt. Museen geschlossen. Wir können froh sein, dass noch Geschäfte des täglichen Bedarfs offen sind. Hausarrest im Paradies.
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Seit der Virus nach Silvester ausbrach, sind wir wenig beunruhigt gewesen, denn allein in Deutschland sterben an der Grippekrankheit jedes Jahr 20.000 Menschen. Aktuell sind es in China knapp 50, die durch Corona den Tod gefunden haben. Aber China ist insofern natürlich besonders, weil so viele Menschen auf einem Fleck leben. Die Reiselust der Chinesen ist auch ein Problem. Die chinesischen Behörden reagierten gegenüber 2002 mit dem SARS-Virus rasend schnell und wie in den Nachrichten zu lesen ist, bauen sie bereits das 2. Krankenhaus in der Rekordzeit von 14 Tagen.

Die Verwandte eines Kollegen von Steffi arbeitet in Wuhan in dem Krankenhaus, in dem die meisten Infizierte behandelt werden. Als das Virus bekannt wurde, verließen alle Ayis, die Reinigungskräfte und sonstigen Helfer ihren Arbeitsplatz. Seitdem müssen die Verwaltungsmitarbeiter im Krankenhaus wohnen und dort auch Dienst am Patienten tun.

Die Chinesen haben eigentlich Glück, dass gerade nationale Feiertage sind. Das ganze Land ist sowieso im Ausnahmezustand und die wenigsten müssen arbeiten. Aber in 10 Tagen ist der Zustand wieder vorbei – was dann? Die Krankheit ist dann bestimmt noch nicht besiegt.
Ich selber leide abkliingend seit unserem Myanmar-Urlaub an einer Erkältung und muss noch oft husten. Auch mein Sohn quält sich noch etwas damit. In der Öffentlichkeit trauen wir uns schon nicht mehr, uns zu räuspern, damit wir nicht von maskierten Gesichtern böse angeschaut werden.
Wir können nur hoffen, dass das Virus möglichst schnell ausgerottet wird, selbst wenn wir nicht in Gefahr sind, daran zu erkranken.

Meine Besten von 2019 auf Film

Wer mich kennt, weiß, dass ich gelegentlich (viel zu selten) auf Film fotografiere. Zum Glück gibt es in Peking einen kleinen Laden, in dem ich meine Farb- und SW-Filme abgeben kann und sie entwickelt und gescannt nach ein paar Tagen wiederbekomme. Ist mit ca. 5 Euro pro Film einiges günstiger als in Deutschland.
Ich zeig jetzt meine liebsten Fotos mal monatsweise.
Januar:
Ich war im Winter auf dem zur Zeit leider zur Baustelle gewordenen LiangMaHe-Kanal regelmäßig zum Schlittschuhlaufen. Nach einigen Tagen wurde ich schon immer gefragt, wo ich denn am Tag vorher gewesen sei, als ich nicht da war.
(Das erinnert mich daran, dass das Wetter das wieder zulässt und ich mal wieder im Schrank nach den Schlittschuhen suchen muss.)
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Nikon FM2 mit 28mm/2.8 auf Fujifilm C200

Februar:
Das war im Markt, wo wir immer Gemüse und Obst einkaufen. Es war aber nicht der Honigstand, an dem ich Winnie Pooh getroffen habe.
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Leica M4 mit Zeiss Biogon 35mm/2.0 auf Fujifilm C200

März:
Die Auslagen der Konditoreien sehen immer ganz toll und lecker aus. Leider schmecken die wunderschön zurechtgemachten Torten nicht so gut.
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Leica M4 mit Zeiss Biogon 35mm/2.0 auf Kodak TMax100

April:
Dies Bild ist zwar alles andere als scharf und auch nicht richtig belichtet, aber ich finde, als Bild einer Teezeremonie kommt es ganz gut rüber.Ich hatte den Fehler gemacht, die Klappe der Leica nicht zu schließen und machte die ersten drei Bilder mit Lichteinfall von der Seite. Passiert mir nicht wieder. Oder vielleicht sollte es?
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Leica M4 mit Zeiss Biogon 35mm/2.0 auf Fujifilm C200

Mai:
Ich weiß nicht, ob das wirklich im Mai war, aber zumindest waren noch keine Ferien, denn so müde sind die Schüler dann nicht.
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Leica M4 mit Zeiss Biogon 35mm/2.0 auf Fujifilm C200

