Einladungen


Dies Wochenende hat uns der, der uns schon mal mit plattem Reifen geholfen hatte, wiederholt zu sich nach Hause eingeladen. Wir schaufelten uns den Abend frei, wollten kurz vor der Ankunft noch ´ne Wassermelone als Mitbringsel kaufen, und als wir danach losfahren wollten, sprang die Maschine nicht an. Große Aufregung und unser Gastgeber holte seine komplette Familie zur Verkehrsinsel, wo alle Frauen und Kinder sich auf die Picknickdecke setzten und diskutierten, ob man noch 2 oder lieber 3 Tage warten solle, bis der Wagen verkauft werden muss. Er sprang dann aber doch noch an – Batteriewackelkontakt.
Hier blieben wir liegen: ein riesiger Platz („Platz des Gebetes“)Die Familie wohnt ausserhalb THR´s in Eslam Shahr, und sie haben keine Möbel ausser Teppichen, einem Fernseher, 2 Kühlschränken, einem Computer (ohne Internet). Im Nebenzimmer steht noch ein Schrank, in dem Wäsche und wichtige Dinge untergebracht werden (die Hochzeitsfotos kamen von da). Die Küche und das Klo ist hinter dem Innenhof, so dass man im Winter erst durch die Kälte muss. Auch wenn es 100 qm sein sollen, sind es doch nur 2 Räume, in denen die Familie wohnt. Betten werden jeden Abend neu ausgerollt. Es gab nichts Großartiges zu essen, nur ein sehr schmackhaftes Khorescht mit Reis, aber vorher Obst, was einen Lastwagenfahrer im Schichtdienst sich bestimmt nicht aus dem Ärmel schüttelt. Obst kostet fast so viel wie in D. Und es reicht nicht, nur Äpfel hinzustellen… 200 Euro kostet das Haus, etwa 3mal soviel verdient unser Gastgeber. Wie man da ehrlich bleiben kann, ist mir schleierhaft. Wir waren jedenfalls sehr beeindruckt, wie aufrecht die Familie bei der einfachen Lebensweise sich hält.
Das Essen ist etwas anders bei einer Einladung in Iran: Man isst erst, nachdem man sich lange mit dem Gespräch beschäftigt hat, dann wird schnell gefuttert und man geht zügig. (Vielleicht liegt es am fehlenden Alkohol)

Das Kontrastprogramm war dann am nächsten Abend bei einer scheidenden Botschaftsangehörigenfamilie, die den Pool für die Kinder auf 29° hochgeheizt hat (ich glaube, Solveigh war tatsächlich 4 h im Wasser)Und danach generationenübergreifenden Tanz bis spät in die Nacht.

Shari`ati

Jeden Morgen, wenn ich zur Arbeit gehe, mache ich vom selben Standort ein Bildchen. Da, wo man den Blick auf die Berge hat und auf den manchmal furchtbaren Verkehr. Ich steh da unter der Brücke Pol-e Sadr und gehe dann 50 m nach links weiter. Dort warten Taxis, die, wenn sie 4 Personen geladen haben, losfahren und einen auf festen Strecken zum nächsten Verkehrknotenpunkt bringen. Dort wird umgestiegen und man kann so schnell und günstig durch Tehran reisen. Bis zum Chamran, von wo ich noch 15 Minuten laufen muss, bezahle ich 300 Toman, etwa 25 Cent. Geredet wird in den Autos nicht viel – entweder man ist noch müde oder von der Arbeit erledigt. Auch Gelegenheitstaxifahrer gibt es, die nur mal Leute mitnehmen, um etwas Geld dazuzuverdienen. Der hier war allerdings direkt gierig:
Und jetzt einige Bilder über die letzten Monate von der Xiabune Shari´ati:
Je weiter unten die Bilder sind, desto älter sind sie. Is vielleicht nicht für jeden interessant, aber ich musste das unbedingt mal machen…
12.5.09:14.4.09:6.4.09:Dies, wo die Straße leer ist, ist an Nouruz (22.3.09) gewesen. Man konnte tatsächlich ohne Angst, überfahren zu werden, über die Straße gehen:
9.3.09:31.1.09:26.1.09:25.1.09:11.1.09: Die Fahnen sind noch Überbleibsel vom nach Nouruz grössten Ereignis im Jahr – Ashura.
16.12.08:15.12.08:8.12.08:2.12.08:18.11.08:16.11.08:11.11.08:10.11.08:
Hier noch eins vom März von der Straße, die auf der Brücke verläuft, unter der ich stehe. Nach etlichen Tagen Kälte und „heavy rain“ scheint jetzt die Sonne, der Himmel ist knallblau und es wird wohl so warm, dass wir uns wünschen werden, unsere Klimaanlage würde funktionieren…
In einer Seitenstraße der Shari´ati wohnt der dt. Botschafter mit Familie. Das ist der absolute Kontrast, wenn man dort z.B. eingeladen ist, weil bei ihm im Wohnzimmer das 1. Schulkonzert stattfindet. Das Schönste ist dann für die Kinder, sich im Garten auszutoben. Ein pers. Freund, der mit war, kriegte vor lauter Staunen über den Platz den Mund kaum noch zu. 10.000 m2 x 10.000 EUR , soviel dürfte das Gelände wohl wert sein.

