echt.jut

Feb 182019
 

Ich merke, dass die Welt um mich sich verändert. Oder werde ich selber anders? Wahrscheinlich beides.
Es fing vor über einem Jahr an, als die Stadtverwaltung beschied, dass in Peking zu viele Menschen leben und veranlasste, dass alle kleinen Geschäfte weichen müssen. Die in der Stadt befindlichen Großmärkte, auf denen auch Normalsterbliche wie wir unsere Bedürfnisse befriedigen können, wurden weggemacht. Über Nacht wurden auch kleine Geschäfte abgerissen, zurückgebaut, aus Türen Fenster gemacht, Suppenküchen auf der Straße entfernt, Geschäftsexistenzen vernichtet. Wer findig war und Glück hatte, kann mit einem Fenstergeschäft überleben. Das grüne Tongefäß ist übrigens eine Rattengiftfalle, ihr wisst schon, was ich meine.
stuhl

Nicht nur der Mal- und Büroartikelmarkt, auch der Seiden- und Stoffmarkt, wo ich einige Male war, wurde ausgelagert und auf grüner Wiese neben dem Schuhmarkt fast identisch wieder aufgebaut. Im September fuhren Steffi und ich hin, um nach Stoff für ein Kleid zu schauen. Hier ist so gut wie nichts los, vielleicht weil man mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht hinkommt.
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Überhaupt wird fast alles ins Internet ausgelagert; ob das gut ist oder nicht, weiß ich nicht. Man hört ja, dass LKW die neuen Lagerhallen sind.
Nun, wer das Besondere sucht, wird im Internet vermutlich leichter fündig.
Ohne Smartphone kann man jedenfalls kaum noch leben. Es gibt bereits Läden, wo man nicht mehr bar bezahlen kann. Gut, wenn man Kinder hat, die einem zeigen, wie das geht.
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Bei IKEA stand ich letztens in der Schlange und wollte ein Hotdog kaufen, nur um an der Essensausgabe festzustellen, dass die Kasse davor gar nicht existierte. Wer am Automaten nicht unbar bezahlt hatte und daher keine Quittung mitbringt, hat wenigstens noch die Möglichkeit, an einem anderen Ausgabetresen mit Geld zu zahlen und doch satt zu werden.
IKEA Terminal Sweden

IKEA Cash only

Lippenstifte können neuerdings auch im Automaten gekauft werden.
Another LipstickATM

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Und Milcherzeugnisse.
Milchautomat

Sogar die Restaurants werden irgendwie klinisch. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Roboter bedienen.
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Außerdem ist seit einem Jahr eine Schranke am Eingang zu unserem Compound installiert, an dem wir nicht nur um herein- sondern auch herauszukommen, eine Karte über ein Lesegerät halten müssen. Jedes Mal rege ich mich auf, weil das Ding nicht zuverlässig funktioniert. Dass es überhaupt da ist, finde ich eine Frechheit. Wenn ich zu Fuß bin, steige ich manchmal einfach über die Absperrung, was mir vernichtende Blicke der zuständigen Wachmänner einbringt. Überhaupt wird sich hier irgendwann noch mal totgewacht. Ich verstehe auch, dass es darum geht, die Leute beschäftigt zu halten. So gibt es in China kaum Bettler. Jeder hat was zu tun, und wenn es nur Herumstehen ist.
Wachmann

…oder Sitzen…
Wachen

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Auf der Straße wird man schon ziemlich gelenkt, was auch damit zu tun hat, dass oft mal gegen den Strom gefahren wird, was selbstverständlich gefährlich ist. Aber manchmal ist es etwas zu viel.
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Das Dolle ist, dass die meisten Chinesen die Kontrolle, die sie ja bereits seit dem Kindergarten kennen, gar nicht mal stört. Im Gegenteil, unsere Absperrung finden die meisten ganz gut, weil es angeblich zur Sicherheit beiträgt. Die Frage nach Datenschutz stellen sich, glaube ich, die wenigsten, wenn es um das bequeme Bezahlen geht. Ich bin damals, als in Deutschland die große Volkszählung anstand, dagegen gewesen und hab auf irgendeiner Liste gegen die Datensammelwut des Staates protestiert.
Aus heutiger Sicht ist „der Staat“ vielleicht noch nicht mal der schlimmste Datensammler. Ich gebe zu, meine Einstellung ist inzwischen auch etwas lockerer geworden. Ich habe schon mal meine Geldbörse vergessen und dann eben mit WeChat oder Alipay bezahlt. Ist doch praktisch. Ich möchte natürlich nicht, dass jemand meine Bankdaten abgreift und dann mein/unser Konto leerräumt, aber ich möchte auch nicht mehr auf Google Search, Gmail, Gooogle Photos und Drive verzichten. Oder WeChatPay. Obwohl ich damit bestimmt klar käme. Menschen sind nun mal anpassungsfähig.
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 18. Februar 2019  Kommentare deaktiviert für Vorbei mit lustig
Feb 062019
 

