Jun 152009
 

Die Wahl ist ja nun gewesen, den rechten Ausgang hat es irgendwie nicht genommen. Mit wem man auch spricht, alle sind unzufrieden. So können die Unruhen noch lange gehen..

Aber macht euch keine Sorgen um uns. Soweit ist also alles in Ordnung. Arbeit und Schule finden geregelt statt, entschieden wird aber jeden Tag neu darüber.Wir sind von den Unruhen nicht direkt betroffen. Unsere Gegend ist kein belebter Treffpunkt, und alles an Unruhen findet an anderen Orten statt.

Am Tag sind wir in der Schule und bekommen sowieso nichts mit. Der Weg nach Hause führt uns nur durch kleine und noch kleinere Straßen, auf denen sich sowieso nur Anwohner bewegen. Ansonsten hören und lesen wir nur, was in der Stadt los ist, bekommen davon aber nichts direkt mit. Die einzige Sache, die wir selbst erlebt haben, war gestern Abend. Um 21.15 Uhr ging aus den Fenstern von den Dächern und aus den Hauseingängen ein lautes Gerufe „Allahu akbar“ (Gott ist groß) los. Es war wie ein Rufen und Antworten und war – wie ich heute erfahren habe – verabredet von Musawi-Anhängern, um ihrer Ohnmacht eine Stimme zu geben. Uns hat es sehr irritiert, weil wir nicht wussten, was los war. Es blieb bei uns alles friedlich. Das war nicht überall so, aber die Berichterstattung aus Teheran ist – wie ich das so mitbekomme – ganz aktuell und kritisch. Es sind etliche ausländische Berichterstatter in der Stadt. So werden diese ganzen Schweinereien wie von der Polizei angezündete Fahrzeuge usw. einfach gefilmt und verbreitet. Wir bewundern die jungen Leute für ihren Mut, fragen uns aber auch, zu welchem Erfolg das führen wird.

Die Kinder bekommen einiges davon mit, und wir haben viel zu erklären. Natürlich wird in der Schule viel geredet. Viele Kinder wohnen an exponierten Plätzen, sodass sie vom Dach, Balkon oder aus dem Fenster einiges sehen. Die größeren sind zum Teil auch auf der Straße. Da wird viel erzählt. Unsere Kinder wissen aber auch, dass diese Unruhen die Unruhen unserer Gastgeber sind, und wir uns da nicht einmischen dürfen. Also bleiben wir brav nach der Schule zu Hause, spielen, lesen, malen und richten es uns gemütlich ein.

Internet ist zeitweise so lahm, dass es eigentlich nicht funktioniert und SMS-Dienste sowie handy-Netze werden vorübergehend blockiert. So will die Staatsmacht die Kommunikation zwischen den Musawi-Anhängern stören. Das können sie natürlich nur vorübergehend, weil auch staatliche Stellen auf diese Dienste angewiesen sind.
[Steffi]

 15. Juni 2009  Add comments

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muss sein

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