Das ganz normale Leben

Diese Woche war zwar nicht langweilig, aber eigentlich tun wir nichts anderes als in D auch – Schule, Arbeit, kleine Ausflüge. Nachdem unser Auto klaglos startet und auch noch ohne Murren fährt, erkunden wir die Gegend um Tehran.Eigentlich wollten wir ganz woanders hin, aber die Straßen führten uns nach Ab Ali, wo wir vor ein paar Monaten schon mal waren. Hier transportieren Esel über Stock und Stein alles, was aus den Bergen raus (Steine, Walnüsse, Holz) und rein (Zement und andere Baumaterialien) muss.
Der Weg dorthin begleitet einen reißenden Bach, der solange malerisch ist, bis man sich an sein Ufer begibt. Die iranischen Picknicker nehmen nämlich nichts wieder mit. (Aber ich glaube, ich beklage das nicht zum ersten Mal) Überall wo es Häuser gibt, stehen Restaurants, die allerdings nicht mit den uns bekannten verglichen werden dürfen. Meistens handelt es sich um Kababis, in denen Fleisch auf Spießen über offener Gas- oder Kohleflamme gegrillt werden. Dazu wird Reis oder Brot und einige gegrillte Tomaten gereicht und man trinkt Dough, ein Joghurtgetränk mit Pfefferminze und Salz. Kulinarisch ist das nicht der Himmel, aber man wird satt und sitzt in entspannter Atmosphäre auf Holzgerüsten, die mit Teppich gefüttert sind, fast an der frischen Luft, denn diese Behausungen halten keiner Deutschen Energieeinsparverordnung stand. (Lüftungswärmeverluste)
Wenn es Eintopf gibt, nehmen wir den und noch lieber Khoresht, was Gemüsesoße mit Fleischeinlage ist, die man über den Reis kippt.Man kann auch Kababis antreffen, die ein kleines Haupthaus haben und einzelne Zelte, in die dann Öfen gestellt werden. Im Moment ist das auch nötig, denn wir haben es nicht grad gemütlich; als wenn der Winter nachgeholt werden müsste. Sobald die Sonne rauskommt, schwitzt man aber auch gleich.
Das Reiterfieber hat beim freitäglichen Ausflug zum Stall jetzt auch Steffi gepackt, und die Kinder üben fleißig mit dem Esel, der als Attraktion bei der Zirkusveranstaltung der Schule eine „tragende Rolle“ spielen soll.
Doof war diese Veranstaltung der Kunst-AG der Schule, die zu sehr schönen Ergebnissen geführt hatte. Die Kinder bekamen zu erfahren, es würde eine Ausstellung geben, in der alle Exponate gezeigt würden (in einer echten Galerie). Als wir zur Vernissage eintrafen, war Martjes Bild gar nicht dabei. Die Enttäuschung bei ihr war groß, aber wir sind ganz froh, denn die Eltern sollten die Bilder für 100.000 Tuman, etwa 80 € zurückkaufen, dabei hatten wir die Materialkosten schon bezahlt.Heute habe ich nochmal einen relativ nutzlosen Tag mit dem Verkäufer unseres Autos zugebracht, der im Bestreben, uns die Hecklappe öffen- und nutzbar zu machen, den Heckscheibenkurbelgriff kaputtrepariert hat. Sie geht jetzt zwar auf und zu, aber es knirscht überall, und mir sträuben sich die Nackenhaare. Er sagte, er bestellt einen neuen Griff, aber ich glaub, ich will den dann selber einbauen.Da steckt das Problem dieses Landes drin, dass alle immer rumbasteln und selten einer was ordentlich zu Ende führt. Die Leidensfähigkeit der Bevölkerung ist auch in diesen Angelegenheiten riesig. Wenn etwas nicht ordentlich funktioniert, dann ist das eben so. Nur wenns wirklich wichtig ist, regt man sich auf.

Wir müssen uns öfter klarmachen: das Leben könnte schwieriger sein.

Schick die Kinder in die Wüste!