Natürlich kann man in Beijing skilaufen. Schließlich sind 2022 hier die Olympischen Winterspiele angekündigt.
Leider schneit es im Winter nie (an ein – zwei Tagen vielleicht doch). Da es kalt ist, lohnt es sich, Wasserdampf in die Luft zu pusten und auf dem entstandenen Kunstschnee Sport zu treiben. Das Skigebiet von Nanshan ist nicht groß und es gibt nur eine „schwarze“ Piste, aber es ist nur etwa eine Stunde Busfahrt entfernt.
Daher ist nur an einigen Stellen weiß.

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Es war etwas schwierig, hinzukommen. Da wir mit dem Shuttlebus fahren wollten, wie in den Jahren davor, rief ich die altbekannte Nummer an. Ich gab an, mit dem Bus fahren zu wollen und dass ich Skitickets vorbestellen wollte. Leider wurde das nicht an den Busbegleiter weitergegeben, so dass wir an der Haltestelle glatt stehengelassen wurden. Am nächsten Tag klappte es besser. Ich hatte noch versucht, per Wechat Karten zu bestellen, aber selbst das konnte ich nicht, weil die App, auf die auf der englischen Internetseite hingewiesen wird, nur auf Chinesisch ist. Der einzigen englischsprachigen Mitarbeiterin war die verschusselte Bestellung unangenehm und sie versicherte mir, dass es diesmal klappen würde. Wenn ich keine Bezahlung per Smartphone tätigen hätte können, wäre es allerdings schwierig geworden. Es gibt etliche Läden in China, wo sich nur noch unbar bezahlen lässt.
Daher kann man auch fast überall an öffentlichen Plätzen sein Telefon laden.
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Dank Chinesischem Neujahr waren die Pisten nicht sehr voll.
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Die schwarze Piste:
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Mittags gibt es Tütensuppe. Heißes Wasser bekommt man in China fast überall umsonst.
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Und dann schnell wieder auf die Piste, St. Vader!
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Seit einigen Jahren erfreut sich Snowboardfahren zunehmender Beliebtheit. Weil man ungern auf den Hintern fällt und sich am Steiß was wehtut, sind Pokissen in Mode gekommen. Anbei ein paar Beispiele.
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Spongebob war am einfallsreichsten.
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Denn Kniekissen runden das Gesamtpakekt ab.
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Dies hab ich auf der Piste nicht gesehen:
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Man kann in China einfach alles tragen, ohne groß aufzufallen.

Feb 022019
 

Wie jedes Jahr machen sich Millionen Chinesen auf in ihre Heimat, um Freunde und vor allem Familie zu treffen. Es ist wie in Deutschland Weihnachten.
Die Fahrkarten für Flüge steigen in dieser Zeit auf den doppelten Preis. Nicht allein aus diesem Grund bleiben wir in Peking. Es ist nämlich auch relativ ruhig, die Leute sind entspannt und die Sehenswürdigkeiten sind wegen der vielen Urlauber sehenswerter.

An Türen und Säulen und Fenster werden Glückssymbole gehängt.
sleep is a nice companion

Natürlich macht man sich Geschenke, Angestellte und Kinder bekommen Rote Umschläge mit Geld.
Gold

Rot müssen die Geschenke sein. Daher sind Kisten mit Erdbeeren oder Äpfel besonders beliebt. Diese Riesenäpfel schenkt man dem Chef oder dem/r Liebsten. Immerhin kostet EINER umgerechnet etwa 25 EURO.
198 Kuai-Äpfel

Wenn kein Kosmetikshop mehr geöffnet ist: Hier gibt es Lippenstift für die Liebste nach Ladenschluss.
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Oder der Paketdienst muss noch schnell was bringen. Auch Klopapier bestellt man heutzutage per Lieferservice.
KuaiDi_Sanluche

„Ich kenn die Adresse!“
Paketdienst "Ich kenn die Adresse!"