Juni:
Neuerdings gibt es Hüte, an denen Ohren dran sind, die man mit Blasebälgen aufrichten kann. Am Himmelstempelpark.
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Leica M4 mit Zeiss Planar 50mm/2.0 auf Fomapan100

Juli:
Das Bild hier hab ich nicht selbst gemacht, aber den Apparat eingestellt und Niklas den Auslöser gezeigt. Auf dem Deich der Krückaumündung.
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Leica M4 mit Zeiss Planar 50mm/2.0 auf Fujifilm C200

August:
Wenn Frauen oder Männer Hand in Hand oder Arm in Arm durch die Straßen laufen, heißt das nicht, dass sie lesbisch oder schwul sind.
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Leica M4 mit Zeiss Biogon 35mm/2.0 auf Fujifilm C200

September:
Im Lama Tempel gibt es einen Thron mit Wachsfigur, an dessen Ausgang ein Spiegel hängt. Wahrscheinlich wehrt er böse Geister ab.
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Leica M4 mit Zeiss Biogon 35mm/2.0 auf Fomapan100

Oktober:
Bei einer unserer Wanderungen waren wir an einem See zum Baden, als diese Ziegenherde vorbeikam.
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YashicaMat124G auf Kodak Ektar100

November:
Als ich mit nach Japan durfte und in Tokyo herumgewandert bin.
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Leica M4 mit Minolta M-Rokkor 40mm/2.0 auf Kodak TriX400

Dezember:
In Bago/Myanmar bei der größten Pagode des Landes. Die Schatten sind für SW gut, aber eigentlich ist das ein Land für Farbfilme.
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Leica M4 mit mit Minolta M-Rokkor 40mm/2.0 auf Fomapan

In diesem Jahr will ich noch mehr auf Film fotografieren, weil es einfach mehr Spaß macht. Die Bilder werden vielleicht nicht so gut, aber manchmal ist das auch egal. Was zählt, ist die Erinnerung an den Moment.

Myanmar 2.0 #1, Müll und Gold

Dieses Land lässt uns nicht los: Myanmar ist magisch.
Dieses Mal ist es ein Urlaub zur Familienzusammenführung, diesmal sind wir sogar zu sechst, weil Martje´s Freund Mo dabei ist.
Wir treffen uns in Yangon, wo wir wieder im selben Sky View Hotel wie im letzten Jahr 2 Nächte bleiben.
Am nächsten Tag wollen wir noch mal mit der Circle Line fahren, leider hat die Bahn den Betrieb eingestellt. So können wir nur eine Stunde in Richtung Westen fahren und dann wieder zurück. Auf der Fahrt lernen wir Htoo Htoo kennen, der ein ausgezeichnetes Englisch spricht und seit 3 Jahren als Reiseleiter arbeitet. Hier ist er auf Facebook zu finden.
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Auf dem Bahnhof kann jeder sein Telefon laden. Seit 5 Jahren gibt es bezahlbares mobiles Internet und selbst Mönche laufen damit herum. Ich hab aber keine Bettler mit Smartphone gesehen. Das Bezahlen per Telefon ist hier auch noch nicht wirklich eingeführt.
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Am folgenden Morgen stehen wir schon um 4 Uhr auf, um rechtzeitig zum Sonnenaufgang auf der Shwedagon-Pagode sein zu können.
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Es ist ruhig und noch leer, erst langsam füllt sich der Platz um die Hauptpagode mit Menschen, die das Morgengebet sprechen wollen.
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Am Abend gehen wir auf den Nachtmarkt an der Pagode, wo Karussels und Wurfbuden auf Kunden warten. Auch Mönche sind ganz versessen darauf, etwas zu gewinnen.
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Auch wenn die Stadt sich an Stellen modern gibt und man die meisten Dinge des täglichen Bedarfs bekommt, ist es keine weit entwickelte Stadt. Besonders abends sieht man in den Abwasserkanälen überall Ratten und Kakerlaken. Die Leute schmeißen ihren Dreck aber leider auch alle einfach auf die Straße. Die Regierung versucht mit Plakatwerbung das Bewusstsein zu schärfen, aber bis das wirklich greift, dauert es bestimmt noch ewig. Es gibt eine Müllabfuhr, aber die Straßenränder sind trotzdem voller Abfälle.
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Das Erbe der Kolonialzeit ist downtown noch besonders gut zu spüren.
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Das religiöse Leben ist wie selbstverständlich in den Tagesablauf integriert. Mönche und Nonnen laufen von Geschäft zu Geschäft, um Reis und Geld zu erbetteln. Opfergaben liegen auf den Gehsteigen und fast jeder Baum, der etwas besonders aussieht, hat einen Minialtar.
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Manche sind sogar golden angemalt. Die spinnen, die Burmesen.
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Fahrräder haben in der Regel kein Licht. Wozu auch, wenn man mit Buddha fährt?
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Geschichtenbilder