Meine Güte, was man in zwei Wochen alles erleben kann, wenn man ein Auto hat. Also erstmal fing es an zu schneien und richtig kalt zu werden, als wenn das Wetter uns auf die Norddeutschen neidisch machen wollte. 2 Tage später wars dann wieder schön, aber eigentlich gehört das so nicht.
Schließlich hatte Martje Geburtstag und wir wollten ordentlich draußen feiern. Zwischen zwei Regenschauern bekamen wir tatsächlich in schönstem Sonnenschein einen Schulbus mit 12 Kindern auf das Grundstück einer Kollegin gefahren, Mittagessen, Kuchen und Spiele verabreicht und Geschenke ausgepackt. Der Einfachheit halber hatten Solveigh und JanIngmar auch gleich miteingeladen, um ihren Geburtstag vorzufeiern. Schließlich sind einige der Kinder im Herbst schon nicht mehr da. Schade, dass nicht alle kommen konnten, der Termin war etwas unglücklich gelegen.
Als wir wieder los mussten, fing es an zu donnern und wie aus Kübeln zu gießen.
Nachdem alles schön Wasser bekommen hat, sieht die Welt hier auch schon fast so aus wie die norddeutsche Tiefebene (denkt euch die Berge weg):
Bei unseren sonstigen Ausflügen haben wir gutes Wetter, nicht zu warm, nicht zu kalt.
Im Osten THR´s gibt es den riesigen Wald-Park Lavizan, der als Aufzuchtpark und grüne Lunge arbeitet, wo man ausgedehnt spazieren kann. Ohne Auto war das für uns alles nur schwer möglich.
Die ersten Melonen aus dem Süden Irans werden auf den Autobahnen auch schon angeboten. Das Hochhalten von Melonen oder Granatäpfeln, wenn am Tag 60.000 Autos an einem vorüberbrausen ist allerdings kein Job, der mir Spaß machen würde.
Die Farbe der Appetizer ist in Wirklichkeit nicht so dunkel, daher findet man nahe der vollgeladenen Autos oft Farbdosen und rote Klexe auf dem Seitenstreifen. Werbung funktioniert nun mal nur so.Mandeln und Aprikosen werden erstaunlicherweise oft schon gepflückt, bevor sie reif sind, und man verzehrt sie als saure Nascherei mit etwas Salz. Wir brausen jetzt also öfter an solchen Ständen vorbei, und damit das auch zuverlässig machbar ist, muss unser Wagen in Schuss gebracht werden. Ohne Hilfe hätte ich diese Werkstatt sicher nicht gefunden. Wieder ging ein ganzer Tag dabei drauf, Bremsbeläge und Zündkerzen zu wechseln, na große Inspektion eben. Das Inspizieren hat jedoch auch seine Grenzen, wie wir bald feststellen mussten. Rundum-Sorglos-Werkstätten hab ich noch nicht kennengelernt. Dieser Mechaniker verstand nun wirklich was von seinem Handwerk, aber die Sache mit der Vorderachse sollte ich doch woanders machen lassen. Und die Öle kann ich in der Werkstatt 3 Garagen weiter prüfen lassen. Ist vielleicht auch nicht schlecht, wenn man überall seine Spezialisten sitzen hat. Ich hätte gern die Klappe zugemacht und ihn mitgenommen…
Bei der Eisdiele konnten wir dann nicht mehr weiterfahren. Wir hatten (wieder) einen Platten, diesmal in einem nagelneuem Reifen. Zum Glück 200 m daneben ein Reifenhändler, der ihn flicken kann.Das alles musste ja noch schnell gemacht werden, weil wir am Freitag in die Wüste fuhren.
Eine kleine Baumgruppe behauptet sich dort 10 km hinter einer Müllkippe bei Kashan gegen die Dürre. Nur Schafe, Käfer und Skorpione (ein ganz kleiner war unter dem Zelt eines Mitcampers) in der Nähe. Und an diesem Wochenende 7 Erwachsene und 11 Kinder. Achja und zwei Spinnen-Geckos, die Bekannte von einer Wüstentour mitgebracht hatten, und für ein Terrarium sind die Viecher nichts. Daher wurden wir das Auswilderungsteam und konnten wieder unser Karma verbessern.Man hätte denken können, es wäre die dänische Nordseeküste, wenn es nur Wasser gäbe. Es war allerdings ungewöhnlich grün, weil es die Tage vorher geregnet hatte.
Hier stehen alle Kinder an, um auf Dosen zu schießen. Hab ich´s schon geschrieben?; für die Kinder war es das Paradies. Manchmal waren sie für 2 h unterwegs und gruben wieder irgendwo Skorpionfallen oder rollten die Dünen runter.Auf dem Rückweg blieben wir, nachdem unsere moderner ausgestattete Begleitung vorgefahren war, auf der Autobahn, aber schon in THR liegen. Es machte klackerklonk und ein paar Metallteile des Blazer sah ich im Rückspiegel noch über den Asfalt springen. Kein Abschleppdienst in Sicht, also muss Papa wieder mal selber ran. Zum Glück hatte ich meinen Glücksbringer dabei, ein astreines Stahlkabel aus ner Mülltonne, das ich bei meinen Spaziergängen gefunden hatte. Den Querlenker hatte ich schon mal kurzfristig damit reparieren können, also auch jetzt das zerrupfte Kreuzgelenk der Antriebswelle. (Ich müsste ne Zeichnung machen, um es genau zu erklären). Bis zur nächsten Abfahrt wollte ich wenigstens, aber es hielt besser als gedacht, so dass wir bis in den Großen Bazaar uns ver-fuhren, wo ich an einem Teilehandel fragte, wo man Amerikaner reparieren würde. Ein Opa stand davor, der angab, selber Mechaniker zu sein, und als ich ihm den Schaden gezeigt hatte, sagte er mir, er würde eben mit dem Motorrad vor uns herfahren und zeigen, wo man es reparieren könnte.
Tatsächlich landeten wir vor einer Werkstatt, die NUR Antriebswellen on Stock hatte. Die beiden Jungs bockten den Wagen hoch, bauten die Welle aus, drehten das defekte Teil mit der Drehbank ab, schweißten ein anderes Gebrauchtteil an, sprühten noch schnell Farbe, bauten wieder ein, und eine Stunde später konnten wir uns durch den Stau Richtung zu Hause begeben.
Ich weiß nicht, ob es an uns liegt, aber irgendwie hatten wir schon immer Glück.