Rote Laternen hängen fast überall.
_RoteLampions

Happy Chinese New Year!

 2. Februar 2019  No Responses »
Jan 292019
 

Solange es noch kalt genug ist, kann man auf den Kanälen und Seen herumschliddern.
Auf dem Hohai-See in der Nachbarschaft zur Verbotenen Stadt sind die Eislaufflächen eingezäunt, damit jemand damit Geld verdienen kann und die Sicherheit gewährleistet ist. Jeder wird gezählt und wenn das Eis nicht mehr tragen kann, werden die Pforten dicht gemacht.
In der Nähe zu unserem Zuhause fließt (eigentlich: ruht) der Liangmahe. Auf der einen Seite kann man Schlittschuhlaufen, auf der anderen wird gebadet. Hier kostet es auch nichts, mit den eigenen Schlittschuhen ein paar Runden zu drehen.
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Und geangelt.
Eisangler

Stühle mit Kufen, wie man sie auch auf dem HoHai ausleihen kann, bringen manche Großeltern mit.
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Eisstuhl

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Aber auch kufenlos kann man seinen Spaß haben.
Eisstuhl

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Viele kommen mit professionellem Equipment und können auch noch damit umgehen.
schlittschuhlaufen

Wer so ein Dreirad sein Eigen nennen kann, hat alles dabei. Nach dem Training geht es wieder in die Kiste zum Teetrinken und Aufwärmen.
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Sehleute:
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hund

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So jetzt muss ich noch mal schnell los, bevor das Wetter zu warm wird.

 29. Januar 2019  No Responses »
Jan 202019
 

Was ich in Myanmar auf dem Boden fand:
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Ich mag Hunde ja nicht, aber wenn sie so still auf dem Boden liegen und mich nicht abschlecken, kuck ich sie mir ganz gerne mal an. Ist ja wie bei Menschen: keiner sieht dem Anderen ähnlich. Und so einen Hundetraum würde ich gern einmal sehen.

 20. Januar 2019  No Responses »
Jan 192019
 

Wir waren auch in Mandalay nur 3 Nächte. Lag es daran, dass unser Urlaub zu Ende ging, dass wir uns an Myanmar nicht satt sehen konnten?

In unmittelbarer Nähe zu unserem Hotel gibt es ein Geschäft, in dem auch die Prinzessin von Thailand regelmäßig einkauft. Dort gibt es Flipflops in allen möglichen Farben und Varianten. Mit Plüsch ist grade ganz in Mode.
flipflop_high
Und hier werden sie gemacht:
Flipflopfabrik3
Flipflopfabrik
Flipflopfabrik

Rechts der Stoffverkauf, links die Schneiderei.
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Die benachbarten Verkäuferinnen kommen helfen.
Schneiderei_SQ

Wie Peking auch hat Mandalay aus vergangener Zeit einen Palast mitten in der Stadt, der von einem Wassergraben umgeben ist.
Pano_Palastgraben

Palast

Jan Ingmar versuchte, am Südeingang hineinzukommen, war aber nicht erfolgreich.
will rein

Der Palast selber ist nicht sehr groß, aber das von Wasser umgebene Gelände ist fast 6-mal größer als die Verbotene Stadt in Beijing. Da wir am Südwestufer starten, müssen wir mehr als 3 km laufen, um zum einzigen für Ausländer zugänglichen Ost-Eingang zu kommen. Dort geben wir einen unserer Pässe ab. Da ein Großteil des Geländes militärisch genutzt wird, darf man nur auf dem eigentlichen Palastgelände fotografieren.
friends

Auf dem eigentlichen Palastgelände stehen die Gebäude dicht an dicht. Erstaunlich ist dabei, dass der ursprüngliche Palast aus der Mitte des 19. Jht. im 2. Weltkrieg komplett zerstört wurde und erst 1989 begonnen wurde, die Anlage originalgetreu wiederaufzubauen. Dabei wurden Blechdächer und Beton verwendet, eine deutsche Denkmalschutzbehörde würde sich im Grabe umdrehen. 1996 war man fertig mit dem Fakepalast.
Quietsch auf Knartsch