Manchmal gibt es Bilder, bei denen man sich fragt, wie sie zustande gekommen sind. Oder was dahinter steckt. Vielleicht ist es dabei egal, ob die Frage beantwortet wird. Wenn es darum geht, ein Bild als gut oder schlecht zu beurteilen, gehe ich davon aus, dass ein Foto, das ich länger als eine Sekunde anschaue, erstmal gut sein könnte.
Ein paar davon will ich hier zeigen.
Teddy resigniert angesichts des ganzen Plastikbandes.
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Noch ein Teddy:
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Ob der Wertstoffsammler das Buch im Müll gefunden oder von Zuhause mitgebracht hat? Normalerweise liest jeder nur noch auf dem Smartphone.
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Dass sie liest, bezweifle ich. Selbst Erwachsene benutzen ihr Smartphone unterwegs meistens zum Spielen. Oder zum Bestellen bei TaoBao.
Jeden Tag werden Millionen Kinder von ihren Großeltern von der Schule abgeholt und eventuell noch zu ihren After-School-Kursen gefahren.
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Mit einem Auto ist das nicht so einfach.
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Wenn der Gehweg noch nicht fertig ist, aber das Mittagessen schon.
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Die Türschlösser der Dreiradtaxis sind nicht so gut, dass sie nicht manchmal aufgehen. Plastikflaschen sind perfekte Riegel, so scheint es.
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Diese Meisen müssen gute Ausbrecher sein, wenn sie in zwei Käfigen eingesperrt sein müssen, oder?
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Sollte es nicht eigentlich wie diese Zigarettenmarke heißen?
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Woher wusste sie das?
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So doll hat es lange nicht mehr geregnet.
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Dreiräder transportiert man mit Dreirädern.
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Wieviele Grillen sind hier vereinzelt gesammelt?
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Ich hab mal irgendwo gelesen, wenn eine 7 im Bild auszumachen ist, ist das ein Garant für ein gutes Foto. Achtet mal drauf.
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Ich hab nicht den geringsten Schimmer, was das soll.
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Wenn Gullideckel lose liegen, kann man schon mal in das Loch hineinfahren.
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Was ich immer wieder beobachte: Wenn jemand angefahren wird, bleibt er in GENAU der Position liegen oder sitzen, bis ein Polizist gekommen ist und den Unfall aufnimmt. Selbst im tiefsten Winter. Ich weiß nicht, ob es eine Regelung bei Autoversicherungen gibt, weswegen die Angefahrenen das so machen. – Wieder eine Sieben zu sehen übrigens.
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Immer wieder Hutongs