Sizdah Bedar

Jetzt ist Nouruz vorbei. Die nationale Untätigkeit ist beendet. Heute war noch ein Tag, an dem fast alles geschlossen war, aber es ist ja auch Jom´e.
Der wichtigste Tag war Sizdah Bedar, „Loswerden vom Dreizehnten“, dem Unglückstag für den, der zu Hause bleibt und nicht in die Natur geht. Oder fährt..
Hier wandern wir mit Fisch und Grün zur nächsten Taxizentrale.
JanIngmar macht es vor: man bindet eine rote Schleife um den Sabzi und dann wird er in irgendeinen Jub geschmissen.
Ich glaube zwar nicht, dass mehr als 1 Prozent wirklich anwächst, aber die Idee finden wir hübsch. Das mit den Fischen lassen wir allerdings beim nächsten Mal, die Mortalitätsrate war einfach zu hoch.Steffi betont immer, wie schön das Neujahr hier ist – kein dunkles, kaltes Fest, an dem man keinen Hund vor die Tür jagt, sondern der Beginn des Lebens mit zartem Grün an den Bäumen und freudigem Herzen, weil die Tage wieder länger werden. Also sind wir wie im letzten Jahr schon nach Jamshidieh gefahren, um dort unser Sabzi und vor allem die übriggebliebenen Fische der Natur zu übereignen. Wie wir denken natürlich alle Tehranis, also war es entsprechend voll. Alle haben gute Laune, grillen ihr Kabab, machen Musik, rauchen Wasserpfeife, alles sehr entspannt. Und fast überall, wo Platz für eine Picknickdecke ist, saß jemand.
Einen Platz gabs doch noch für uns, und inmitten von Tausenden von Städtern, die auf staubigem Boden rumhängen, fühlten wir uns einfach wohl.
Euch allen wünschen wir ein frohes neues Jahr!

Der erste Besuch

Zwei Wochen liegen hinter uns, die es in sich hatten.
Zunächst war diese Geschichte mit dem Auto, die noch nicht zu Ende ist. Immerhin bekam ich es ja vor den Feiertagen noch angemeldet und fahrbereit, so dass ich meinen Bruder und seine Arbeitskollegin mit dem eigenen Fahrzeug vom Flughafen abholen konnte.
Am selben Tag noch ließen wir uns von der Seilbahn in den Schnee bringen, wir bekamen alle Sonnenbrände, ohne dass uns warm geworden wäre.
Unser erster Auto-Ausflug führte uns in die Berge ca. 30 km von THR entfernt,
die Straße endet an einem Dorf, das einen kleinen Wasserfall hat, der das Dorf mit Wasser versorgt. Dort hielten wir uns mehrere Stunden bei bestem Wetter auf.
Nicht alle Ausflüge waren so erfolgreich, der Letzte führte uns auch wieder Richtung Berg, aber auf halber Strecke wollte der Truck nicht mehr – Motor aus, wahrscheinlich wieder die Benzinpumpe. Beim Aussteigen sagte JT: „Jochen, wir haben nicht nur ein Problem, guck mal nach rechts hinten.“ Dass die Reifen nicht mehr perfekt waren, wusste ich schon, aber dass gleich die ganze Luft rauswollte, hatte ich von ihr nicht erwartet.
Was tun? Der ADAC braucht doch zu lange, also telefonieren wir mal irgendwelche Freunde an. Dumm, ausgerechnet hier hab ich keinen Empfang. Nach 15 min. hielt jemand, der unsere Sprache spricht (Englisch), auf dem Weg über die Berge zum Kaspischen Meer. Ja, er könnte uns helfen.
(Kiitos, Eeva, für dieses Bild, wann krieg ich den sonst schon mal so zu sehn?)
Wagenheber haben wir ja, das Rad kriegen wir schon irgendwo repariert. Blöd, dass Feiertag ist. Zweieinhalb Stunden brauchten wir Familienoberhäupter, um einen neuen Reifen aufziehen zu lassen und zurückzufahren, während der Rest der Truppen am Autobahnrand bräsig in der Sonne saß, Pistazien knabberte und die letzten Neuigkeiten in der Welt diskutierte.
Na ja, der Turmbau zu Babel hat am Gedankenaustausch viel verhindert.

Vielleicht sehn wir unseren freundlichen Helfer noch mal wieder, unsere Tel.-Nr. hat er jedenfalls.

Fortan hatten wir nicht mehr so viel Vertrauen in unser Vehikel, deshalb fuhren wir lieber zu acht in kleinen Kia´s (6 Pers. hinten, 2 vorne) in die Museen oder Parks.
Aber mit unserm Auto würden wir vielleicht sowieso nicht in die Innenstadt kommen. Mit geraden Nummerschildern kommt man Sonntags, Dienstags, Donnerstags und mit ungeraden usw… (Kann auch sein, es ist andersrum) Freitags dürfen alle rein. Soll den Smog bekämpfen. Wer es sich leisten kann, hat 2 Autos mit ungerader und gerader Nummer.

Das Azadi-Monument im Osten der Stadt, das 1971 zum 2500jährigen Bestehen des persischen Reiches errichtet wurde. Man kann 268 Stufen hochkraxeln und ist dann 45 m über den Straßen. Unter dem Bauwerk befindet sich eine Ausstellung, die den Charme der DDR der 70er Jahre hat. Witzig war der Roboter, mit dem man sich unterhalten kann. Bei der Frage, welches Geschlecht er/sie denn hätte, kam die Antwort „Zan=Frau“. Warum sie den keinen Hejab tragen müsse? Für Roboter würde das nicht gelten. – Die Frau, die in irgendeiner Ecke in einem anderen Raum saß und den Mechanismus bediente und die Fragen beantwortete, war allerdings doch komplett in Chador gewandet.