Empfang der Großwesire fanden hier statt. (Hätten hier stattgefunden haben können, wenn es das schon gegeben hätte)
SMQ_Thron

Blick ins Nickerchenzimmer:
Palast_innen

muss sein

Ein Turm wie in Bagan lädt zum Blick über die Stadt ein.
palastanlage

Papageien

Mensch, was könnte das für ein schöner Central Park sein, wenn das Militär ginge.
palastview

Auf dem Weg zum Mandalay Hill liegen diese 729 Pagoden, unter denen 1868 eine einheitliche Linie der buddhistischen Lehre verewigt wurde. Daher die Bezeichnung größtes Buch der Welt.
700Pagoden

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700Pagoden4

Vorbei an weiteren wahrscheinlich wichtigen Tempeln entspannen wir in der Kipling-Lounge im Mercure-Hotel, bevor wir uns auf den Aufstieg zum Gipfel machen, um dort dem Sonnenuntergang beizuwohnen.
Yummy - Tauben!

SMQ_Elefant

Unterwegs begegnen wir zahlreichen Mönchen und Nonnen.
Monkin2

Die genau wie alle Kinder in dem Alter weltlichen Verlockungen nicht abgeneigt sind.
Monks

Und sich fit halten wollen.
monks_fussball

monk_kite

Aber nicht nur die Geistlichen sind besser drauf nach ein paar Sit-ups/Klappmessern.
fitness

Hier stellte ich fest, dass meine Holzhackerfähigkeiten schwer abgenommen haben.
holzhacker

Oben erwartet uns eine golden verspiegelte Tempelanlage, in der alle nur auf den Moment warten, dass die Sonne untergeht.
Toppagoda1

Da ist er ja schon fast.
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only one got it right

Der Supermönch und sein Freund.
Supermonk

Mit LED´s sieht alles noch mal so schön aus.
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Myanmar, wir kommen wieder!

 19. Januar 2019  Kommentare deaktiviert für Myanmar #10, Mandalay Pt.2
Jan 192019
 

Mandalay ist gegen Yangon noch mal ein ganzes Stück myanmarischer. Einfacher, weniger westlich und trotzdem mit 1,6 Mio. Einwohnern eine Riesenstadt.
Das myanmarische Essen fanden wir bisher nicht so doll und manche sagen, es sei nach dem philippinischen das schlechteste Essen der Welt. Wir kennen nun noch nicht die ganze Welt, aber wir wollten lieber was an unsere Gaumen Angepasste. Obwohl wir in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs im Kyi Tin Hotel untergebracht waren, mussten wir weit laufen, um ein Restaurant zu finden, das chinesisches und indisches Essen führt. Im Hotel hätten wir es einfach gehabt…
Eiweiss

Auf der Straße und auf den Märkten werden tatsächlich viele Insekten angeboten und ihr wisst, dass ich durchaus manchmal Libellen oder so was esse. Es ist knusprig und schmeckt relativ geschmacksarm. Am ehesten noch wie Hühnchen.
In Myanmar ist Fisch neben Huhn der Haupteiweißlieferant.
Fisch

Bei Tauben bin ich mir nicht sicher. Es gibt jedenfalls reichlich davon.
taubendraht2

Unser erster Ausflug führt uns zur U-Bein-Brücke, der längsten Teakholzbrücke der Welt. Besonders im Gegenlicht sieht sie romantisch aus, auch wenn die Bettler auf der Brücke diese Idylle wieder zunichte machen. Ich hatte schon gelesen, es sei sinnvoll, viel Geld in kleinen Scheinen dabei zu haben.
U Bein Bridge bw
U Bein-Bridge4_bw
U Bein-Bridge8
U Bein-idyll2
U Bein_bettler
Eine Fahrt mit einem Ruderboot, bei der wir den Fährmann baten, es auch mal probieren zu dürfen, war kürzer als vereinbart, aber auch nicht so interessant.
JISMQ