Hutongs haben es uns allen angetan. Die kleinen Gassen, in denen die meisten Häuser keine sanitären Enrichtungen haben außer vielleicht einen Wasserhahn, ziehen einen magisch an. Wie auch nicht, geben sie uns doch einen Einblick in das Leben von vor 50 Jahren oder mehr. Sicher haben auch hier Smartphones Einzug gehalten, aber wichtig ist etwas anderes. Zusammenleben.
Zuletzt habe ich die Hutongs nordöstlich des Himmelstempels „entdeckt“. Wenn man so mit dem Fahrrad hier herumfährt, kann man sich durchaus verfahren. Man findet immer auch wieder heraus, denn das Gebiet, das zwischen 20- und mehrstöckigen Häusern liegt, ist nicht riesig, und die Himmelsrichtung verliert man durch den zumeist rechtwinkligen Straßenaufbau auch nicht so leicht.
Im Stadtentwicklungsmuseum kann man erahnen, wie viele dieser niedrigen Bauten es im Innenstadtbereich noch gibt. Viele werden abgerissen und originalgetreu wieder aufgebaut. Der orangerote Teil ist die Verbotene Stadt, das Zentrum Beijings.
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Man muss sich wundern, wie viele Autos in diesen schmalen Gassen noch Platz finden. Ich würde jedenfalls nicht gerne hier einparken müssen. Man ist mit einem elektroberiebenem Dreirad meist besser bedient.
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Hier ein Bild aus dem WuDaoYing-Hutong von vor zwei Jahren.
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Die Leute hier machen es sich schon ganz nett. Überall gibt es kleine Gärten, Sitzecken oder Taubenställe.
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Die Farbe Grau muss man allerdings mögen.
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Ein anderer Hutong, den viele gar nicht kennen, liegt unweit der Deutschen Schule hinter der Amerikanischen Botschaft. An einem See gelegen, wo man für 40 RMB einen Platz zum Angeln mieten kann, liegt ein zur westlichen Lebensart krass gegenteiliger Wohnort. Teile davon werden schon seit einiger Zeit abgerissen. Es ist nur noch eine Frage von einigen Jahren, bis es das hier nicht mehr geben wird.
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Wie gesagt, ein großer Teil des Lebens findet draußen statt.
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Hutong an der DSP

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Die Menschen sind in der Regel freundlich und versuchen auch schon mal, ihren Unmut über die Stadtverwaltung oder die Regierung mit uns zu teilen. Leider komme ich mangels Sprachfertigkeiten nicht in tiefere Gesprächsgewässer. Hier wurde mir Opa gezeigt, der grade beim Essen einer Suppe mit Plastikschürze beschäftigt war.
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Vogelkäfige im Park

In der Nähe gibt es einen Park, in dem regelmäßig am Wochenende alte Männer sich treffen, um über ihre Vögel zu reden, Futter und Käfige zu kaufen und zu rauchen.
Ich habe auch schon einmal einen Käfig hier gekauft, allerdings als Andenken, nicht um einen Vogel hier einzusperren.

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Die Vögel tun mir leid. Ich nehme an, dass die meisten in der Wildnis gefangen werden. Aber singen können sie wirklich schön.
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Der Vogelliebhaber wandert mit seinem Käfig diesen wild schaukelnd zum Park und zurück. Dies Bild ist aus dem DitanPark. Das soll auch nur zeigen, dass man sie in der ganzen Stadt findet.
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An der Sanyuanqiao-Brücke treffen sich auch jeden Morgen Vogelfreunde.
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Diese Vögel hier sind gleich doppelt gefangen.
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Beim letzten Mal, als ich im Park war, hatte auch ein Zahnarzt seinen Stuhl dort aufgeschlagen. Ich wusste gar nicht, dass es noch Leute in Beijing gibt, die sich solchen Experten auf der Strße anvertrauen.
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In der Hauptsache repariert er Prothesen.
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70 Jahre VR China

Am 1. Oktober ist der Jahrestag der Gründung der VR China. Alle fünf Jahre wird das Ereignis groß gefeiert. Richtig groß. Selbstverständlich wollten wir auch die Parade sehen. Also begaben wir uns zu dritt auf Fahrrädern frühmorgens Richtung Verbotenem Platz (ja, ich weiß, der heißt nicht so).
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Seit langem sind die Straßen bewacht, die Teilnehmer trainieren seit Wochen für die Feier; Soldaten berichteten, sie hätten sogar Erwachsenenwindeln bekommen, weil sie kaum Zeit haben, aufs Klo zu gehen. Von Schlafen sei schon kaum noch die Rede.
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Wir kamen nicht mal nah ran. Zwei Straßen vorher war schon alles abgesperrt. Das ging auch anderen Leuten so. Nicht mal der Müllmann wurde durchgelassen. Wahrscheinlich war es auch nicht schmutzig, wo er fegen wollte.
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Immerhin konnten wir sehen, wie die Teilnehmer zu ihrem Startplatz gingen und später rannten. Aus den U-Bahnhöfen strömten endlose Schlangen von Trainingsanzug tragenden Menschen. Tüten in der Hand mit Utensilien zum Schwenken.
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In China Fahnenhersteller zu sein ist meines Erachtens der sicherste Job, den man haben kann. Die Straßen sind überall mit reichlich Flaggen geschmückt. Wer keine Fahne hängen hat, wird von den Nachbarn freundlich auf den Missstand hingewiesen.
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100.000 Leute halfen dabei, Herrn Xi eine schöne Feier zu bereiten. Die tollen Waffensysteme sahen wir nur von fern. Durfte ich nicht fotografieren.
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Die Straßen sahen wir nie so leer.
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Es ist wahrscheinlich wie in Köln beim Rosenmontagszug. Am besten sieht man alles im Fernsehen. Es war trotzdem toll, dort zu sein, weil die Stimmung klasse war. Fast alle haben gute Laune und genießen die freien Tage.