Am letzten Tag wollten wir unseren Gästen den großen Bazar zeigen, wo man kaum durch die Massen kommt, weil normalerweise überall Leute und Lastkarren und Motorräder sich durch die engen Gassen quälen. Aber obwohl geöffnet sein sollte, gab es fast nur verschlossene Fenster-Läden zu sehen. Ein Scenario, in dem man problemlos Endzeit-Horrorfilme drehen könnte.

An all diesen Tagen hatten wir sehr angenehmes Wetter, um die 24 Grad, blauer Himmel, obwohl der BBC-Wetterreport an mehreren Tagen Heavy Rain angekündigt hatte. Das wurde dann unser Running Gag: So sieht also schlechtes Wetter in Tehran aus.

Und einen Tag, nachdem unsere Gäste fort waren: Schneefall mit Matsch und Temperaturen, dass wir den Gaskamin anschmeißen mussten.

Mashine nou daarim

Nun ist unser Nouruz-Tisch fertig. In der Schule wurde am Tag Chaharshanbe (=Donnerstag) Suri auch gefeiert, der Hadshi Firuz (so ne Art Schornsteinfeger, allerdings in rot gekleidet, der auf dem Tamburin Krach macht) war da, es wurden Feuer entzündet, wo die Kinder rübersprangen, was Glück bringen soll. Wer´s sehen will, muss mal die Internetseite der Schule anklicken:
schulwebs1.dasan.de/ds_teheran/aktuelles_norouzfest_0809.htm
Und die Fische vom Schul-Nouruztisch bekamen wir mit, so dass nach dem Ableben eines weiteren Fisches noch 3 bei uns übrigblieben.
Drei Tage meines Lebens musste ich der Arbeit fernbleiben, weil das Anmelden des Autos so viel Zeit in Anspruch nahm. Ein Tag mussten wir zum östlichen Ende der Stadt, wo beim Notar die Umschreibung des Autos begann. „Name des Vaters?“ – „Heinz, wieso?“ Die Frage hatte ich beim Anmelden des ADSL-Anschlusses bereits beantworten müssen.
Am nächsten Tag ging es ohne persisch-englische sprechende Bekannte mit dem Verkäufer auf die Zulassungsstelle, die am gegenüberliegenden Ende der Stadt liegt, wo wir Nummernschilder zu bekommen hofften. Da am nächsten Tag (wieder mal) Feiertag war, fanden wir eine ungelogen 2 km lange Schlange von Autos vor, in die wir uns einreihten. Nach 2 Stunden waren wir dran – leider hatte ich unsere Telefon- und Wasserrechnung nicht dabei, die beweist, dass ich auch wirklich da wohne, wo ich gesagt hatte. Und der Mietvertrag lautet ja nicht auf meinen Namen, sondern der der Schule. Also mussten wir mit dem Taxi zurück zur Schule und nach Hause. In der Schule war grade die Feier zu Chaharshanbe Suri. Trotzdem war die Verwaltungsangestellte so nett, mir den Mietvertrag zu kopieren und draufzuschreiben, dass wir die Wohnung dauerhaft in Besitz haben.
Damit und mit den Rechnungen bewaffnet gings zurück aufs Amt. Und tatsächlich konnten wir nach insgesamt 8,5 hrs die Schilder in Empfang nehmen. Für 80 Cent wurden sie noch schnell an die Stoßstange genietet. Dann konnten wir zurück ins Verkehrschaos. Glücklicherweise passierte dem Vorbesitzer das, was mir am Vorabend schon 2x passiert war – wir blieben liegen. Es war die Benzinpumpe, die Aghaye Hadi am folgenden Tag noch tauschte, auch die nicht funktionierende Handbremse wurde in Ordnung gebracht. Beim abschließenden Notarbesuch, um das Auto auf meinen Namen umzuschreiben, verifizierte ich mich nicht nur mit Unterschrift, sondern auch mit Fingerabdruck. Am Abend war das Auto fahrbereit, mit neuem linken Reifen, Muttern an allen Rädern, neuer Front- und Heckscheibe und einer CD-Stereoanlage mit Fernbedienung. Da heute auch Feiertag war, fuhr ich mit der Mashin zur Arbeit – die Straßen THR´s fast nur für mich. Ein guter Tag zum Fahrenlernen, immerhin ist der Wagen 1,90m breit und so hoch, dass ich in den geöffneten Motorraum nur greifen kann, indem ich auf die Stoßstange klettere.
Aber die Kinder lieben den Wagen schon, und am ersten Abend, an dem er vor der Haustür stand und wir ihn innen saubermachten, schlich gleich ein anderer Amischlittenbesitzer um das Fahrzeug rum, bis ich rausgeklettert kam. Wenn ich Probleme hätte, sollte ich mich nur melden. Er würde im Nachbarhaus wohnen und kenne einen guten Mechaniker.
Ich habe keinen Zweifel, dass, wenn wir liegenbleiben sollten, sofort 30 Mann hoch um uns stehen, und alles versuchen, um uns wieder flott zu kriegen. Aber das liegt ja noch in weiter Ferne ;-))