Die Richtung zu halten ist wirklich schwierig.
SMQ_rudert

Die Brücke mag übertrieben hoch erscheinen, aber in der Regenzeit sind diese Gemüsefelder komplett unter Wasser.
U Bein Idylle

In unmittelbarer Nähe gibt es das Kloster Maha Gandar Yone, in dem jeden Morgen kurz vor elf Uhr Hunderte von Mönchen ihre Mahlzeit zu sich nehmen. Es war etwas beschämend, wie viele Touristen das Kloster belagern und die Mönche mit Kameras abschossen. Nun bin ich ja selber Tourist und als Fotograf auch nicht zimperlich, Fremde ungefragt abzulichten, aber es war uns allen zu viel und wir zogen schnell wieder ab.
monk_zoo

Natürlich hab ich trotzdem ein paar Erinnerungsfotos gemacht.
monks

Am Nachmittag laufen wir ohne die Kinder zum Goldschlägerviertel. Dort kann man zusehen, wie aus dünnen Goldklumpen Blattgold hergestellt wird. Wie schon erwähnt, findet man Gold auf fast jedem Tempel und jeder Pagode, von Buddhafiguren ganz zu schweigen.
In Sequenzen von ca. 20 Minuten wird mit einem 3 Kilo schweren Hammer auf die in Leder verpackten und von besonderen aus Bambus hergestellten Papieren getrennten Goldfolien draufgehauen, bis ein Meister sagt, dass es jetzt genug sei.
Goldhauen

Die Zeit wird mit einer Kokosnuss-Schale mit Loch gemessen. Wenn sie untergeht, darf der Goldhauer Pause machen. Obwohl es eine sehr anstrengender Tätigkeit ist, die die Arbeiter früh arbeitsunfähig macht, ist der Beruf des Goldhauers sehr begehrt, da man sehr schnell dem Nirvana nahe kommen kann.
GoldUhr

Der Goldprüfer bei der Arbeit.
Goldzählen

Anschließend werden die dünnen Folien von zarten Frauenhänden auf Format gebracht. Eine faszinierende Tätigkeit, weil der geringste Luftzug das schwere Metall hochweht und von einer kleinen Pinzette wieder eingefangen werden muss, um erneut zu einem Quadrat hinzugefügt zu werden.
Goldschneiden
Goldzählen2

Im Showroom wird auch Aung San Su Kyi in Gold gezeigt.
AungSanSunKyi

Der Mahamuni-Buddha z.B. ist bis auf das Gesicht in den letzten mehr als 100 Jahren so viel vergoldet worden, dass die Schicht an einigen Stellen bis zu 35 cm dick sein soll. Auf jeden Fall ist er im Lauf der Jahre dicker geworden, was die links vom Eingang hängenden Fotos zeigen.
mahamuni buddha

Der Tempel um diese Statue hat uns vielleicht sogar am besten von allen gefallen. Eine Marktstraße führt von Norden aus zu dem Tempelplatz hin und dann muss man einen der vier Wandelgänge gehen, um zum Heiligtum zu gelangen.
Kopftablett

Wie in allen Tempeln gehen wir auch hier barfuß hinein. Es ist aber auch wirklich angenehm, bei den Temperaturen auf den Fliesen zu gehen.
Schuhboxen

Die Decken, die Säulen oberhalb von 2m, alles ist mit Blattgold bedeckt.
sulamani1

Ohne Technik geht es auch hier nicht mehr.
Nische

Den Goldbuddha dürfen nur Männer von nahem anschauen, Frauen müssen hinter einer Absperrung 6-7 m entfernt bleiben. Ich bin zwar näher ran, hab mich aber kurz gehalten, weil ich mich solidarisch zeigen wollte.
Goldbuddha

Die Bronzestatuen abseits des Tempels konnten nur durch Gitter beobachtet werden.
gitter

Es wurde einiges renoviert und im nächsten Jahr erstrahlt der Tempel bestimmt mit noch größerer Eleganz.
flieser
fliesen