Wie verbringt man 10 Tage in Beijing?

Was kann man alles sehen, wenn man nur 10 Tage in Beijing zur Verfügung hat? Reicht es für die meisten Sehenswürdigkeiten aus?
Ich weiß, dass japanische Touristen in 10 bis 14 Tagen ganz Europa bereisen und damit ganz zufrieden sind. Beijing ist dagegen ja klein, auch wenn dessen Bevölkerungszahl immerhin 1/30 von Europa beträgt. Wieviel kann man nun schaffen, wenn man bei einer Familie wohnt, die schon 6 Jahre in Beijing lebt? So, dass man es trotzdem noch als Urlaub erlebt und nicht als Hetzerei?
Tag 1:
Wieder einmal verstehe ich am Flughafen nicht, warum der Wartebereich immer in Milchglas ausgeführt ist, so dass man nicht frühzeitig sehen kann, wer kommt.
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Angekommen morgens um 9 darf man sich nicht verleiten lassen, sich ein wenig auf dem Bett auszuruhen, weil man dann womöglich den Tag verschläft und die Nacht über wach durch die Wohnung tigert. Also nach der obligatorischen Anmeldung bei der Polizei, die ich diesmal in etwas einer Stunde rekordverdächtig schnell erledigte, kann ich mit den Gästen die nähere Umgebung zu Fuß erkunden.
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Jedes chinesische Kaufhaus hat im Dachgeschoss oder im Keller einen Imbissbereich, wo man sich aus einer Vielzahl von Essensvarianten seinen persönlichen Liebling aussuchen kann.
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Danach fahren wir mit dem Bus zum 798, dem zu einem Kunst/Kommerzgebiet umgewandeltes Indutriegelände, auf dem einst Radiobauteile gefertigt wurden.
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Auch für mich ist es nie langweilig, hier durchzulaufen, weil sich immer etwas neues finden lässt. Hier haben uns die riesenhaften Fotos von Leila Alaoui aus ihrer marokkanischen Heimat beeindruckt.
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Tag 2:
Der beste Einstieg in das noch unbekannte Peking ist ein Besuch in der Beijing Planning Exhibition Hall, die in den meisten Reiseführern nur erwähnt wird.
Hier hatte ich vor Jahren schon mal meine Begeisterung geteilt. man bekommt gut einen Überblick über die Riesenhaftigkeit der Stadt und sieht gut, wie sie organisiert ist. Für mich immer fast die erste Attraktion mit Neuankömmlingen.
Danach geht es durch die QianmenDaJie, die Dashilar und die LiuLiCheng, ein zwar renoviertes, aber in Teilen noch ursprüngliches Gebiet südlich des Verbotenen Platzes.
Dashilar Seitenstraße
Der letzte Punkt ist das National Center for Performing Arts, das von Wasser umgebene Ei, in dem Opern und Konzerte stattfinden. Manchmal kann man es von innen besichtigen, ohne eine Veranstaltung zu besuchen. Das Glück hatten wir nicht.
Am Abend ging es zur Feier anlässlich der Deutschen Einheit.
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Tag 3:
Diesen Tag verbringen unsere Gäste alleine. Die Verbotene Stadt schließt für die Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag. Ich kann gerade noch morgens Eintritts-Karten online für den letzten Tag ergattern.
Am Abend die Besichtigung der Deutschen Schule bei der Lesung von zwei Titanic-Redakteuren.