Nouruz naht

Klar, eigentlich kann sich jeder von euch sich selber über Nouruz informieren, aber in Kurzform will ich gern berichten, wie wir es hier erleben:
Es steht das iranische Neujahrsfest vor der Tür, am 21.3. ist es soweit, aber man merkt, dass die Leute jetzt schon ganz aus dem Häuschen sind. Überall auf den Geschäftsstraßen stehen fliegende Händler mit Goldfischen, minikleinen Schildkröten, Sabzi (Kräuter) und vieles mehr, was man für den Nouruztisch so braucht. Die Straßen sind voll wie nie, alle kaufen neue Möbel, die Zamjad-Pickups mit Teppichladungen sind noch zahlreicher als sonst.
Und wir freun uns auf ein leeres THR, da alle versuchen, aus der Stadt zu Verwandten oder ins Sommerhäuschen zu fahren. Letztes Jahr waren wir ja bereits für eine Woche hier, und die Stadt kam uns schön ruhig vor, und gar nicht wie nach 14 Mio. Das dauert etwa 2 Wochen, solange kann man hier eigentlich keine Geschäfte machen. Ich hab mich anstecken lassen, als ich letztens mit JanIngmar einkaufen war. Ein Glas, 2 Goldfische, eine kleine Schildkröte – fertig ist das Nouruz-Starterset. Steffi war böse, als wir damit ankamen, und ich muss sagen, zu recht, denn es dauerte keine 12 Sunden, da hatten wir 2 Todesfälle zu beklagen. Die Kinder nahmen Schildkröte und Fisch mit zum Schulgelände, wo die Leichname bestattet werden sollten. Leider blieb die Tüte bis zur ersten Pause draußen liegen. Wenigstens eine der zahllosen in Mülltonnen hausenden Katzen hatte ein kleines frisches Frühstück.

Auszug aus dem Wikipedia-Artikel über Nouruz:
„Wichtigstes Brauchtum sind die Haft-Sin („Sieben-S“). Am Vorabend des Neujahrstages, brennt in jedem Zimmer des Hauses eine Kerze (Symbol des Lichts). Auf einem festlich gedeckten Tischtuch, der in manchen Familien am Boden liegt, oder auf einem Tisch, werden sieben Gegenstände ausgebreitet, die mit dem Buchstaben „S“ (pers. Sin) beginnen: Sabzi (Grünzeug), Samanu (eine süße Speise aus Weizenkeimen), Sir (Knoblauch), Serke (Essig), Somagh (saures Gewürz), Sib (Apfel) und Senjed (Mehlbeeren). Außerdem kommen Sekke (Münzen), häufig auch Sonbol (Hyazinthe) sowie Sepand (eine wilde Raute) – für den Weihrauch – hinzu. Zusätzlich werden ein Spiegel (Symbol für Glück), ein oder einige Goldfische, die in einem durchsichtigen Wasserkrug schwimmen, ein Stück Brot, bemalte harte Eier sowie Diwan-e Hafez (Gedichtband von Hafez), bei Zoroastriern eher das Awesta und bei Moslems der Koran, gedeckt.“
Ein wenig fehlt noch, bis der Tisch komplett ist, aber wir haben ja auch noch nicht „NeuTag“. 13 Tage später wird dann das Kraut und der Fisch in die Natur entlassen, das soll Glück bringen. Und wir brauchen kein Aquarium.
Immerhin haben wir auch etwas neu, was allerdings nicht die Wohnung, sondern die Straße zieren wird: Endlich soll ein Auto unser eigen sein. Wir haben mit viel Hilfe einen Chevrolet Blazer K5 V8, 5,7 l Hubraum, Bj. 76 (und zwar nicht nach islamischem, sondern nach europäischem Kalender) gefunden, der vielleicht noch vor Nouruz angemeldet werden kann. Klar, ein bisschen Angst ist schon dabei, mit so´nem Geschoss durch die Gassen zu fahren, aber mehr, andern wehzutun, als dass uns jemand ankarrt. Aber wir haben doch immer Glück gehabt, warum nicht auch jetzt? Den Namen haben wir noch nicht festgelegt, Steffi meint „Mashin“ wäre angemessen, die Kinder plädieren für „Monstertruck“. Ich weiss, wir sind nicht ganz schussecht.
Aber auch wenn wir jetzt als Großkopferte auftreten, vergessen wir doch nicht, dass es eine ganze Menge von Menschen hier gibt, denen es so viel schlechter geht als uns. Oft sehen wir kleine Kinder an den Ampeln zwischen den Autos stehen, die, ob jetzt von einer Drückerbande geschickt oder nicht, durch den Verkauf von Spüllappen, Kaugummi oder Streichhölzern Geld verdienen müssen. Und Frauen, die das gleiche machen, halten ihre Kinder auf dem Arm mit Tabletten ruhig, damit sie das möglichst lange aushalten.
Meist sind es Afghani, die die Mülltonnen nach PET-Flaschen oder anderen wiederverwertbaren Dingen durchforsten, bevor um 12 Uhr nachts mit großem Getöse die Müllabfuhr kommt, um den Rest abzuholen und irgendwo hinzukippen. (Ich hab gehört, man buddelt Löcher und schiebt alles da rein, manche Müllberge werden auch einfach angezündet, das sehn wir oft auf dem Weg zum Reiterhof. Entschwefelungsanlagen? Woher? Im Zweifel kann man damit auch Kernkraftwaffen bauen.. Aber Warum? ist eigentlich die naheliegendere Frage, denn es gibt einfach kein Bewusstsein dafür.)
Der behinderte Straßenverkäufer auf dem Tajrish-Bazaar hat es da noch vergleichsweise gut.
Und er hier hat wenigstens ein Mopped, mit dem er seine 3 Frauen durch die Gegend kutschieren kann. Dies ist übrigens ganz alltäglich, nur nicht immer gut zu fotografieren, daher kommen die Bilder kleckerweise. Einen schönen Frühlingsanfang wünscht
[jochen]