 19. Januar 2019  Kommentare deaktiviert für Myanmar #9, Mandalay Pt.1
Jan 182019
 

So viele Eindrücke sind schwer zu verdauen, für die Weiterreise haben wir uns gedacht, wir sollten wieder mal etwas langsamer vorankommen. Was ist langsamer als mit einem Boot unterwegs zu sein. Und so fügt es sich, dass es mehrere Gesellschaften gibt, die die 180 km lange Fahrt von Bagan nach Mandalay (und zurück) auf einem Boot, man kann vielleicht schon von Schiff sprechen, anbieten.
Eigentlich waren wir schon entschlossen, mit dem Bus zu fahren, aber dann lasen wir diesen Bericht. Die Autorin hatte wohl während der Fahrt nichts zu tun und beschrieb jedes kleine Detail der Reise. Wir mussten mit Lachtränen in den Augen auf der Hälfte zu lesen aufhören, damit wir noch die Chance auf eine neue Erfahrung haben.
Wir handeln den Reiseunternehmer von 32 auf 30 USD herunter und er holte uns um 4:30 morgens im Hotel ab. Nach 10 Minuten sahen wir ein Feuer am Straßenrand brennen und ich sagte spaßeshalber, von hier ginge es wohl los. Und tatsächlich war dort der Anleger, ein paar Planken, über die man in die Boote stolperte.
Gangway
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Als es dann kurz nach 5 losging, war es noch etwas frisch, so dass wir froh waren, unsere Schlafsäcke dabei zu haben. Alle beneideten uns um den erhöhten Platz auf dem Achterdeck.
kaffee an deck
SMQ_JIQ an Deck

Toller Sonnenaufgang, gutes Essen, herrliche Ausblicke auf das Treiben auf dem Fluss, etwas laute Dieselgeräusche.
sunrise over Irrawaddy
sunrise_boot
essen
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Unser Schwesterschiff, ohne unser schönes Achterdeck allerdings.
Schwesterschiff

bruecke

verkehr

boot2

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Hier kann man die Goldwäscher bei der Arbeit sehen. Die Boote haben Saugvorrichtungen an Bord, und der Sand wird dann über Siebe geleitet. Irgendwo muss ja der Goldüberzug auf den Pagoden herkommen.
goldsucher

pagode am wasser

hello

hopoff

Ein Bier an Bord gab es leider wegen der „Kein Bier vor vier-Regel“ nicht. Wir kamen knapp nach 4 vor der genannten Zeit in Mandalay an. Die Einfahrt ist toll, weil man die Pagoden von Sagaing passiert. Kurz vorher fährt man unter zwei Brücken hindurch. Eine dritte Brücke ist gleich am Anfang der Reise gewesen. Wer kein Boot hat, kommt dazwischen nicht auf die andere Seite.

bruecke_pagoden

bruecke_pagoden2

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Die Taxifahrer warten schon.
anleger

Wir fanden, es hat sich gelohnt, aber wir kommen auch aus dem Land zwischen den Meeren. Es waren 6 Leute als Personal dabei, das Boot hat Sprit verbraucht, das Essen war nicht üppig, aber ordentlich. Wenn man bedenkt, dass vielleicht 20 Passagiere mit uns fuhren, die alle 30 USD bezahlt haben, frage ich mich, wie sich die Reise für den Unternehmer rechnet. Vielleicht, weil die Reederei die Ferngläser eingespart hat?
fernglas

fahne

 18. Januar 2019  Kommentare deaktiviert für Myanmar #8, Bootsfahrt auf dem Irrawaddy
Jan 172019
 

welcome
Ungefähr so willkommen wie mit dieser alten Fußmatte wurden wir in Bagan empfangen. Im Hotel ankommen, werden wir vom Personal verständnislos angekuckt: „Was wollt ihr denn hier? Wir haben doch versucht, euch zu erreichen und mitzuteilen, dass eure Zimmerbuchung gecancelt wurde!“
Das war uns bei booking.com noch nie passiert. Nachdem wir uns nicht abwimmeln ließen, quartierte man uns erstmal in ein anderes Hotel in der Nähe ein, das sogar einen Pool hat. Das war aber auch schon alles an Vorteilen. Am nächsten Tag wurden wir zurückübersiedelt, aber erst am Abend konnte man uns die Lösung präsentieren, die wir von Anfang an gebucht hatten. Wir glauben nicht, dass booking.com Schuld hatte, also falls euch das Bagan Hybrid dort mal als Option angeboten wird, lieber nicht buchen. Wir kamen am 28.12. an, da gab es nicht EINE Unterkunft mehr. Also sollte man über die Feiertage lange im Voraus buchen.