Tag 4+5:
Wir fahren mit einem Taxi nach HuangHuaCheng, genau genommen nach XiShuiYu, wo wir in dem kleinen Gasthaus DeRunJu 3 Zimmer belegen. Der Park, in dem sich einige Mauerabschnitte befinden, ist ganz neu ausgebaut und für das 70jährige Bestehen der Volksrepublik herausgeputzt worden.
XiShuiYu
Am Abend sitzen die Gäste auf der Dachterrasse und singen Karaoke.
Karaoke an der Mauer
Morgens ruft uns der Tofu-Mann aus dem Bett.
Der Doufu-Mann
Auf der Mauer ist es voll. Viele Gruppen haben hier ihre Treffen und müssen Aufgaben bewältigen.
Teambuilding
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Teambuilding3
Die Mauerlandschaft sieht in jedem Licht gut aus.
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Es gibt einiges Skurriles zu sehen und zu hören. Die Schreie, die durch die Landschaft gellen, sind von Leuten, die für eine überdimensionale Trompete eine App bemühen und damit, je nachdem wie laut und wie lange sie hier hereinschreien, eine Fontäne im See in die Höhe zu treiben. Das war es dann mit der Ruhe im Paradies.
Trompete treibt Fontäne an
Die Mauer besetzt den Bergkamm wie ein Drache.
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Im Ort hat neben der Tradition auch Innovation einen Platz.
Roboter
Das Wichtigste bleibt jedoch der Mensch. Selten hatten wir so aufmerksame Gastgeber wie in unserer Unterkunft.
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Das Wetter blieb die ganzen Tage gut. Wir essen ja auch immer alles auf.
Aufgegessen

Tag 6:
Weil Brillen in Peking unschlagbar günstig sind und eine Ersatzbrille schnell (3 Tage für eine Gleitsichtbrille) gemacht ist, begeben wir uns mit Fahrrädern zum PanJiaYuan. Dort ist das Brillenzentrum Beijings und ganz in der Nähe ein Trödelmarkt.
Auch hier ist schwer geschmückt.
Fahnen
Serien-Ölbilder kann man für ca. 30 Euro erstehen. Wahrscheinlich kann man den Preis noch drücken.
Bilder in Öl
Und Maoplastiken allerorten in Plasig und hinter Glas.
Mao in Alabaster und Plastik
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Hmm.
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Im 80.Stock im CBD.
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Tag 7:
Ein Tag im Lama-Tempel und den Hutongs.
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Gerade ist die Gegend um den Lamatempel renoviert worden mit breiten Bürgersteigen und neuen Fassaden.
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Mittags esen wir im Dali-Restaurant. Hier gibt es gutes Essen ohne Speisekarte. Einfach überraschen lassen.
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Danach schauen wir uns die Hockney-Ausstellung im XiaoLiang-Hutong an. Sie ist mit fast 25 Euro zwar ziemlich teuer, aber eine Jahreskarte ist nur unwesentlich teurer. So können wir noch öfter im MWoods-Museum kucken gehen. Er hat sich auch mit der Verbotenen Stadt beschäftigt.
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Tag 8:
Einen ganzen Tag kann man im Himmelstempel verbringen. Inklusive Tennis-Spielen.
Und zuschauen wie andere Sport machen.
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Himmelstempel

Tag 9:
Ein Ausflug ins CAFAM, das Museum der Kunsthochschule ist immer interessant, allein schon wegen des Gebäudes.
Die Kunst ist natürlich auch ganz schön.
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Tag 10:
Abflug. Zaijian!

Das war es, was in 10 Tagen in etwa machbar ist. Besuch ist für mich immer ein Ansporn, die Stadt noch besser kennenzulernen. Beijing ist nie langweilig.
Um die Frage am Anfang zu beantworten: Nein, 10 Tage reichen nicht.

Garten-Expo in Yanqing

Im April kam Frau Klöckner in die Stadt, um die Garten-EXPO im Deutschen Pavillon zu eröfffnen.
Ich wurde gefragt, ob ich die offiziellen Fotos machen könnte. Da sagt man ja nicht nein und freut sich über ein kleines Zubrot.
Jetzt sind sie online und hier anschaubar:
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expo2019 (1465_chen)
expo2019 (1019_oton)
Man mag ja politisch über Julia Klöckner denken, was man will, aber sie tritt professionell auf. Sie begrüßt auch den geringsten Mitarbeiter mit Handschlag.
Hier sind noch mehr Bilder.