32 Buchstaben und 12 Zahlen

Langsam muss ich ja mal was über die persische Schrift schreiben, und inzwischen kann ich es auch. Die meisten Zeichen auf den Straßen sind zwar 2-sprachig beschriftet, aber wenn man eine kleine Gasse sucht, ist man auf Schriftkenntnisse angewiesen (allerdings schnall ich auch ab, wenn es sich um Schreibschrift handelt).

Also, mit den Zahlen geht es jetzt erstmal los: Es sind nur 12 Zeichen, die man sich merken muss, und zwei davon kennen wir schon: 1 und 9 sind fast identisch, die Null ist nur ein Punkt, sehr einfach zu merken.Zwei und drei merk ich mir, indem ich den Kopf nach schräg rechts halte, die 5 ist mir sowieso die Liebste und Sieben ist wie ein Sieb und die 8 klingt wie Dach. 4 und 6 sind wirklich schwer, weil die auch noch in je 2 Arten vorkommen. Da hilft keine Eselsbrücke, nur Lernen.
Buchstaben:
Es gibt 10 Grundformen von Buchstaben, die jeweils mit Punkten oben oder unten versehen werden und damit ihren Laut ändern. 7 weitere bleiben für sich. Aber fast alle kommen noch jeweils in 3 weiteren Formen vor, je nachdem, ob man den Buchstaben vorn, in der Mitte oder am Ende des Wortes findet. Sind zusammen schlapp 100 Zeichen, die man sich merken muss.
Schwierig wird es, wenn man ein Wort sucht, oder schreiben möchte, das man gehört hat. Da es h, t und gh jeweils in 2, z in 3 und s in 4 varianten gibt, dauert das Suchen im Wörterbuch manchmal recht lange. Wenn oben ein Punkt drauf ist, ist es meistens ein z.
Ach ja, Vokale werden zwar gesprochen, aber nicht geschrieben.. (außer o und i), das heißt, man muss das Wort eigentlich kennen, um es sprechen zu können. Nach Gefühl liege ich zumindest bei 50% richtig.
Lesen kann ich ja nun ganz leidlich, aber Verkehrsschilder im fahrenden Auto überfordern mich auch noch oft. Das Dumme ist, auch wenn ich´s lesen kann, weiß ich noch lange nicht, was es bedeutet.
JanIngmar und Solveigh sind in Deutschschreiben wahrscheinlich nach einem halben Jahr weiter als ich in Farsi.

Selbstverständlich werden Zahlen und Buchstaben in unterschiedliche Richtungen geschrieben, also die Zahlen wie in Europa auch von links nach rechts, die Buchstaben aber von rechts nach links. Bücher fangen natürlich auch auf der andern Seite an.

Kalligraphie ist ein ganz großes Thema in Iran, fast in jeder Wohnung hängen kunstvoll gestaltete Gebete an den Wänden (in den Moscheen ja sowieso). Das schönste Beispiel ist auf den Moscheendächern. Die Geschichte dazu:
Vor etwa 1200 Jahren war eine große Schlacht, die die Perser verloren, und als alle auf dem Schlachtfeld dürstend vergingen, raffte sich einer auf (Sohn von Imam Hossein), der zum Fluss lief und seinen Kollegen mit bloßen Händen Wasser brachte, bis die Feinde ihn schnappten und die Hände zur Strafe abschlugen. Sein Name war Abul Fazl und JaAbulFazl! ist heute noch ein Ausspruch wie bei uns Oh Gott!
Deshalb gibt es die Hand auf vielen Moscheendächern, und zufällig sieht es mit etwas Fantasie genau so aus wie das Wort Allah in schön geschrieben.Andersrum sind die iranischen Perser mit der westlichen Schrift nicht so vertraut:

Dieser Flyer bewirbt kein Hutgeschäft, sondern ein Kebab-Bringedienst. Solche Druckfehler sieht man eigentlich an jeder Straßenecke. Iran hat nun mal nicht viele Ausländer aus dem Westen.

Unsere Freunde R. und M. haben für jeden von uns noch in D einen Stempel anfertigen lassen, auf dem unsere Namen zu lesen sind. Eigentlich wollten sie uns Türschilder machen lassen, aber Mahmood, unser Persischlehrer in HH, der ihnen die Buchstaben vorschrieb, meinte, das würds hier nicht geben. Nun haben wir beides. Vielen Dank an euch 3!
Tatsache ist aber, dass es Türschilder nicht gibt. Allenfalls steht eine Nummer auf dem Klingelschild draußen an der Haustür.
Unsere Hausnummer hat sich (neben der Klingelschild-Nummer) auch geändert, wie übrigens in fast ganz THR. Von Nummer 2 auf 44. Das erfuhren wir von dem Menschen, der unseren ADSL-Anschluss installierte, er kam nämlich zu spät, weil er unser Haus nicht gefunden hatte.
Meinem Chef hatten sie den Büro-Telefonanschluss gesperrt, weil die Hausnummer sich auch änderte, die Telefonrechnung daher nicht zugestellt wurde und folglich auch nicht bezahlt werden konnte…
Hier sieht man, dass das Nummernändern nicht zum ersten Mal vorkam. Man kann auch nur am Alter des Schildes feststellen, welche Nummer die neueste ist. Die alten werden nicht abgemacht, damit man das Haus besser beschreiben kann: „Hausnummer 25, vorher 10, davor 15“ gibt es sicher auch in THR nicht so oft.