Am Abend noch gingen wir zur ShweZiGon-Pagode, eine weitere wichtige buddhistische Pilgerstätte. Ein Wandelgang führt zum Haupteingang, in dem natürlich Buddhastatuen und Tand verkauft wird.
Shwezigon_gang
Die Anlage ist aber wunderschön.

ShweZiGonPagode

ShweZiGonPagode_mönch

Shwezigon_liegender buddha

Mönche sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.
monks are not what they used to be

Am nächsten Morgen konnte ich früh nicht mehr schlafen und machte mich auf eine kleine Wanderung in die Ebene, was mir sehr gut gefallen hat. Unerwartet stiegen die Ballons zu einer Fahrt auf, die wir nicht machten, weil uns 400 USD pro Person für eine 45-minütige Fahrt zu teuer erscheint. Der Urlaub gehörte mit 1300€ pro Person so schon nicht zu den billigsten Reisen, die wir gemacht haben.
balloons

Wir wollten für das Sightseeing gerne Elektro-Roller ausleihen. Mittags waren aber schon alle weg. Für den nächsten Tag reservierten wir dann welche. Für 35.000 Kyat pro Kutsche mieteten wir dann 2 Pferdekutschen und ließen uns bis Sonnenuntergang durch die Ebene juckeln. Die Kutscher kannten wenigstens noch eine Pagode, auf die man für einen besseren Überblick hochkraxeln kann. Daher ist dieser Panoramablick:
Pano_Bagan

Dies ist zwar eine andere Kutsche, aber so ähnlich sahen unsere auch aus.
Kutsche
Unsere Kutscher:
Kutscher

fahrer
Beide spuckten dauernd ihren Betelsaft aus, daher die verfärbten Zähne.

Jetzt kommen die üblichen Touri-Fotos von den Pagoden, in die man zumeist hinein gehen kann. Seit dem großen Erdbeben von 2016, bei der viele Pagoden einstürzten, ist es generell verboten, hinaufzuklettern und die Zugänge werden entweder scharf bewacht oder sind mit Gittern verschlossen. Schade für uns, für die Pagoden und Tempel sicher eine gute Entscheidung, denn nicht alle Touristen sind vorsichtig mit den Altertümern. Wenn das Gelände vielleicht im nächsten Jahr zu den Weltkulturerbstücken zählt, wird man sich für den Erhalt sicher noch mehr Restriktionen einfallen lassen müssen. Die Tempel sind jedenfalls noch ordentlich in ihrem althergebrachten Gebrauch.
gebete

glocke

kutsche_pagode

Für die Neuvergoldung und Instandhaltung geben die Einheimischen trotz schmalem Verdienst viele Spenden.
Geld

buddhas hand, teilvergoldet

Es waren burmesische Feiertage, daher waren wir nicht ganz alleine.
menschenmasse

Die Pagoden stehen buchstäblich überall in der Gegend rum. Schlimm.
Nicht draufsetzen Vogel! - Zu spät..

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Der Dings

selfies und helfies

Essen gibt es auch an den wichtigsten Tempeln.
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Viele werden gerade renoviert. Hier werden Mörteleimer nach oben gezogen. Das am Baum umgelenkte Seil zieht die Gondel hoch. Ich wollte es mit Jan Ingmar auch probieren, da war aber schon Mittagspause.
eimer

In allen Tempeln ist das Füße tragen strenstens verboten.
footwear
Viele sind gefliest, aber die meisten nicht.
fussabdruck

Von erhöhtem Standpunkt aus.
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Wirklich schlimm. Fast schon langweilig.
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An vielen Stellen haben sich Künstler niedergelassen und bieten ihre Bilder an, von denen viele mit örtlichem Sand auf Baumwollstoff gemalt sind.
Painter
Von ihm, Zaw, mit dem wir uns eine ganze Weile unterhielten, kauften wir ein Bild. Sein Vater und sein Großvater waren schon Sandbildmaler gewesen.
zaw_2
SMQ malt
Aber auch normale Händler wollen einem etwas Gutes tun und bieten einem Longyis oder T-Shirts für kleines Geld an. Es gibt schlechtere Orte, um seine Ware anzubieten.
baum__schatten

Der nächste Tag mit E-Rollern als fahrbarem Untersatz (für nicht mal 10 €, Pfand nicht nötig) ist viel selbstbestimmter als mit Kutsche. Wir entdecken recht bald den Turm, von dem aus man die Ebene aus 60 m Höhe auskundschaften kann und kaufen für relativ teure 8 USD Eintrittskarten. Diese sind aber zweigeteilt, und wir erfahren, dass man uns zum Sonnenuntergang damit noch einmal den Aufstieg gewähren wird.
turm und kuh

auf turm

Die Könige hatten vor langer Zeit schon Türme mit ähnlicher Optik.
turm

Alle warten gespannt auf den magischen Moment.
Waiting for Sunset

Da ist er ja schon.
mobiles

Bagan Ebene

Bagan Ebene mit Vögeln

sqsmqjiq

Wir finden, Bagan ist eine Reise wert. Vieles war anders als bei meinem ersten Besuch vor 33 Jahren, aber in 33 Jahren wird noch viel mehr anders sein. Die Tempel und Pagoden werden aber wohl noch stehen.
Ich hatte mehr Bilder, als ich unterbringen kann. Wer an noch mehr visuellem Input interessiert ist, klickt hier.

 17. Januar 2019  Kommentare deaktiviert für Myanmar #7, Bagan
Jan 162019
 

Unser Ziel ist es gar nicht, anzukommen. Wir wollen reisen. Jedes Verkehrsmittel, das Myanmar zu bieten hat, wollen wir benutzen. Bötchen und Zug haben wir schon, jetzt ist der Bus dran. Nach Bagan sind es mehr als 340 km, das werden also 8-10 Stunden. Von Vietnam kannten wir es schon, ein Übernachtbus sollte es sein, mit bequemen Liegen, morgens ausgeruht ankommen, dann den Tag mit einem Milchtee oder Kaffee starten. Daraus wurde nichts. Wenn es so etwas überhaupt gibt, waren wir für die Fahrkarten zu spät. Alles auf Tage ausgebucht. Schließlich tummeln sich in Nyaung Shwe noch mehr Touristen, die alle nach Bagan wollen. Dann fahren wir eben für 12.000 Kyat (8 €) mit dem Minibus.
Da ist unser Bus ja. So mini ist der gar nicht. Gegen Busse, Autos und Motorräder kann die Kutsche auf lange Sicht nicht bestehen.
alt gegen neu

Ich hänge die ganze Zeit am Fenster und schaue mir an, was Land und Leute zu bieten haben. Transportmittel werden ausgereizt.
lkw

Schwer, mal ein Bild ohne Pagode zu machen.
tal

Falls jemand noch mal interessiert, wie Tankstellen so aussehen. Schwer, mal ein Bild ohne Pagode zu machen.
Tanke

Auf der ganzen Strecke wird gebaut. Entweder wird die Straße neu gebaut oder befestigt, verbreitert oder gegen Steinschlag gesichert. Die Strecke verläuft lange in den Bergen auf Serpentinen. Ein LKW mit voller Ladung sahen wir im Graben liegen.
Vieles im Straßenbau ist Handarbeit, sowohl das Schotter machen als auch das Teeren.
steinekloppen

Auch Frauen arbeiten körperlich schwer. Manchmal hab ich den Eindruck, NUR Frauen arbeiteten körperlich schwer.
strassenbau

Das ist natürlich Quatsch. Teerfässer.
Fass

An einer Kehre konnten wir beobachten, wie Straßenbauerinnen Pause machen, um von Vorbeireisenden Lebensmittel in der Blechschale entgegen zu nehmen, in der sonst Steine geschleppt werden.
milde gabe2
milde gabe

An 2 Stellen halten wir 20 Minuten; Pinkelpause und Gelegenheit, etwas zu essen. Entweder direkt von der Straße in die Hand.
baoziverkauf
pitstop
pitstop3

Oder im Restaurant.
pitstop5

Mit Toilette für Ausländer und Normalos.
toilet foreigner

Unterwegs ist es manchmal auch ganz idyllisch.
tal

Das könnten wir in 20 Jahren sein.
herbert und ilse

 16. Januar 2019  Kommentare deaktiviert für Myanmar #6, Busfahrt nach Bagan