Kurzurlaub in Lorestan

Jetzt sind wir wieder zurück von unserem 5-tägigen Ausflug nach Lorestan.A. war so nett, uns in ihrem „Sabzi-polo“ (Reis mit Kräutern), so heißt der in Iran gebaute Landrover bei ihnen, weil er grün-weiß ist, mitzunehmen. Alle Gepäckstücke aufs Dach, Kinder in den Kofferraum und los ging die fast 9-stündige Fahrt 500 km Richtung Bagdad.
Schon kurz hinter der Stadtgrenze Teherans, wo auch immer die ist, fährt man durch Wüste, an Salzseen vorbei und die Städte und Dörfer werden immer armseliger, bis wir schließlich in Lorestan auf der Araberzuchtstation einer Freundin von A. ankamen.Die Landschaft und die Häuser sind in Lehmgrau gehalten, aber wenn erstmal der Frühling durchkommt, soll es ein Fest fürs Auge sein. Vielleicht erleben wir das später noch mal. Es fing bereits an, grün zu werden, und die ersten Obstbäume hatten ihre Knospen bereits rausgeschickt.
A. behauptet, Lorestan wäre das Armenhaus Irans, und besonders im letzten Jahr muss es für die Loren schlimm gewesen sein, weil eine große Dürre herrschte, und die Bauern für die Tiere kein Futter mehr hatten. Von hier irgendwo hat A. auch den Esel, der jetzt in Tehran steht, und den sie damit vom Verhungern rettete.

Vor allem der überall rumliegende Müll ist oft nur schwer zu ertragen. Man muss eben drüberwegsehen. Es gibt kaum ein Bewußtsein dafür, dass man nicht auf seiner eigenen Scheiße wohnen muss.
Khorram Abad ist die 20 km entfernte Provinzhauptstadt, die als ein Highlight die Burg Falak-ol-Aflak aus dem Mittelalter aufzuweisen hat, in dem das Nomadenmuseum untergebracht ist. Der Ausflug in die Stadt war für die Wangen unserer Kinder, immerhin 6 gelbe Stück, wieder besonders anstrengend.

Auf dem Bazar ist es immer interessant, man kann sich kaum sattsehen an der Vielfalt an Waren. Hier ist ein Würfelzuckerhersteller am Werk. Aus Zuckerhüten werden mit ner Hacke kleine Stücke gemacht; wenn man es mit seiner Familie besonders gut meint, sucht man sich einen besonders schönen aus und macht man sich die Arbeit selber. Das Stück Zucker wird zwischen die Zähne geklemmt, und der durchlaufende Tee wird lecker süß. Natürlich braucht man so für ein Tässchen durchaus 4 oder mehr Stückchen.
Endlich waren die Kinder mal für was gut, ich musste nur mal zeigen, wie es geht, dann hatten sie für eine Stunde gut zu tun.
Hier werden Schafsköpfe für ein iranisches Nationalgericht (Kalehpaatscheh) angeboten. Wen´s interessiert, für den frag ich nach der genauen Zubereitung…
Für die Kinder war der Anblick natürlich nichts, die freuen sich lieber an in Farbe getauchten Küken. Solveigh weinte schließlich bittere Tränen, dass wir ihr keins kauften.Lorestan hat einige Wasserfälle, und an einem davon (Bisheh Ab-shar) verbrachten wir einen herrlichen Sommertag. (Ende Februar!) Ansonsten war es jedoch ziemlich kalt. Immerhin sind wir auf 2500 m Höhe.
Mühsam war es vor allem für Martje, die mit ihren Krücken Stock und Stein schlecht überwinden kann (und für die Eltern natürlich, die dann das Kind tragen müssen)
A. ist auch imer für Quatsch zu haben, und so durften die Kinder eine Weile in herrlicher Berglandschaft auf dem Sabzidach mitfahren. Was die vorbeifahrenden Iraner wieder gedacht haben?
Und danach aufs Hochplateau zum Drachensteigen lassen. Ein richtig schöner Tag (nicht nur) für die Kinder.
Die Nomaden sind noch in ihren Winterlagern, im April/Mai gehn sie wieder auf die Reise. Viele bekamen wir nicht zu sehen, das iranische Einheitsschwarz wird von ihnen jedenfalls nicht getragen. Und ihre Teppiche sind auch schön bunt. Auf dem Bazar fanden wir zwei schöne Exemplare, die eigentlich Wandbehänge sind, die jetzt unseren Fußboden zieren.
Und weils so schön gelungen ist, noch ein Bild von einer Moschee von unterwegs. Wir waren wirklich froh, dass die Fahrt ohne Unfall zu Ende ging; im Tehraner Stadtverkehr, der uns allein 1,5 Stunden kostete, kriegten wir noch einige zu sehen.

ungesuchte Wege finden